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Allensbach-Analyse : Alternative für Deutschland?

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Hätten Sie lieber wieder die D-Mark?
Hätten Sie lieber wieder die D-Mark? : Bild: F.A.Z.

Die Zypern-Krise hat auch tendenziell wieder die Zweifel an den Überlebenschancen des Euro verstärkt. Im Februar waren 37 Prozent der Bürger skeptisch, ob es den Euro auch in zehn Jahren noch geben wird, jetzt sind es 42 Prozent. 48 Prozent glauben an die Zukunft der Gemeinschaftswährung. Der Euro wird nach wie vor nicht geliebt. Nur 26 Prozent sind überzeugt, dass der Euro Deutschland überwiegend Vorteile bringt; 33 Prozent assoziieren die Gemeinschaftswährung überwiegend mit Nachteilen, 34 Prozent sowohl mit Vor- wie mit Nachteilen.

Aber trotz dieser Bewertung und trotz der immer wieder aufflammenden Krise setzt sich die Abkehr von der früheren nationalen Währung fort. Der Wunsch nach einer Rückkehr zur D-Mark hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Wünschten sich 2002 noch 61 Prozent eine Rückkehr zur Mark, waren es 2007 55 Prozent, 2010 47 Prozent, 2012 42 Prozent und jetzt 37 Prozent. Eine Währung ist in hohem Maße eine Frage der Gewohnheit - vorausgesetzt sie ist nicht völlig instabil. Besonders für die junge Generation ist die D-Mark schon ferne Geschichte. Nur 20 Prozent der Unter-30-Jährigen wünschen sich die nationale Währung zurück, dagegen 40 Prozent der 45- bis 59-Jährigen und 46 Prozent der älteren Generation. Auch bei den Älteren erodiert jedoch die Sehnsucht nach der Mark kontinuierlich.

Anhänger der AfD halten Euro für einen Irrweg

Diese Sehnsucht ist typisch für diejenigen, die sich vorstellen können, die Alternative für Deutschland bei einer Wahl zu unterstützen. Von ihnen wünschen sich 80 Prozent eine Rückkehr zur nationalen Währung. 69 Prozent dieses Kreises sind überzeugt, dass die Nachteile des Euro für Deutschland überwiegen. Drei Viertel des Potentials der AfD bezweifeln, dass es den Euro in zehn Jahren noch geben wird. Auch die Bedeutung der Gemeinschaftswährung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes wird von den potentiellen Wählern der AfD anders eingeschätzt als von der großen Mehrheit, die keine Sympathien für die Bewegung erkennen lässt. 68 Prozent halten den Fortbestand des Euro für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes für wichtig oder sogar sehr wichtig - trotz der verbreiteten Assoziation mit beträchtlichen Risiken. Von den Anhängern der AfD teilen nur 32 Prozent diese Einschätzung, während die Mehrheit glaubt, dass die wirtschaftlichen Chancen des Landes durch eine Aufgabe der Gemeinschaftswährung nicht tangiert wären.

Die potentiellen Unterstützer der „Alternative“ sind nicht signifikant stärker als der Durchschnitt der Bevölkerung über die Krise in der Euro-Zone beunruhigt. Aber sie halten die gesamte Konstruktion einer Währungsunion für einen Irrweg und hoffen entsprechend, dass die Krise dazu beiträgt, diesen Weg zu beenden. Als Übergangsmaßnahme plädieren sie mit großer Mehrheit für den Ausschluss überschuldeter Länder.

Die Stärke der Parteien
Die Stärke der Parteien : Bild: F.A.Z.

Die andauernde Krise wie auch der immerhin noch bei gut einem Drittel der gesamten Bevölkerung vorhandene Wunsch nach einer Rückkehr zur nationalen Währung schaffen einen Resonanzboden für die neue Partei. Allerdings fällt auf, dass sie vor ihrem Gründungsparteitag völlig im Windschatten der öffentlichen Aufmerksamkeit lag. Nur 22 Prozent der Bevölkerung hatten bis dahin registriert, dass sich die Alternative für Deutschland formierte. Selbst der überwältigenden Mehrheit der politisch interessierten Bevölkerungskreise war dies bis zu diesem Zeitpunkt entgangen. Es bleibt abzuwarten, ob es der neuen Partei gelingt, in den nächsten Wochen nachhaltig Aufmerksamkeit zu gewinnen und dies auch in aktive Unterstützung zu überführen.

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