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Afghanistaneinsatz : Hubschrauberprobleme gefährden Verwundeten-Rettung

  • -Aktualisiert am

Der Bundeswehrhubschrauber vom Typ NH 90 fliegt am 06.09.2010 während der ILÜ 2010 Bild: dpa

Das Verteidigungsministerium hat Mängel an der Navigationsanlage des neuen Transporthubschraubers NH90 zugegeben. Im deutschen Einsatzgeschwader Mazar-i-Sharif sieht man die Rettungskette für verwundete Soldaten gefährdet.

          Die Bundeswehr hat abermals Probleme mit dem neuen Transporthubschrauber NH90. Das belegt eine Meldung des deutschen Einsatzgeschwaders Mazar-i-Sharif an das Einsatzführungskommando der Bundeswehr vom Juni, die dieser Zeitung vorliegt. Danach habe es seit Jahresbeginn mehrmals während des Fluges einen „Komplettausfall der Navigationsanlage“ des 46 Millionen Euro teuren Hubschraubers gegeben, mindestens einmal bei einem scharfen Einsatz zur Rettung von Verwundeten. Das Auftreten dieses Fehlers führe „im Regelfall zum Abbruch der Mission“, heißt es in dem Report. Außerdem funktioniere „bereits im näheren Umkreis“ des Flugplatzes Mazar-i-Sharif die Funkverbindung des Helikopters zur Einsatzleitstelle nicht. Dadurch würden Aufträge gefährdet, bei denen Verwundete innerhalb kürzester Zeit geborgen und in ein Rettungszentrum geflogen werden müssen. Dem Bericht zufolge seien die Mängel der Bundeswehr schon vor dem Einsatz des NH90 in Afghanistan bekannt gewesen.

          Das Bundesverteidigungsministerium hat die Darstellungen weitgehend bestätigt. „Im Rahmen der Einweisungsflüge gab es mehrmalig einen Ausfall der Navigationsanlage“, sagte ein Sprecher der F.A.Z. In dem Schreiben aus Mazar-i-Sharif wird indes explizit von einem Fall berichtet, in dem sich der Hubschrauber nicht auf einem Einweisungsflug, sondern in einem Rettungseinsatz befand. Das Ministerium räumte ein, von den Problemen mit dem System zur Standort- und Kursbestimmung vor der Entscheidung, den NH90 nach Mazar-i-Sharif zu schicken, gewusst zu haben. Missionsabbrüche, hieß es weiter, habe es bisher jedoch nicht gegeben, da der Begleithubschrauber „im Bedarfsfall die Führung übernehmen“ könne. Der Auftrag der NH90-Besatzungen, Verwundete zu bergen, ist dem Ministerium zufolge trotz der Störanfälligkeit des Navigationssystems nicht gefährdet.

          Jahrelange Schwierigkeiten

          In der Meldung des Einsatzgeschwaders heißt es weiter, es sei aus militärisch-operationeller Sicht inakzeptabel, mit einem Helikopter fliegen zu müssen, bei dem der Ausfall des Navigationssystems während eines Rettungseinsatzes nicht ausgeschlossen werden könne. Als Reaktion sei in Deutschland entschieden worden, die Besatzungen mit mobilen Satellitenortungsgeräten (GPS) auszustatten, die auch Hobbypiloten verwenden und den Soldaten ersatzweise das Navigieren ermöglichen sollen. Außerdem wurde in das Cockpit ein zusätzlicher Sicherungsschalter eingebaut, mit dem das Navigationssystem während des Fluges neu gestartet werden kann. In Mazar-i-Sharif heißt es, der Einsatz von tragbaren GPS-Tablet-Geräten sei mit den einsatztaktischen sowie zeitlichen Vorgaben für die Rettung unter gefechtsmäßigen Bedingungen unvereinbar.

          Nach jahrelangen Entwicklungsschwierigkeiten und Auslieferungsverzögerungen wird der NH90 seit Jahresbeginn in Afghanistan als Rettungshubschrauber („Forward Aeromedical Evacuation“) eingesetzt. Während einer Mission wird er von einem zweiten, bewaffneten Helikopter („Gun Ship“) begleitet, der mit seinen Maschinengewehren einen Gegner am Boden bekämpfen kann. Zuletzt hatte es mehrere Zwischenfälle mit dem NH90 in Afghanistan gegeben. So musste einer der vier in Mazar-i-Sharif stationierten Hubschrauber nach Deutschland gebracht werden, nachdem er nach harter Außenlandung mit beschädigtem Fahrwerk zur Basis zurückgeflogen, dort die Sicherung des Fahrwerks missglückt und die Maschine auf die Seite gekippt war. Dabei wurde die Zelle nachhaltig beschädigt. Nach Angaben des Ministeriums ist inzwischen eine Ersatzmaschine in Afghanistan eingetroffen. Ein zweiter NH90 wurde durch unsachgemäßes Öffnen der Abdeckung der noch laufenden Hilfsturbine beschädigt. Ein aus Deutschland nach Afghanistan gereistes Spezialistenteam konnte dem Ministerium zufolge die Hitzeschäden an der Faserverbundstoffzelle vor Ort beseitigen.

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