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Alle Länder im Überblick : Darf ich an Ostern Verwandte besuchen?

Sonnenbaden im Kreis der Familie - ist aber nicht überall erlaubt Bild: dpa

Picknick im Park, Reisen in andere Bundesländer oder zum Zweitwohnsitz, Osterfeier mit den Verwandten oder Sonnenbaden im Park: Was in der Corona-Krise in welchem Bundesland noch erlaubt ist.

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          „Eine Pandemie kennt keine Feiertage“, hat die Kanzlerin vor einer Woche gesagt und allen dazu geraten, zuhause zu bleiben und auf Familienfeiern zu verzichten. Auch die Ministerpräsidenten der Bundesländer rieten dazu. Trotzdem unterscheiden sich die Regelungen, die in den Landeshauptstädten getroffen wurden, teilweise sehr.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          In Sachsen zum Beispiel sind Sonnenbaden und Picknick im Park verboten, in Nordrhein-Westfalen hingegen ist deutlich mehr erlaubt. Trotzdem appelliert die Landesregierung an ihre Bürger, ihre Kontakte so gut wie möglich einzuschränken. Ostern feiern mit Verwandten, die nicht im eigenen Haus leben? Verboten ist es nicht, teilt das Gesundheitsministerium in Düsseldorf mit, schreibt aber auch: „Wir können hier nur dazu raten, möglichst auf Kontakte zu Menschen außerhalb der häuslichen Gemeinschaft zu verzichten. Auch wenn es schwerfällt und persönliche Opfer bedeutet.“

          Entscheidend ist in dieser Übersicht, dass vieles „nicht verboten“ ist, aber die Landesregierungen sehr wohl von Reisen und Besuchen bei der Familie „dringend abraten“. Die F.A.Z. hat alle Länder abgefragt und gibt Ihnen einen Überblick, was an Ostern erlaubt ist. 

          Darf ich ein Eis von der Eisdiele essen?

          Alle Geschäfte haben bundesweit geschlossen, auch Restaurants und Gaststätten. Und so dürfen auch Eisdielen keinen Verzehr am Platz anbieten. In den meisten Bundesländern ist es aber gestattet, unter Wahrung der Abstandsregeln ein Eis zu kaufen und zu verzehren. Ohne Ausnahmen geschlossen haben Eisdielen lediglich in Hessen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

          Ist Picknicken im öffentlichen Park erlaubt?

          In Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Berlin, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ist das Picknick erlaubt. Allerdings in der Regel nur im Kreis der Familie oder mit einer Person, die nicht im eigenen Haushalt lebt. „Alle Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit, die das Abstandsgebot gefährden, sind untersagt; dies gilt insbesondere für Gruppenbildungen, Picknick oder Grillen im Freien“, teilt das niedersächsische Gesundheitsministerium mit. In Bayern ist die Lage unklar. In Hessen ist das Picknick verboten, mit der Einschränkung: „Wer sich aber zu zweit auf eine Decke setzt und ein Brötchen isst, muss kein Bußgeld befürchten“, so das Innenministerium in Wiesbaden.

          Ist Sonnenbaden im Park, etwa auf einer Parkbank, erlaubt?

          Überall ist es erlaubt, Sport zu machen oder spazieren zu gehen. Teilweise mit der Einschränkung, dass es nur in der Nähe des Wohnortes gestattet ist. Die Frage, ob man sich währenddessen für eine längere Zeit auf eine Parkbank setzen darf, wird in Berlin, Brandenburg und Sachsen verneint. So heißt es aus Brandenburg: „Verweilen ist nicht erlaubt, allerdings eine kurze ,Verschnaufpause'.“

          In Bayern ist es kompliziert. Die Polizei legte die Beschränkungen der Landesregierung so aus, dass das Sonnenbaden nicht gestattet ist. Inzwischen zeigte sich Innenminister Joachim Herrmann (CSU) konziliant: „Es spricht überhaupt nichts dagegen, wenn sich jemand im Rahmen seines Spaziergangs allein, mit der Familie oder sonstigen Angehörigen seines Hausstandes zwischendurch auf eine Parkbank in die Sonne setzt."

          Ist es erlaubt, für private Zwecke in ein anderes Bundesland zu fahren?

