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Afghanistan-Einsatz : Ministerium genervt von „Hobbystrategen“

  • Aktualisiert am

Fallschirmjäger der Bundeswehr in Kundus Bild: dpa

Zunehmend dünnhäutig reagiert das Verteidigungsministerium auf Forderungen und Vorschläge zur Ausrüstung der Bundeswehr in Afghanistan. Gleichwohl gibt es zu erkennen, dass mehrere Systeme „dringend im Einsatz“ gebraucht würden.

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          Zunehmend dünnhäutig reagiert das Verteidigungsministerium auf die verschiedenen Forderungen und Vorschläge zur Ausrüstung der Bundeswehr im Afghanistaneinsatz. Ein Sprecher verwahrte sich am Freitag gegen solche Interventionen von „Hobbystrategen“. Er bezog sich auf Forderungen, die im Laufe der vergangenen Woche erhoben worden waren, unter anderem nach dem Einsatz von Kampf- und Schützenpanzern, schwerer Artillerie, Kampfhubschraubern und -flugzeugen.

          Der Sprecher sagte, diejenigen, die das nun forderten, „springen zu kurz“. Das gelte auch, wenn „der eine oder andere Soldat in der einen oder anderen Situation“ im Einsatz Wünsche äußere. Die Verfügbarkeit „orientiert sich am Einsatzprofil und der Einsatzphilosophie“. Was benötigt werde, sei auch im Einsatz. Außerdem müsse man bei zusätzlichen Forderungen die Personalobergrenze im vom Bundestag erteilten Mandat im Auge behalten.

          „Weil man nicht möchte, dass es nach Krieg aussieht“

          Zuletzt hatte der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Kirsch, den Tod von drei Soldaten für die Forderung zum Anlass genommen, die Bundeswehr in Afghanistan mit mehr Gefechtsfahrzeugen auszustatten. Der Einsatz von Kampfpanzern und Artillerie dürfe nicht mehr ausgeschlossen werden. „Damit kann der Feind wirksamer, nachhaltiger und aus größerer Distanz bekämpft werden, und gleichzeitig wäre ein angemessener Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten gewährleistet.“

          Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr Kujat hatte sich mit dem Hinweis zu Wort gemeldet, Tornado-Kampfflugzeuge und die Panzerhaubitze 2000 (ein Artilleriepanzer) seien verfügbar, würden aber nicht eingesetzt. Kujat verband das in der „Mitteldeutschen Zeitung“ mit der Unterstellung: „Wenn man die Absicht hätte, unseren Soldaten bestimmte Waffensysteme vorzuenthalten, die nach Krieg aussehen, weil man nicht möchte, dass es nach Krieg aussieht, dann würde ich das schon für ziemlich fatal halten.“ Die „Beschwichtigungssemantik“ Verteidigungsminister Jungs (CDU) könne er „nicht mehr hören“.

          Zu Wochenbeginn hatten der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Arnold, den Einsatz vom Kampfhubschraubern und die FDP-Politikerin Hoff den von eigenen Kampfflugzeugen gefordert. Frau Hoff nannte dabei den „Eurofighter“ als Beispiel.

          Während der Ministeriumssprecher all dies zurückwies, gab er zugleich zu erkennen, dass mehrere Systeme „dringend im Einsatz“ gebraucht würden, bei deren Herstellung die Industrie im Verzug ist, etwa das Transportflugzeug A400M oder der Transporthubschrauber NH 90. Der Kampfhubschrauber „Tiger“ befinde sich „im Zulauf“, sei aber nicht einsatzbereit. Dafür sei es gelungen, die Drohne KZO schneller als gedacht zu erhalten. Sie solle im August in den Einsatz kommen. Die KZO ist für den Verbund mit der Panzerhaubitze konzipiert, kann aber auch sonst zur Aufklärung eingesetzt werden.

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