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Aktion des Frauenverbands : Gemeindereferentin setzt ein Zeichen mit Predigt in katholischer Messe

  • Aktualisiert am

Kölner Dom in der Abend-Sonne (Symbolbild) Bild: Finn Winkler

An diesem Montag wird in der Katholischen Kirche einer Heiligen gedacht, die mal ein Heiliger war. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands hat deshalb den Predigerinnentag ausgerufen.

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          Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) hat für Montag zum zweiten bundesweiten „Predigerinnentag“ aufgerufen. Bei der Aktion wollen insgesamt zwölf Frauen an zwölf verschiedenen Orten mit ihrer Predigt für eine geschlechtergerechte Kirche werben.

          Laut katholischem Kirchenrecht dürfen in Messfeiern ausschließlich Geistliche predigen. Das hängt damit zusammen, dass die Predigt dort als Homilie eine Glaubensunterweisung ist und durch die Amtsträger ausgeführt wird. Bei anderen Gelegenheiten dürfen auch Laien eine Ansprache halten, „wenn das unter bestimmten Umständen notwendig oder in Einzelfällen als nützlich angeraten ist“.

          Als Termin wurde der 17. Mai gewählt, weil dieser laut Ökumenischem Heiligenlexikon der Gedenktag der Apostelin Junia ist. Sie wird im Römerbrief des Apostels Paulus als Apostelin erwähnt. Durch einen Übersetzungsfehler war dann jahrhundertelang von einem Mann namens Junias die Rede. Die 2016 veröffentlichte neue katholische Einheitsübersetzung der Bibel und auch die Lutherbibel von 2017 machten aus Junias offiziell wieder Junia.

          Die Kölner Gemeindereferentin Marianne Arndt hat bereits am Samstag in der Kirche Sankt Elisabeth in der Gemeinde des bekannten Sozialpfarrers Franz Meurer gepredigt. Zuvor hatte sie im Deutschlandfunk erklärt, sie hoffe, mit ihrer Beteiligung am „Predigerinnentag“, die katholische Kirche nach vorne zu bringen: „Wir müssen die Wahrheit an den Tisch stellen. Wir sind gleich und berechtigt als Frauen in dieser Kirche.“ Recht werde gemacht, und Recht könne verändert werden.

          „Wir dürfen nicht weiter schweigen, wir dürfen uns nicht weiter belügen“, sagte Arndt weiter. Ihre Beteiligung sei eine Gewissensentscheidung. „Es muss eine Macht des Dienstes geben und nicht mehr eine Macht der Herrschaft“, betonte die Gemeindereferentin.

          „Ausschlaggebend ist das Fest der Heiligen Junia an diesem Montag“, sagte Arndt. Lange sei diese Frau fälschlich als männlicher Apostel Junias dargestellt worden. „Wir sagen: Wenn es so ist, dass es auch herausragende Apostelinnen gegeben hat, warum dürfen Frauen dann nur Notstopfen für Priester sein? Wir wollen unseren rechtmäßigen Platz in der Kirche einnehmen.“ Messdienerinnen, Lektorinnen und Kommunionhelferinnen seien von Rom auch erst viele Jahre später genehmigt worden. „Ich glaube, wir müssen nach vorne gehen, um nicht nach den Arbeitern und der Jugend im nächsten Schritt auch noch die Frauen in unserer katholischen Kirche zu verlieren“, warnte Arndt. „Wir müssen von der Machtkonzentration der Männerkirche wegkommen.“

          Der kfd sieht die Aktion deswegen auch als Beitrag für den Synodalen Weg. Eine Rücknahme des Predigtverbots für Laien in einer Eucharistiefeier sei „ein kleiner, aber wichtiger Schritt im Hinblick auf die notwendige Erneuerung der Kirche“, sagte Vorstandsmitglied Ulrike Göken-Huismann dem Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, katholisch.de. Die 59 Jahre alte Göken-Huismann wird in gleich drei Kirchen im Bistum Münster an diesem Wochenende predigen. „Ursprünglich wollten wir alle in einer Eucharistiefeier predigen. Die Corona-Krise zwingt uns, einmal mehr zu beweisen, dass wir Frauen flexibel und geübt darin sind, das Beste aus einer Situation zu machen.“ Sechs Predigten mussten ins Internet verlegt werden, wo sie als Text-, Video- oder Audiodatei abrufbar sind.

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