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Alexander Dobrindt : Der Sekretär des Generalvorsitzenden

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CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt: Seit seiner televisonären „Exekution“ bei „Erwin Pelzig“ (ZDF) hat er auch optisch einige Veränderungen an sich vorgenommen Bild: dpa

Für Linkspartei-Chef Ernst ist er ein „Quartalsirrer“, doch das kümmert Alexander Dobrindt nicht. Während Seehofer erkältet darniederliegt, will er sich mit neuem Look und eigenwilliger poltischer Metaphysik profilieren.

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          Es ist nicht bekannt, ob Alexander Dobrindt, der CSU-Generalsekretär, Klaus Ernst, dem Vorsitzenden der Linkspartei, schon einen Kasten Hefeweizen hat zukommen lassen. Grund zur Dankbarkeit hat Dobrindt allemal, hat ihm Ernst doch den Ritterschlag erteilt. Von dem obersten Linken "politischer Quartalsirrer" genannt zu werden - viel Besseres kann einem CSU-Generalsekretär nicht widerfahren.

          Schließlich wurde mit diesem Prädikat einst Jürgen Möllemann bedacht, damals aus den eigenen Reihen der FDP, womit es ihn noch mehr schmückte. Dobrindt muss sich zwar damit begnügen, von einem politischen Gegner ausgezeichnet zu werden; seine Freude dürfte dennoch gewaltig sein, steht er die meiste Zeit doch im übergroßen Schatten Horst Seehofers, seines Parteivorsitzenden.

          Mit provokanten Thesen vorpreschen

          Generalsekretäre nehmen eine dienende Rolle gegenüber ihren Vorsitzenden ein, auch wenn es ihnen zuweilen schwerfällt - siehe gegenwärtig Andrea Nahles, siehe früher Christian Lindner, siehe in längst vergangener Zeit Heiner Geißler. In Dobrindts Fall kommt erschwerend hinzu, dass Seehofer die klassischen Aufgaben eines Generalsekretärs gleich selbst erledigt.

          Mit provokanten Thesen vorpreschen und die Stimmung in der Wählerschaft testen - niemand kostet das lustvoller aus als Seehofer. Er wirft die Bälle selbst, apportiert sie selbst und applaudiert sich selbst. Seehofer ist der Generalvorsitzende der CSU, der allenfalls einen Sekretär an seiner Seite braucht, der die Bälle ab und zu ein wenig poliert und sie nach Farbe und Größe sortiert.

          „Habe keine Stimme mehr“

          Viele Gelegenheiten zu eigenen Würfen hat Dobrindt, seit 2009 Generalsekretär, nicht. Für seine Forderung, die Linkspartei umfassend durch den Verfassungsschutz zu beobachten und ein Verbotsverfahren beim Bundesverfassungsgericht zu erwägen, standen jetzt die Sterne besonders günstig. Seehofer lag erkältet darnieder und ließ über Facebook - das Medium, gegen das eine andere Gehilfin des CSU-Vorsitzenden, die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, oft wettert - wissen: "Habe keine Stimme mehr."

          Drohend fügte Seehofer zwar noch an, dass er "alles im Griff" habe, doch für Dobrindt war die Chance da, von der alle zweiten Besetzungen auf den Bühnen der Welt träumen. Er konnte sich nach Lust und Laune äußern, ohne dass der Vorsitzende eilends aus der Theaterkantine auftauchte.

          Bei „Erwin Pelzig den Fernsehtod“ gestorben

          Wie sehr Dobrindt in der Unterhaltungssendung "Günther Jauch", in der er zum Großangriff auf die Linkspartei ansetzte, über seinen Vorsitzenden hinauswuchs, kann nur ermessen, wer sich erinnert, welches Debakel der CSU-Generalsekretär in einem anderen Unterhaltungsformat erlitten hat - im Gespräch mit Erwin Pelzig alias Frank-Markus Barwasser.

          Der Kabarettist fragte einen wortkargen Dobrindt so lange, ob ihm nicht gut sei, er sei so friedlich, bis der CSU-Generalsekretär fernsehklinisch tot war. Schwächere Naturen hätten danach erwogen, einen Ruderbootverleih am Ammersee aufzumachen - Dobrindt ist gar nicht weit entfernt davon in Peißenberg zu Hause -, doch der CSU-Generalsekretär blieb bei seinem Leisten, auch wenn er seit seiner Exekution bei Pelzig optisch einige Veränderungen an sich vorgenommen hat (kleinere Anzüge, größere Brille).

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