          Die Mobilität der Bürger ist durch die Corona-Verordnungen in allen Bundesländern deutlich eingeschränkt worden. Grundsätzlich gilt, dass die Bürger einen triftigen Grund haben sollen, um die Wohnung oder das Haus zu verlassen. Die Frage, ob man in ein anderes Bundesland fahren darf, so denn ein guter Grund vorliegt, beantworten fast alle Länder mit einem Ja - verweisen aber sonst auf die Bestimmungen des jeweils anderen Bundeslands. Insofern herrscht in diesem Punkt etwas Verwirrung.

          Keinerlei Verwirrung gibt es in Hamburg, dafür aber Verärgerung: Die Hamburger fühlen sich regelrecht eingesperrt in ihrer Stadt, weil sie nicht mehr nach Schleswig-Holstein reisen dürfen. Es hatte zwischen den Ländern einige Verwerfungen gegeben, weil schleswig-holsteinische Beamte an der eigentlich unsichtbaren Ländergrenze Autos, Radfahrer und Fußgänger in die Hansestadt zurückschickten. Zumindest Radfahrer und Fußgänger sollen jetzt aber nicht mehr kontrolliert werden.

          Darf ich meinen Zweitwohnsitz aufsuchen?

          Die Frage, ob man noch zu seinem Zweitwohnsitz fahren darf, erscheint nur auf den ersten Blick als Luxusproblem. Denn Schätzungen zufolge haben etwa zwei Millionen Haushalte in Deutschland nicht nur einen Wohnsitz. Viele Bundesländer lassen ihren Bürgern denn auch die Möglichkeit, ihn aufzusuchen, so er im selben Bundesland liegt. Auch da haben es die Stadtstaaten wiederum etwas schwerer: Der Berliner Innensenat teilt mit, dass das Verlassen und Wiederbetreten des Stadtgebiets erlaubt ist, wenn man auf direktem Weg zur Wohnung gelangt. 

          Darf ich einen Ausflug machen und beispielsweise wandern gehen?  

          Anders als in einigen europäischen Ländern darf und soll sich in Deutschland noch an der frischen Luft bewegt werden. Die Frage ist, was schon unter den Begriff des „Ausflugs“ fällt und ob dieser dann noch erlaubt ist, immerhin sind touristische Reisen ja untersagt. Die wenigsten Länder haben etwas dagegen, wenn man sich etwa auf eine kleine Wanderung begibt – und dabei die üblichen Regeln (nur zu zweit oder mit der Familie, 1,5 Meter Abstand) einhält. In Sachsen ist die „Richtschnur (..) eine Entfernung von 15 km für Sport und Bewegung an der frischen Luft“, in Sachsen-Anhalt darf die eigene Wohnung oder das Haus nur mit einem „triftigem Grund“verlassen werden, wegen einer beruflichen Reise oder für Sport zum Beispiel. Ein Ausflug könnte, je nach Auslegung der Polizei, nicht dazu zählen.

          Klare Ausnahmen gibt es etwa für die Inseln, die zu Mecklenburg-Vorpommern gehören, sie dürfen nicht betreten werden. Am Donnerstagnachmittag kippte allerdings das Oberverwaltungsgericht Greifswald überraschend in zwei Eilverfahren die Verfügung der Landesregierung, wonach keine Reisen oder Tagesausflüge zu den Ostseeinseln unternommen werden dürfen. Die Landesregierungen, auch von Schleswig-Holstein und Niedersachsen, hatten mit der niedrigen Zahl von Intensivbetten in den Tourismusregionen argumentiert. 

          Darf ich auch mit Verwandten, die nicht im eigenen Haus leben, im Garten Ostern feiern? 

          In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern dürfen auch Familien mit Verwandten Ostern feiern. In Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ist es nicht verboten, wenn es maximal zehn bzw. fünf Personen sind. In Bremen ist man strikt: „Feiern sind zur Zeit in Bremen grundsätzlich verboten“, teilt der dortige Senat mit. In Berlin und Bayern ist es erlaubt, im Kreis derer zu feiern, die im eigenen Haushalt leben, Freunde und Verwandte dürfen nicht dazukommen.

          In Thüringen wäre eine Feier zweier Familien verboten. „Eine einzelne Person darf eine Familie bzw. Personen, die gemeinsam in einem Haushalt leben, besuchen. Zusammenkünfte von Familien (in einem Haushalt lebend) mit mehr als einer zusätzlichen Person sind nicht gestattet“, so das Innenministerium in Erfurt. 

          Anmerkung: Als einziges Bundesland hat das Saarland trotz mehrfacher Nachfrage nicht die Fragen beantwortet.

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