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Allensbach-Analyse : Alternative für Deutschland?

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Immerhin können sich 17 Prozent der Bürger vorstellen, eine Partei zu unterstützen, die sich für die Abschaffung des Euro einsetzt. Für politisch Desinteressierte ist dies eher vorstellbar als für politischInteressierte. Stellt man Ziele aus dem Programm vor, unter anderem die Wiedereinführung der D-Mark, den Stopp von Hilfszahlungen an überschuldete Euro-Länder, eine teilweise Rückverlagerung von Kompetenzen von der europäischen auf die nationale Ebene und eine stärkere Bürgerbeteiligung, wächst das Potential geringfügig auf 19 Prozent. Der Kreis, der es grundsätzlich begrüßt, dass sich eine Partei mit diesem Programm konstituiert, umfasst 22 Prozent der Bevölkerung.

Die Piraten hatten noch höheres Potential

Für die Einordnung dieser Ergebnisse ist ein Vergleich mit den Potentialen der Piraten interessant. Hier konnten sich im Verlauf der vorigen anderthalb Jahre bis zu 32 Prozent vorstellen, diese Partei einmal bei Wahlen zu unterstützen. Binnen weniger Monate ist dieses Potential dramatisch geschrumpft, da die Piraten es nicht schafften, den Organisationsgrad, die personelle Ausstattung und das inhaltliche Profil zu entwickeln, mit dem sie ihr Potential besser hätten nutzen können. Auch die AfD steht nun vor der Herausforderung, Strukturen für einen Wahlkampf aufzubauen.

Die Fokussierung auf ein Ende der Währungsunion ließe erwarten, dass sich das Potential der AfD vor allem aus der über 60 Jahre alten Bevölkerung rekrutiert. Dies ist jedoch nicht der Fall. Obwohl die ältere Generation noch weitaus mehr an der D-Mark hängt als die junge, kann sie sich weniger als der Durchschnitt der Bevölkerung vorstellen, diese Partei zu unterstützen.

Die Partei rekrutiert aus allen Lagern

Das Potential der AfD rekrutiert sich unterdurchschnittlich aus den Unter-30-Jährigen sowie aus der älteren Generation, leicht überdurchschnittlich aus den 30- bis 60-Jährigen. Dagegen weicht die Bildungsstruktur stärker vom Durchschnitt der Bevölkerung ab: 51 Prozent des Potentials haben Volks- bzw. Hauptschulabschluss (in der Bevölkerung 39 Prozent), nur 11 Prozent ein abgeschlossenes Studium beziehungsweise Abitur; in der Gesamtbevölkerung hat jeder vierte einen höheren Bildungsabschluss.

Was den politischen Standort angeht, rekrutieren sich die potentiellen Unterstützer der AfD aus allen Lagern, leicht überdurchschnittlich bemerkenswerterweise aus Anhängern von Linken und Piraten. Das mutet zunächst merkwürdig an; diese Kreise verbindet aber eine überdurchschnittliche Unzufriedenheit, verbunden mit einem unterdurchschnittlichen Vertrauen in die etablierten Parteien. Insgesamt ergeben jedoch die parteipolitischen Sympathien der potentiellen Unterstützer kein gravierend anderes Bild, als es im Durchschnitt der Bevölkerung zu finden ist. 40 Prozent setzen die Unionsparteien auf den ersten Rang ihrer Parteisympathien, 27 Prozent die SPD.

Bei den konkreten Wahlabsichten für die Bundestagswahl spielt die AfD bisher eine untergeordnete Rolle. Obwohl sich knapp ein Fünftel der Bevölkerung vorstellen kann, diese Partei einmal zu unterstützen, erreicht sie bei den konkreten Wahlabsichten bisher nur zwischen 1 und 2 Prozent. Entsprechend ist offen, ob sie reüssieren kann oder nur eine Fußnote der Bundestagswahl ausmachen wird. Alle Zahlen wurden vor dem Gründungsparteitag der AfD erhoben.

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