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Agentinnen beim BND : Mein Name ist Gisela – Gisela Bond

Als CIA-Serienagentin mit gefährlichem Traumjob: Die Schauspielerin Claire Danes als Analystin Carrie Mathison in der amerikanischen Geheimdienstsaga „Homeland“. Zuletzt auch in Berlin auf der Spur islamistischer Terroristen. Bild: Foto Fox

Wer in Berlin eine langweilige Frau trifft, die sagt, sie habe eine langweilige Arbeit in einem langweiligen Ministerium, der sollte aufhorchen. Es könnte eine Frau in geheimer Mission und mit falscher Identität sein.

          Frau trifft Mann. Eine harmlose Begegnung abends bei einer privaten Einladung in Berlin. Die Frau ist jung, hat vor sechs Jahren ihr Abitur gemacht, ist verheiratet, hat ein Kind. Man unterhält sich gut. Irgendwann kommen beide auf ihren Beruf zu sprechen. Laura – so heißt die Frau – erzählt, dass sie in einem Bundesministerium arbeitet. Tausende Frauen tun das in Berlin, es ist eine ziemlich unauffällige Sache.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Aber Laura hat nicht die Wahrheit gesagt. Das wird ihr zum Problem. Denn wie es der Teufel will, hat der Mann am darauffolgenden Montag einen Termin ausgerechnet in diesem Ministerium. Man könne doch einen Kaffee trinken, schlägt er vor. Laura sagt zu, denn sie will nicht, dass der Mann Verdacht schöpft. Also verlässt sie am Montag für ein paar Stunden ihren Schreibtisch im Berliner Südwesten, fährt in die Stadtmitte, trifft den Mann und tut so, als arbeite sie im Ministerium. Das Täuschungsmanöver gelingt, Lauras Lüge fliegt nicht auf.

          Laura heißt nur in diesem Artikel Laura. Ihr Problem ist nicht das Treffen mit einem anderen Mann. Ihr Problem ist, dass sie ihm nicht sagen durfte, für wen sie arbeitet. Schließlich hatte sie ihn gerade erst kennengelernt. Sie hatte also noch keine Ahnung, ob sie ihm trauen kann. Sowieso erzählt sie nur sehr wenigen Menschen, dass sie für den Bundesnachrichtendienst, den BND, arbeitet, dass sie also eine Geheimagentin ist.

          Tarnnamen sollen abgeschafft werden

          Laura benutzt das Wort nicht für sich. Ihre Kolleginnen auch nicht. Manche weisen es ausdrücklich zurück. Sie wollen nicht prahlen mit dem, was sie tun. Mit acht von ihnen haben wir gesprochen, allesamt Mütter. Sie heißen anders, als wir sie nennen. Auch das gehört zur Geheimhaltung, die die Arbeit bei einem Nachrichtendienst verlangt. „Es hat Sicherheitsgründe, dass niemand weiß, wo man arbeitet“, sagt Laura. Als sie die Geschichte von dem Treffen zum Kaffee erzählt, gibt sie zu, dass es eine „Hürde“ sei, wenn man Menschen, die man kennenlernt, „erst mal anlügt“. Manche Kollegen, so berichtet sie, würden gerne offen sagen, wer ihr Arbeitgeber ist. Sie selbst würde es dagegen als Belastung empfinden, „wenn überall mein Name draufstünde“.

          Beim Bundesnachrichtendienst, dem deutschen Pendant zur sagenumwobenen amerikanischen CIA, ist in letzter Zeit viel von Transparenz die Rede. Der oft und in jüngster Zeit vor allem durch die NSA-Affäre in die Kritik geratene Auslandsnachrichtendienst will seinen Ruf aufpolieren, nach dem Motto: Hier machen gute Leute gute Arbeit für einen guten Staat, und wir machen daraus kein Geheimnis. Unter der Führung von Präsident Gerhard Schindler wird quer durch Deutschland ein Gebäude des Dienstes nach dem anderen enttarnt. Wo jahrelang erfundene Bezeichnungen draufstanden, prangt immer öfter das Türschild: Bundesnachrichtendienst.

          Dabei soll es nicht bleiben. Schindler will, dass sich die Mitarbeiter offen zu ihrem Arbeitgeber bekennen können. Er scherzt gerne, dass abgesehen von ihm und ein paar führenden Mitarbeitern niemand beim BND so heißt, wie er heißt. Die Tarnnamen will Schindler soweit möglich abschaffen. Die „Legenden“ würden dabei gleich mit verschwinden, also solche erfundenen Parallelexistenzen, wie Laura sie an jenem Abend ihrem Gesprächspartner präsentiert hatte.

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