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Alfa : Partei ohne Umfragewerte

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„Allzu viel Feuer in einer Partei ist nicht gut“: Die Parteitagsbühne der Alfa in Ludwigshafen mit dem Bundesvorsitzenden Bernd Lucke Bild: KUNZ / Augenklick

Geläutert und an der Sache orientiert will Alfa sein – also maximal anders als die AfD. Mancher wünscht sich da „mehr Dampf“. Aber Bernd Lucke weigert sich.

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          Auf einmal ist da dieses Dröhnen, ein Ton, der wie ein langgezogenes U klingt. Als würden die Delegierten ihren Vorsitzenden Bernd Lucke ausbuhen, als würde sich die ganze Geschichte wiederholen, die Intrigen, der Streit, der ganze Schlamassel, dessentwegen gemäßigte AfD-Mitglieder im Juli ihre eigene Partei, die Alfa, gegründet hatten. Doch weit gefehlt. Der Ton kommt von Hunderten Stuhlbeinen, die über den PVC-Boden schaben, als die Delegierten sich erheben, um Lucke nach seiner Rede stehend zu applaudieren.

          Justus Bender
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf dem Bundesparteitag der Alfa-Partei am Samstag in Ludwigshafen ist nichts, wie es einst bei der AfD war. Es gibt keine Flügel, keine konspirativen Absprachen. Es gibt keine Redner, die allzu Krudes erzählen, keine Verschwörungstheorien. Es gibt keine Deutschland-Fähnchen, auch keinen Streit darüber, wann der beste Zeitpunkt sein könnte, zu dem das Singen der Nationalhymne in der Tagesordnung vorgesehen sein sollte.

          Nicht einmal die Lautstärke ist mit dem Grundrauschen von AfD-Parteitagen zu vergleichen. Die Delegierten sitzen einfach da, ruhig, konzentriert, manchmal geht jemand ein Brötchen essen. Eine gewisse Langeweile könnte spürbar sein – wäre da nicht das vielsagende Lächeln auf den Mündern von früheren AfD-Funktionären.

          Lucke hat die Parteitagsbühne für eine Viertelstunde verlassen und sich in die letzte Stuhlreihe gesetzt. Er wirkt entspannter als noch vor einigen Monaten. Der Parteitag erinnere ihn an die AfD, wie sie in ihrer Gründungsphase gewesen sei, sagt Lucke dieser Zeitung. Die Ruhe, die ausgesuchte Höflichkeit der Menschen untereinander. „Das ist aber ein Charakteristikum von allen Parteitagen, die wir bei Alfa hatten. Es war immer sehr harmonisch, sehr sachorientiert“, sagt Lucke. „Diejenigen, die aus der AfD kommen, wissen auch, was sie früher erlebt haben, und versuchen, hier eine ganze andere Kultur zu verankern. Und das klappt eigentlich ganz gut.“

          Kaum jemand will Alfa wählen

          Lucke redet, als sei alles in Ordnung mit seiner Partei, das ist es aber nicht. Es gibt ein nicht unerhebliches Problem: Derzeit will kaum jemand Luckes neue Partei wählen. Auf die schlechten Umfragewerte angesprochen, korrigiert Lucke: „Wir haben gar keine Umfragewerte.“ Soll heißen: Die Zustimmung zu Alfa ist so niedrig, dass die Demoskopen sie nur noch unter „Sonstige Parteien“ verbuchen.

          „Es ist natürlich zurzeit sehr schwierig für uns. Das ist auch jedem hier in der Halle bewusst, dass uns der Wind sehr stark ins Gesicht bläst, weil viele kein anderes Thema kennen als die Flüchtlinge und ganz viele Wähler nur einen Denkzettel verteilen wollen. Dafür sind wir aber nicht die Richtigen.“ Eines will Lucke nach seinen Worten nie wieder sein: Vorsitzender einer Protestpartei.

          Manchmal fragen ihn Mitglieder, ob er nicht „mehr Dampf machen“ könne, sprich: ein bisschen populistischer sein, den Umfragewerten zuliebe. Lucke lehnt das jedes Mal ab. „Ich glaube inzwischen, dass es nicht so gut ist, wenn man allzu viel Feuer in einer Partei hat“, sagt er. Viele bei Alfa sehen das so: „Die AfD ist als Wutbürgerpartei erfolgreicher“, sagt etwa das Alfa-Mitglied Ralf Dedermann, „aber Erfolg heiligt nicht alle Mittel.“ Statt Parolen benutzt Lucke gerne Begriffe wie „Politikfähigkeit“ und „Vernunft“.

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