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Allensbach-Analyse : Die Grünen - mit dem Zeitgeist im Rücken

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Bild: F.A.Z.

Die Grünen sind zurzeit so beliebt, dass nicht einmal mehr der Gedanke schreckt, einer der ihren könnte Ministerpräsident in einem Bundesland sein. Ist es ein unaufhaltsamer Aufstieg oder ein kurzlebiger Boom - oder beides?

          Fasziniert verfolgt die Öffentlichkeit seit Monaten den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg der Grünen. Seit der Bundestagswahl 2009 ist kaum ein Monat vergangen, in dem nicht neue Rekordwerte für die Partei in Umfragen gemeldet wurden. Es scheint plötzlich nicht mehr undenkbar zu sein, dass die Grünen in Baden-Württemberg und in Berlin nach den kommenden Landtagswahlen die Regierungschefs stellen. Anhänger wie Gegner der Partei fragen sich, wie dauerhaft dieser Aufstieg in der Wählergunst ist. Handelt es sich um eine langfristige Kräfteverschiebung im Parteienspektrum oder um einen kurzlebigen Boom, der – um ein Wort Joschka Fischers aus dem Wahlkampf 2005 zu gebrauchen – wie ein Soufflé wieder in sich zusammenfallen wird? Die Ergebnisse der jüngsten Repräsentativumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag dieser Zeitung deuten darauf hin, dass in der Lage von heute etwas von beidem steckt.

          Es ist offensichtlich, dass die Partei der Grünen derzeit große Sympathie in der Bevölkerung genießt, weit über die traditionellen Grünen-Anhänger hinaus. Auf die Frage „Würden Sie sagen, Bündnis 90/Die Grünen gefallen Ihnen alles in allem gut oder teilweise oder gar nicht?“ antworten jetzt 21 Prozent der Deutschen, ihnen gefielen die Grünen gut; das sind dreimal so viel wie im März vergangenen Jahres. Weitere 51 Prozent sagen, sie gefielen ihnen zum Teil; im letzten Jahr waren es noch 41 Prozent. Bemerkenswert ist, dass sich auch die Anhänger anderer Parteien mehrheitlich positiv über die Grünen äußern. 79 Prozent der SPD-Anhänger, aber auch 56 Prozent der Anhänger der CDU/CSU und 57 Prozent der FDP-Anhänger geben zu Protokoll, dass ihnen die Grünen zumindest „teilweise“ gefielen. Zum Vergleich: Dass ihnen die FDP gut oder teilweise gefalle, sagen heute gerade mal 31 Prozent der Deutschen.

          Starke Strömung des Zeitgeistes

          Noch aufschlussreicher als die Größe der tatsächlichen Anhängerschaft ist die der „gefühlten“ Anhängerschaft. Gegenwärtig herrscht in der Bevölkerung der Eindruck vor, die Grünen seien außerordentlich populär. Dies zeigen etwa die Antworten auf die Frage: „Jetzt einmal abgesehen von Ihrer eigenen Meinung: Was glauben Sie, gefallen den meisten Leuten bei uns in der Bundesrepublik im Augenblick die Grünen gut, oder glauben Sie das nicht?“ Im März 2009 glaubten 8 Prozent der Bürger, die Grünen gefielen den meisten Menschen, heute sind es 43 Prozent.

          Die Frage nach der Meinung „der meisten Leute“ gibt einen klaren Hinweis auf die Stärke und die Richtung des Meinungsklimas, das eine Partei oder ein bestimmtes Meinungslager in der Gesellschaft stützen oder auch unter Druck setzen kann. Sie zeigt in diesem Fall, dass die Grünen von einer außerordentlich starken Strömung des Zeitgeistes getragen werden. Auch andere Umfrageergebnisse deuten darauf hin: So antworten zum Beispiel auf die Frage, ob die Grünen derzeit eher „in“ oder eher „out“ seien, 59 Prozent, die Partei sei „in“.

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