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Wegen Trump und Erdogan : Alice Schwarzer sieht Frauenrechte derzeit massiv bedroht

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Alice Schwarzer in der Redaktion der Zeitschrift „Emma“ in Köln (Aufnahme aus dem Januar 2017) Bild: dpa

Derzeit gehe es in der westlichen Welt für Frauen nicht um Fortschritt, sondern darum, das bisher Erreichte zu halten, sagt Schwarzer. Jungen Frauen werde zudem weisgemacht, die Feministinnen ihrer Generation seien von gestern.

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          Die Frauenrechte sind nach den Worten von Alice Schwarzer in Zeiten von Staatschefs wie Donald Trump oder Recep Tayyip Erdogan international massiv bedroht. Derzeit gehe es in der westlichen Welt für Frauen nicht um Fortschritt, sondern darum, das bisher Erreichte zu halten, sagte die Frauenrechtlerin der Mitgliederzeitschrift des Katholischen Deutschen Frauenbunds, „Engagiert“. Früher habe sie immer an den permanenten Fortschritt geglaubt, doch inzwischen lernen müssen, dass es diesen in der Geschichte nicht gebe. „Auch bei den Geschlechtern geht es bestenfalls zwei Schritte vor und einen zurück.“

          Eines der größten Hindernisse bei der Emanzipation von Frauen sieht Schwarzer in der angeblichen Geschichtslosigkeit. So würden die Frauen gehalten, immer wieder neu von vorne anzufangen, weil die Vorgängerinnen vergessen worden seien. In Deutschland gelte dies in doppelter Weise: Da hätten die Nazis die Frauenrechtlerinnen ausradiert. Die meisten Anführerinnen seien im Exil gestorben.

          „Auch heute will man mal wieder den jungen Frauen weismachen: Diese Feministinnen der siebziger Jahre sind von gestern“, sagte Schwarzer. Das sei praktisch, denn dann müssten die Frauen eben wieder von vorne anfangen.

          Weibliche Solidarität wünscht sich die Frauenrechtlerin besonders in der Frage der Generationen sowie in Bezug auf weniger privilegierte Frauen wie alleinerziehende Mütter, die oft in Teilzeit und bei Hartz IV landeten. Unterstützung bräuchten aber auch Mädchen und Frauen in konservativen oder gar fundamentalistischen muslimischen Familien. „Muslimische Mädchen müssen dieselben Freiheiten und Chancen haben wie ihre christlichen Freundinnen“, so Schwarzer.

          Zugleich verwies sie auf eine Studie des Innenministeriums, wonach jede vierte Muslimin in Deutschland Kopftuch trage – und jede zweite, die sich selbst als „streng gläubig“ bezeichne. Das Kopftuch sei keineswegs ein religiöses Gebot, sondern zu einem „Instrument der fundamentalistischen Propaganda“ geworden.

          „Sicher, wir haben zu respektieren, wenn eine erwachsene Frau es tragen will, was immer ihre Motive sein mögen.“ Aber an Kindergärten und Schulen gehöre das Kopftuch verboten, und zwar für Lehrerinnen wie Schülerinnen, so die Frauenrechtlerin. Dann könnten sich die Mädchen wenigstens dort frei erfahren und würden nicht stigmatisiert.

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