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Allensbach-Analyse : Die Angst vor Veränderung

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Deutschland zeigt die Merkmale einer gesättigten Gesellschaft. Dies wird bei einer Frage deutlich, die ein beinahe schon geflügeltes Wort aus der Gründerzeit der Bundesrepublik aufgreift: „Finden Sie es wichtig, dass es Ihren Kindern finanziell einmal bessergeht als Ihnen selbst, oder reicht es aus, wenn es Ihren Kindern einmal genauso gut geht, oder könnten die finanziell auch einige Abstriche machen?“ 45 Prozent sagten in der aktuellen Umfrage, es solle ihren Kindern einmal bessergehen, 49 Prozent meinten, es reiche, wenn es den Kindern ebenso gut gehe wie den Befragten selbst, oder sie könnten sogar einige Abstriche machen. Eine knappe Mehrheit zeigt also keine Neigung, zusätzlichen Wohlstand zu erwirtschaften.

Es gibt gute Gründe, dies positiv zu bewerten. Diese Haltung ist die Folge vieler guter Jahre und zeigt, dass der materielle Ehrgeiz der Menschen, anders als in manchen kulturkritischen Schriften gemutmaßt wird, nicht grenzenlos ist. Doch sie ist auch mit Gefahren verbunden, denn wenn das Bedürfnis nach materiellem Aufstieg verlorengeht, geht auch ein Ansporn verloren, Kraft und Kreativität zu entfalten, die Neues entstehen lässt.

Es ist anzunehmen, dass die Neigung, am Bestehenden festzuhalten, in den kommenden Jahrzehnten noch zunehmen wird, denn sie ist eine wahrscheinlich unausweichliche Folge der Alterung einer Gesellschaft. Eine Frage lautete: „Wenn Sie einmal daran denken, was Sie alles besitzen: Möchten Sie Ihren Besitz weitgehend so behalten, wie er ist, oder streben Sie danach, mehr zu besitzen, oder wären Sie auch mit weniger zufrieden?“ 51 Prozent antworteten, sie möchten vor allem ihren Besitz behalten, 23 Prozent sagten, sie strebten nach mehr. Nur in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen überwiegt mit 53 zu 21 Prozent die Zahl derer, die nach mehr streben, von den 60-Jährigen und Älteren sagen dies nur 5 Prozent, während 67 Prozent mit der Verteidigung ihres Besitzes zufrieden sind.

Dieses Ergebnis mag wenig überraschend und leicht zu erklären sein, doch man muss sich seine Konsequenzen vor Augen halten: In einer alternden Wohlstandsgesellschaft wird es für die Menschen immer wichtiger, den bestehenden Zustand zu verteidigen und immer weniger wichtig, mit Risikobereitschaft neue Chancen zu suchen. Das betrifft materielle Dinge, aber, wie sich in den Allensbacher Umfragen immer wieder zeigt, auch andere Lebensbereiche wie etwa Fragen der sozialen und inneren Sicherheit.

Selbstverständlich erklärt diese Entwicklung allein nicht die Befürchtungen der Deutschen im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise. Es gibt auch für grundsätzlich risikobereite, innovationsfreudige Menschen sehr gute Gründe, angesichts der derzeitigen Einwanderung ernsthaft besorgt zu sein. Doch man erkennt, wie sehr die Deutschen gefordert sind: Die Einwanderung vieler hunderttausend Menschen aus einem fremden Kulturkreis wäre für jede Gesellschaft eine große Herausforderung. Doch diese Herausforderung mit Mut und Optimismus anzunehmen ist besonders schwer, wenn Veränderung an sich bereits als Bedrohung empfunden wird.

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