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Lesben-und-Schwulen-Union : „Ich bin auf Wolke sieben“

Am 30. Juni 2017 beschloss der Bundestag die „Ehe für alle“. Die CDU war in der Frage gespalten. Jetzt wertet sie die Lesben-und-Schwulen-Union auf. Bild: dpa

Die Lesben-und-Schwulen-Union soll in der CDU aufgewertet werden. Der Bundesvorsitzende Alexander Vogt will sich künftig „im Herz der Partei“ etwa für die „Absicherung von Kindern in Regenbogenfamilien“ einsetzen. Ein Interview.

          3 Min.

          Herr Vogt, die Struktur- und Satzungskommission der CDU hat an diesem Mittwoch beschlossen, dass die Lesben-und-Schwulen-Union (LSU) als „Sonderorganisation“ anerkannt werden soll. Ihre Gruppe ist damit offiziell ein „Teil der CDU“.

          Tim Niendorf

          Politikredakteur.

          Ich bin auf Wolke sieben. Das ist ein wenig wie der 30. Juni 2017, als der Bundestag beschlossen hat, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zuzulassen. Das war auch so ein Moment, den man nicht fassen konnte. Mir ist bewusst: Das ist noch nicht die endgültige Entscheidung. Das macht der Parteitag dann im Dezember. Da es wohl nur eine Gegenstimme gab, lässt mich das guter Dinge sein.

          Warum ist Ihnen denn dieser Status so wichtig?

          Er ist mit gewissen Rechten verbunden. Dazu gehören Antragsrechte auf dem Parteitag, Mitwirkungsrechte in Gremien. Wir müssen die Anliegen für LSBTIQ*-Menschen da anbringen, wo sie hingehören. Nämlich ins Herz der Partei. Und zwar direkt und nicht indirekt. Wir können das dann also selbst machen.

          Die CDU hat Sonderorganisationen wie den studentischen RCDS und Vereinigungen wie die Junge Union. Hätten Sie sich nicht lieber gewünscht, als Vereinigung anerkannt zu werden?

          Vereinigungen haben mehr Verpflichtungen als Sonderorganisationen. Wir haben nicht die Größe und den personellen Unterbau, um alles zu leisten, was dort gefordert würde. Der Status einer Sonderorganisation ist für uns zur Zeit perfekt und genau richtig. Das ist auch das, worauf ich gehofft habe.

          Wie viele Mitglieder haben Sie denn eigentlich?

          Inzwischen sind es über 700. Die jetzt von der Struktur- und Satzungskommission der CDU genannte Größe von 2000 Mitgliedern für Sonderorganisationen erreichen wir zwar nicht, aber da explizit über die LSU als Sonderorganisation abgestimmt wurde, ist diese Soll-Vorschrift nicht mehr entscheidend.

          Alexander Vogt wurde 1969 in Dülmen (NRW) geboren. Er trat 1999 in die CDU ein und ist seit 2010 Bundesvorsitzender der Lesben-und-Schwulen-Union.

          Nur 15 Prozent der LSU-Mitglieder sind weiblich.

          So ungefähr, ja.

          Das kann Ihnen nicht reichen.

          Bei weitem nicht! Wir arbeiten daran. Das ist ein Problem, das viele Gruppierungen in den meisten Parteien haben.

          Sie haben einmal gesagt, um den Jahrtausendwechsel herum seien LSU-Mitglieder noch als „Schmuddelkinder“ angesehen worden.

          Das stimmt! (lacht)

          Auf dem Parteitag 2003 in Leipzig bekamen Sie nur einen Foyer-Stand ganz am Rande – direkt neben den Toiletten. Da hat sich mittlerweile also doch etwas getan.

          Ja, enorm! Es hat auch gedauert. Es war ein steter Prozess und kein plötzlicher Sinneswandel. Ein einschneidendes Erlebnis gab es dann aber doch. Im vergangenen Jahr nämlich, auf dem Parteitag, der wieder in Leipzig war. Es war dieselbe Messehalle. Und diesmal standen wir ganz woanders. Direkt am Anfang in der Mitte, direkt neben der sächsischen CDU. Und das war schon ein tolles Gefühl. Jeder kam an uns vorbei, wir hatten viele Besucher am Stand. Das hat ja schon gezeigt, wie sich die Partei geändert hat. Nicht jeder, der zu uns kam, war unserer Meinung. Aber die Diskussionen waren gut. Und wir gelten heute als seriöser Ansprechpartner. Die Anerkennung haben wir uns erarbeitet. Daher an dieser Stelle auch mein großer Dank an alle Vorstandsmitglieder und alle, die jemals in einer Funktion bei uns gearbeitet haben und auch an alle Mitglieder, die vor Ort stehen und etwas für uns tun. Die Arbeit hat sich ausgezahlt.

          Was wollen Sie denn mit dem Antragsrecht erwirken, das Sie bald bekommen dürften?

          Es gibt Themen, bei denen noch viel zu tun ist. Dazu gehört das Abstammungsrecht, auch allgemein die Absicherung von Kindern in Regenbogenfamilien. Aber wir haben noch keine formulierten Anträge. Ein Schritt nach dem anderen.

          Noch vor wenigen Jahren hat die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer noch gemahnt, eine Öffnung der Ehe für Homosexuelle könne zu einer weiteren Öffnung führen und einer Ehe zwischen Verwandten die Tür öffnen.

          Wir haben damals Stellung dazu bezogen und mit ihr darüber gesprochen. Die Aussage war nicht gut. Aber Frau Kramp-Karrenbauer, das möchte ich mal ganz deutlich machen, hat uns innerhalb der Partei immer unterstützt und signalisiert, dass wir dazugehören. Sie gleich so in diese Feindbild-Ecke zu rücken, das habe ich nie verstanden. Im Gegenteil. Sie hat als Ministerpräsidentin im Saarland die Etablierung des LSU-Landesverbands aktiv unterstützt und den Vorsitzenden direkt in den Landesvorstand kooptiert. Für mich ist die aktuelle Entscheidung eine konsequente Fortführung ihrer Linie. An dieser Stelle auch einen großen Dank an unseren Generalsekretär, der das ermöglicht hat. Paul Ziemiak hat Weitsicht bewiesen. Wir müssen uns als Volkspartei breit aufstellen, wenn wir überleben wollen.

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