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Allensbach-Analyse : Die Angst vor Veränderung

  • -Aktualisiert am

Anhänger der AfD demonstrieren (Anfang November) in Berlin. Bild: dpa

Ein Gefühl der Unsicherheit greift um sich. Die deutsche Gesellschaft hat sich mit der Gegenwart gut arrangiert, fürchtet sich aber vor der Zukunft. Politisch profitiert davon besonders die AfD – die Linke und Grüne überholt.

          Vor einem Jahr erschien in der F.A.Z. ein Artikel mit dem Titel „Ein Volk kommt zur Ruhe“. Er beschrieb, dass die Deutschen trotz allen Ärgers über die Staatsschuldenkrise in Griechenland und der damals auf ihrem Höhepunkt stehenden Pegida-Demonstrationen mit erstaunlicher Ruhe und relativer Zufriedenheit und Zuversicht auf ihr Land und das politische System blickten.

          Von dieser Ruhe und Zuversicht ist heute wenig geblieben. Seit Jahrzehnten stellt das Institut für Demoskopie Allensbach zum Beginn eines neuen Jahres die Frage: „Sehen Sie dem kommenden Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen?“ Zur Jahreswende 2014/2015 lag der Anteil derjenigen, die antworteten: „Mit Hoffnungen“, bei 56 Prozent, zur Jahreswende 2015/2016 waren es noch 41 Prozent. Es ist offensichtlich, dass viele Bürger angesichts der Flüchtlingskrise tief verunsichert sind, und diese Verunsicherung ist, wie die jüngste Umfrage im Auftrag dieser Zeitung zeigt, grundlegender Natur. Sie geht über eine bloße Reaktion auf das Tagesgeschehen hinaus.

          Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis einer Frage, bei der die Befragten gebeten wurden anzugeben, welche Dinge ihnen zurzeit große Sorgen bereiten. Dazu wurde eine Liste mit 16 Punkten zur Auswahl vorgelegt. An der Spitze der Dinge, die den Bürgern Sorgen bereiten, steht, genannt von 82 Prozent der Befragten, die Furcht, dass Gewalt und Kriminalität zunehmen. Dieses Ergebnis ist sicherlich eine unmittelbare Reaktion auf die Ereignisse in Köln in der Silvesternacht. Zwar gehört die Angst vor wachsender Kriminalität traditionell zu den am häufigsten geäußerten Sorgen, doch im Juli vergangenen Jahres hatten „nur“ 60 Prozent diesen Punkt genannt.

          Auch bei den in der Rangliste folgenden Punkten handelt es sich um Reaktionen auf aktuelle Ereignisse: 74 Prozent sagten, es mache ihnen große Sorgen, dass es in Deutschland zu einem Terroranschlag kommen könnte, 73 Prozent fürchten, dass immer mehr Flüchtlinge ins Land kommen. Dass diese Dinge die Menschen bewegen, ist nicht überraschend. Interessant ist aber die Entwicklung der Antworten bei einem anderen Punkt, der - in vager Formulierung - ein von der Tagespolitik unabhängiges Unsicherheitsgefühl beschreibt. Er lautet: „Die allgemeine Unsicherheit, wie es weitergeht.“ Dass ihnen dies Sorgen bereite, sagten 2014 im Sommer 29 Prozent, heute 53 Prozent.

          In die gleiche Richtung deuten die Antworten auf die Frage: „Leben wir heute in einer besonders unsicheren Zeit, ich meine, dass alles weniger kalkulierbar und planbar ist als früher, oder würden Sie sagen, vor 20, 30 Jahren war alles genauso unsicher?“ Im Juli 2011 waren 44 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass wir in einer besonders unsicheren Zeit leben, im November 2012 waren es 48 Prozent, heute liegt der Anteil bei 58 Prozent. Anscheinend haben viele das Gefühl, die Orientierung, den Halt zu verlieren.

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