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Aktive Soldaten bei Sicherheitsunternehmen : Im privaten Kampfeinsatz

  • -Aktualisiert am

Doppelleben: Einige Soldaten arbeiten nebenher für Sicherheitsfirmen Bild: dpa

Dutzende Soldaten heuern in ihrer Freizeit bei Sicherheitsfirmen an: Sie schützen Handelsschiffe vor Piraten. Das ist verboten, aber die Bundeswehr schaut nicht so genau hin, und die Branche boomt.

          Tills Alltag besteht aus Therapiesitzungen und Egoshooterspielen. Seit einem Einsatz in Afghanistan gilt er als traumatisiert. Er ist Soldat, doch die Bundeswehr braucht ihn nicht. Wenn er etwas hat, dann ist es Zeit. Viel Zeit. Gelegentlich vertreibt er sie sich auf Handelsschiffen am Horn von Afrika, bewaffnet mit Gewehr und Pistole. Till arbeitet nebenbei als „Contractor“, als Sicherheitsdienstleister, wie er das nennt. Andere sagen dazu Söldner. Er darf das nicht, er hat ein Dienstverhältnis mit dem Staat. So wie Dutzende weitere Soldaten und Polizisten, die in ihrer Freizeit als Söldner arbeiten. Doch ihr Dienstherr weiß nichts davon und schaut offenbar auch nicht so genau hin. Dabei sollte er gewarnt sein. In die „Libyen-Affäre“ vor sechs Jahren war mindestens ein Feldjäger der Bundeswehr verstrickt. Er hatte versucht, Soldaten als Ausbilder für ein privates Sicherheitsunternehmen in Nordafrika anzuwerben. Die Ermittlungen richteten sich vor allem gegen Angehörige des Sondereinsatzkommandos der Polizei (SEK) in Nordrhein-Westfalen. Sie sollen während ihres Urlaubs illegal Sicherheitskräfte des Gaddafi-Regimes ausgebildet haben.

          Till hat einen bürgerlichen Namen, einen militärischen Dienstgrad, eine Adresse und eine Telefonnummer. Doch wie fast jeder in der Branche will er anonym bleiben, zumal er bewusst gegen das Soldatengesetz verstößt. Das verbietet ihm, ohne Genehmigung (einer Nebentätigkeit) im Urlaub zu arbeiten. Till ist Teamleiter, Chef von drei Kollegen, doch dieses Wort benutzt er nicht. „Wir sind Kameraden“, sagt er. Bordteams bestehen aus vier Mann, meist ehemaligen Soldaten und Polizisten, vielfach aber auch aktiven Angehörigen von Spezialeinheiten wie den Feldjägern der Bundeswehr oder den SEKs der Länder, wie Till berichtet.

          Kaum ein Schiff ohne Sicherheitskräfte

          Für ihren Arbeitgeber befinden sich die Männer im Urlaub, für ihren Auftraggeber sind sie Gelegenheitsarbeiter auf Honorarbasis, professionell an Handwaffen ausgebildet und unentbehrlich. Sie arbeiten in der Illegalität und verdienen gutes Geld dabei. Till sagt, für sechs Wochen Schiffsschutz bekomme er 6000 Euro brutto. Wenn das bekannt würde, verlöre er seinen Job. Aber seine Vorgesetzten in der Kaserne kümmerten sich nicht um ihn, Geld und Spaß seien ihm das Risiko wert. „Mit einer AK 47 und einer PKM bist du der König auf See“, sagt er. Beides sind vollautomatische Waffen, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen und an Bord deutscher Schiffe verboten sind.

          Die meisten Schiffe deutscher Reeder fahren unter der Flagge von Liberia oder Antigua und Barbuda. Die gesetzlichen Regelungen dieser Länder erlauben den Einsatz von Schutzteams an Bord ohne Auflagen. Nach Auskunft des Verbands der Deutschen Reeder (VDR) fährt heute kaum mehr ein Schiff aus Deutschland um das Horn von Afrika ohne bewaffnete Schutzkräfte. „Das Risiko, dass ein Schiff von Piraten überfallen und entführt werden könnte, geht kein Reeder mehr ein“, sagt ein VDR-Sprecher. Für eine Passage des Gebietes um den Golf von Aden müssten die Reeder Mehrkosten von 100.000 Dollar kalkulieren, die eine Hälfte für eine Risikozusatzversicherung, die andere Hälfte für das vierköpfige Schutzteam.

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