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Afghanistan-Einsatz : Kramp-Karrenbauer sieht wichtige Ziele erreicht

  • Aktualisiert am

Bundeswehrsoldaten im Oktober 2013 in Kundus Bild: dpa

Das Ziel, Al Qaida zu zerschlagen, sei erreicht worden, sagt die Verteidigungsministerin zum Ende des Afghanistan-Einsatzes. Einige Vorstellungen für das Land seien jedoch von Anfang an unrealistisch gewesen.

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          In Afghanistan sind nach Einschätzung von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wichtige Ziele des internationalen Militäreinsatzes erreicht worden. „Wir haben das Ziel erreicht, dass Al Qaida über 20 Jahre ganz sicherlich nicht in dem Maße operiert hat, wie das der Fall war als es zu 9/11 gekommen ist“, sagte Kramp-Karrenbauer laut einer Vorabmeldung vom Freitag im „Deutschlandfunk“-Interview der Woche.

          Auch seien in Afghanistan Entwicklungen ermöglicht worden, die mit den Taliban an der Macht unvorstellbar gewesen wären. Wenn die Taliban weiter regiert hätten, „hätten wir wahrscheinlich bis heute keine Schule für Mädchen, keine Frauen auch in höchsten Ämtern bei Gerichten oder anderen Funktionen“, sagte Kramp-Karrenbauer.

          „Die Vorstellung, dass man aus Afghanistan einen modernen Staat im Sinne des europäischen Levels macht, hat sich allerdings nicht realisiert“, sagte die Ministerin. „Das waren auch Ziele, die von Anfang an nicht realistisch waren.“

          Mass sagt Unterstützung zu

          Kramp-Karrenbauer will eine schnelle Bilanz des Afghanistan-Einsatzes, noch in dieser Legislaturperiode. „Wir werden das auf jeden Fall für uns, im Verteidigungsministerium organisieren sobald wir alle unsere Leute aus Afghanistan zurückgeholt haben“, so die Verteidigungsministerin. Es gehe ihr um eine offene Analyse „unter Einbeziehung der sehr kritischen Stimmen“. Daran sollten auch unabhängige Dritte wie Wissenschaftler beteiligt sein, so Kramp-Karrenbauer. Die gleiche Aufgabe habe auch das Parlament. Die Debatte dürfe aber nicht „um des billigen Effekts willen“ zum Wahlkampfthema werden.

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          Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl befürchtet derweil Racheakte der Taliban gegen die 300 afghanischen Mitarbeiter der Bundeswehr. „Die betroffenen Ortskräfte müssten aus dem Land herausgeholt werden. Es droht eine Racheaktion der Taliban“, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“. „Wir haben eine Fürsorgepflicht für Menschen, die für die Bundeswehr und die Nato gearbeitet haben“, sagte Burkhardt. Die Sicherheitslage am Hindukusch werde sich mit dem Abzug der internationalen Truppen dramatisch zuspitzen. „Afghanistan wird Taliban-Land.“

          Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte den Zeitungen der Mediengruppe, Deutschland werde auch nach dem Abzug der Bundeswehr einen erheblichen Beitrag zur Stabilisierung Afghanistans leisten. „Der militärische Einsatz war immer nur ein Element unseres Engagements“, sagte Maas. „Wir werden unsere zivile Unterstützung im Land auch künftig fortsetzen.“ Eine gute und sichere Perspektive für die Afghaninnen und Afghanen zu schaffen, sei im europäischen Interesse. Zur Unterstützung der innerafghanischen Friedensverhandlungen werde Deutschland seine diplomatischen Bemühungen „noch weiter intensivieren“, sagte Maas. Diese Gespräche seien zwar ein schwieriger Prozess. „Aber es ist der aussichtsreichste Weg zu einer nachhaltigen und stabilen Lösung.“

          Müller kündigt Hilfen an

          Ähnlich äußerte sich Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Er kündigt weitere Hilfen für Afghanistan auch nach Abzug der Bundeswehr an. „Die Menschen brauchen eine Perspektive vor Ort, wenn wir Flüchtlingsströmen vorbeugen wollen“, sagte Müller den Zeitungen der Mediengruppe. Für die weitere Unterstützung des zivilen Aufbaus wolle die Bundesregierung künftig noch stärker als bisher Nichtregierungsorganisationen einbinden, die besonders eng mit der lokalen Bevölkerung zusammenarbeiten.

          Die Vereinigten Staaten waren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert, um das Extremistennetzwerk Al Qaida zu zerschlagen und die radikalislamischen Taliban von der Macht zu vertreiben. In der vergangenen Woche hatten die Vereinigten Staaten und ihre Nato-Partner nach 20 Jahren am Hindukusch ihren Abzug angekündigt. Derzeit befinden sich noch rund 9600 Nato-Soldaten aus 36 Staaten der Allianz in Afghanistan, darunter 1100 Bundeswehrsoldaten.

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