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Afghanistan : Talibanjagen gehört zum Geschäft der KSK

Angehörige der Elitetruppe KSK üben im unterfränkischen Hammelburg Bild: picture alliance / dpa

Die bisher von der Regierung verbreitete Darstellung, es sei bei der Bombardierung im September vor allem darum gegangen, Tankwagen zu zerstören, ist nur ein Teil der Wahrheit. Gerade im Raum Kundus ging und geht es darum, Terroristen zu jagen und festzusetzen. Falls nicht anders möglich: zu töten.

          Es ist Donnerstag der 7. Mai dieses Jahres. In Faizabad, im Nordosten Afghanistans, ergreift die Bundeswehr einen wichtigen Taliban-Führer. Das heißt: Nicht die Bundeswehr im Allgemeinen schlägt zu, sondern das geheimnisumwitterte Kommando Spezialkräfte (KSK), die weltweit einsetzbare Elite-Einheit für Sonderoperationen, wie Geiseln befreien - oder Taliban jagen. Bis zu jenem Tag behandelte das Verteidigungsministerium Einsätze der KSK als Staatsgeheimnis. Doch einen Tag nach der Gefangennahme, am 8. Mai, verkündet ein Sprecher des Hauses in Berlin geradezu stolz den Erfolg in Faizabad. Sogar der damalige Verteidigungsminister Jung meldet sich zu Wort: „Mit dieser erfolgreichen Operation, die lange vorbereitet war und bei der ein ranghoher Terrorverdächtiger festgenommen wurde, haben die deutschen Spezialkräfte ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt.“

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Die Beteiligung der KSK an der Anti-Terror-Operation Enduring Freedom ist zwar seit 2008 beendet. Aber unter Isaf-Mandat ist die Truppe weiterhin in Afghanistan unterwegs. Das weiß auch der Gegner. Und noch mehr: „Jeder, der unsere Soldaten und die unserer Alliierten in Afghanistan angreift, muss wissen, dass er bekämpft und zur Verantwortung gezogen wird,“ fügt Jung noch hinzu.

          Im Bericht taucht das Wort „vernichten“ auf

          Das gehört zur Vorgeschichte der Nacht vom 3. auf den 4. September, als auf Befehl eines deutschen Obersts zwei gekaperte Tanklastzüge bombardiert und dabei bis zu 142 Menschen getötet werden. Denn das KSK spielte dabei eine Rolle. Die bisher vor allem von der Bundeswehr und der Bundesregierung verbreitete Darstellung, es sei bei der Bombardierung vor allem darum gegangen, die Tankwagen zu zerstören, bevor sie als mögliche Riesensprengsätze gegen die Isaf-Truppen und gegen die Bundeswehr eingesetzt würden, ist nur ein Teil der Wahrheit. Gerade im Raum Kundus ging und geht es darum, Aufständische, mögliche Terroristen, Taliban zu jagen und festzusetzen. Falls nicht anders möglich: zu töten. Im ersten Bericht, den der allenthalben als „besonnen“ charakterisierte Oberst Klein über den Bombenabwurf am 4. September abfasst, taucht das Wort „vernichten“ auf.

          „Tracken“ nennen es die KSK-Soldaten, wenn sie Aufständische aufspüren und verfolgen. Behilflich dabei ist immer wieder der Bundesnachrichtendienst, der sich unter anderem auf das Abhören von Telefonaten versteht. Getrackt hat die KSK offenbar über den vorigen Sommer vier wichtige Taliban-Führer. In der Nacht vom 3. auf den 4. September tauchen sie bei den gekaperten, auf einer Sandbank festgefahrenen Tanklastern auf. Im Lager Kundus sitzen Bundeswehrhauptmann N. und Oberfeldwebel W. Sie befinden sich nicht im allgemeinen Gefechtsstand, sondern in demjenigen der Task Force (TF) 47. Diese Einheit besteht in ihrem Kern aus KSK-Soldaten, allerdings nicht ausschließlich. Der Hauptmann und der Oberfeldwebel gehören nicht zur KSK, wohl aber zur TF 47.

          Der Hauptmann „führt“, wie das im Fachjargon heißt, eine afghanische Quelle, einen Informanten. Dieser berichtet von den vier Talibanführern, die sich bei den Tanklastern aufhielten. Der Hauptmann verlässt sich auf den Informanten. Abgehörte Telefonate mögen ihn in seiner Meinung bestärken.

          Obwohl bereits kurz nach 21 Uhr von der Entführung der Fahrzeuge berichtet wird, kommt Klein, der als Oberst im Rang weit über dem Hauptmann und allzumal dem Oberfeldwebel steht, erst nach Mitternacht hinzu. Er hat sonst keinen ranghohen Offizier dabei, auch nicht seinen Rechtsberater. Klein begibt sich in den Gefechtsstand der KSK, weil es dort die bessere Technik zum Auflösen der Luftaufnahmen gibt, mit deren Hilfe die Lage beurteilt werden soll.

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