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Weltweite Klimademonstrationen : Nach dem Protest ist vor dem Protest

  • -Aktualisiert am

Aktivisten der Gruppierung „Extinction Rebellion“ schütten während der Hamburg Cruise Days eine rote Flüssigkeit, die Blut darstellen soll, auf die Treppen. Bild: dpa

Aktivisten planen einen weltweiten „Klimastreik“, in Deutschland soll in Hunderten Städten demonstriert werden. Die Gruppe „Extinction Rebellion“ will mit Mitteln des zivilen Ungehorsams auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam machen.

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          Während in Frankfurt Klima-Aktivisten gegen die Automesse IAA protestieren, bereitet die Bewegung „Fridays for Future“ schon den nächsten Klima-Protest vor. Für den kommenden Freitag ruft sie zum weltweiten „Klimastreik“ auf. Dann sollen nicht nur Schüler, sondern auch Erwachsene in mehr als hundert Ländern auf die Straße gehen. Zur gleichen Zeit tagt in Berlin das Klimakabinett, und in New York wird der UN-Klimagipfel vorbereitet, der kurz darauf beginnt. Die Aktivisten wollen die Politiker daran erinnern, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten und mehr gegen den Klimawandel zu tun.

          In Deutschland sollen Demonstrationen in Hunderten Städten stattfinden; die größte in Berlin. Dazu ruft gemeinsam mit den Schülern ein Bündnis aus mehr als fünfzig Organisationen auf; darunter Greenpeace, WWF, Amnesty International, die Caritas und Brot für die Welt, aber auch kleinere Initiativen und Vereine. Auch die Gewerkschaft Verdi hat ihre etwa zwei Millionen Mitglieder dazu ermutigt, auf die Straße zu gehen. Allerdings sollen sie dafür nicht die Arbeit schwänzen, sondern sich Urlaub nehmen oder die Mittagspause nutzen.

          Auch Unternehmen wollen sich am Streik beteiligen. Bisher haben mehr als 1500 deutsche Betriebe den Aktivisten ihre Unterstützung zugesagt. An der Kampagne, die von der Werbeagentur Grey und der GLS-Bank initiiert wurde, beteiligen sich kleine Betriebe wie Start-ups, Anwaltskanzleien und Bäckereien, aber auch große wie der Biolebensmittel-Hersteller Alnatura. Auch der Fußballverein 1. FSV Mainz 05 macht mit.

          Der Bundesligist, der sich der „erste klimaneutrale Verein der Bundesliga“ nennt, teilt mit, er unterstütze die Ziele des Klimastreiks ausdrücklich. Er stellt am Streiktag Mitarbeiter, die an Kundgebungen teilnehmen wollen und nicht in den aktuellen Spieltag eingebunden sind, von der Arbeit frei. Außerdem bietet er 500 Fans eine klimafreundliche Anreise zum Spiel gegen Schalke in einem Sonderzug an.

          Neben den angemeldeten Protesten sind auch weitere Aktionen geplant, unter anderem von der Gruppe „Extinction Rebellion“. Sie versucht mit Mitteln des zivilen Ungehorsams auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen, etwa mit Straßenblockaden. Für den „Klimastreik“ seien in Berlin „eine oder mehrere Aktionen geplant“, wie ein Sprecher der Gruppe dieser Zeitung sagte. Welche das seien, könne man noch nicht sagen.

          Entspannte Stimmung bei Protesten in Frankfurt

          Die Aktivisten handelten teilweise „autonom und geheimnistuerisch“, so dass das eigene Presseteam manchmal erst „fünf Minuten vorher“ von Aktionen erfahre. Für Aufsehen hatte diese Woche das Vorhaben der englischen Sektion der Gruppe gesorgt, den Londoner Flughafen Heathrow mit Drohnen lahmzulegen; dazu kam es nicht, mehrere Verdächtige wurden der BBC zufolge vorbeugend festgenommen. Das Vorhaben war innerhalb der Gruppe umstritten.

          Die Klima-Proteste in Frankfurt verliefen am Samstag friedlich. Vor den Messehallen versammelten sich Tausende, um für eine klimafreundliche Verkehrswende zu demonstrieren. Die Mehrzahl war in Fahrrad-Korsos gekommen; dafür hatte die Polizei Abschnitte zweier Autobahnen gesperrt.

          Die Beamten berichteten von insgesamt etwa 15.000 Demonstranten, die Veranstalter meldeten 25.000. Von der Bühne aus riefen sie die Teilnehmer dazu auf, sich ordnungsgemäß zu verhalten, Fahrräder nicht an Polizeigittern abzustellen und später ihren Müll aufzusammeln; die Stimmung war entspannt. Auch für den heutigen Sonntag sind wieder Proteste angesagt. Das Bündnis „Sand im Getriebe“ hat angekündigt, die Automesse in einer Aktion zivilen Ungehorsams zu „blockieren“.

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