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Neue Beratungen : Zieht die Bundeswehr schon Anfang Juli aus Afghanistan ab?

Bundeswehrsoldaten gehen 2013 nach einem Appell über den staubigen Aufmarschplatz des bereits aufgegebenen Stützpunktes in Kundus. Bild: dpa

Der Abzug vom Hindukusch könnte deutlich an Tempo zulegen. Für die Bundeswehr wäre das eine Herausforderung. Sie könnte gezwungen sein, Material zurückzulassen oder zu zerstören.

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          Die Bundeswehr stellt sich auf einen schnelleren Abzug aus Afghanistan ein. Das Verteidigungsministerium informierte am Mittwoch Bundestagsabgeordnete über Beratungen, wonach der Termin auf den 4. Juli vorgezogen werden könnte. Ausschusskreise bestätigten der F.A.Z. einen entsprechenden Bericht der dpa. Die Unterrichtung, hieß es gegenüber der F.A.Z., sei mündlich durch Generalinspekteur Eberhard Zorn, den Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Silberhorn und den zuständigen Abteilungsleiter Strategie und Einsatz im Verteidigungsministerium, Generalleutnant Bernd Schütt, erfolgt.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Die Vereinigten Staaten, von jeher größter Truppensteller am Hindukusch, hatten sich bisher auf einen Abzug bis zum 11. September festgelegt, dem 20. Jahrestag der Terroranschläge des islamistischen Terror-Netzes Al Qaida in New York und Washington D.C.

          Deutschland stellt zweitgrößtes Kontingent

          Der Termin Anfang Juli soll demnach vor allem vom Hauptquartier der Operation Resolute Support in Kabul vorangetrieben werden, um den Abzugszeitraum zu verkürzen. Das Pentagon hat bislang nicht entschieden, ob es die Pläne für einen früheren Termin befürwortet.

          Die Bundeswehr sollte nach früheren Angaben von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die nun überholt sein könnten, schon bis Mitte August Afghanistan verlassen haben. Deutschland stellt mit 1100 Soldaten das zweitgrößte Kontingent in der noch etwa 10.000 Soldaten starken Nato-Truppe.

          Als Flaschenhals für einen früheren deutschen Abzug gilt der strategische Lufttransport. Für den Fall, hieß es aus Ausschusskreisen, würden verschiedene Szenarien geprüft. Im Idealfall könnten die Amerikaner helfen und zusätzliche Militärtransporter stellen. Andernfalls würden wohl Teile der deutschen Ausrüstung am Hindukusch verbleiben müssen, weil die zivilen europäischen Lufttransport-Kapazitäten (Salis) dafür nicht ausreichten. Entsprechende Einteilungen in sicherheitsrelevantes Material wie Waffen, bedeutsames und unbedeutendes Material würden bereits vorgenommen. Was nicht in die Hände der Taliban gelangen dürfe, werde notfalls zerstört.

          In jedem Fall wird davon ausgegangen, dass die Bundeswehr-Soldaten gemeinsam mit dem niederländischen Kontingent vermutlich die letzten sein werden, die das Camp Marmal bei Mazar-e-Sharif verlassen und somit den Abzug aller übrigen, kleineren Kontingente vorher decken werden. Ein deutscher Mörserzug wird in den kommenden Tagen hierzu nach Nordafghanistan verlegt, ebenso wie 150 Logistikspezialisten für den Abzug. Eine zusätzliche Infanteriekompanie wird zudem in Rufbereitschaft in Deutschland bereitgehalten. Die Mandatsobergrenze, so sehen es die deutschen Planungen vor, werde dabei wohl dennoch nicht überschritten.

          Lindner sieht Bundesregierung in Zielkonflikt

          FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kritisierte nach der Sitzung des Verteidigungsausschusses das Tempo der Vereinigten Staaten. Ein geordneter Rückzug der amerikanischen Verbündeten aus Afghanistan, drohe so äußerst gefährlich zu werden und darüber hinaus „mehr nach Flucht auszusehen“, sagte sie der F.A.Z.. Bedeutsame Daten der amerikanischen Geschichte wie der Unabhängigkeitstag oder die Terrorangriffe von New York und Washington eigneten sich nicht als Maßstab zur Beendigung einer so großen und langen Militäroperation, nur weil sie sich in den Vereinigten Staaten innenpolitisch patriotisch verkaufen ließen.

          Verständnis äußerte hingegen ihr grüner Kollege Tobias Lindner. „Die Bundesregierung befindet sich in einem Zielkonflikt“, sagte er der F.A.Z. Vermutlich sei der schnellere Abzug der sichere Weg. Allerdings müsse, wer Schnelligkeit für die eigenen Soldaten fordere, auch dafür sorgen, dass mit derselben Geschwindigkeit afghanische Mitarbeiter vor Ort nach Deutschland in Sicherheit gebracht würden. „Hier darf sich die Bundesregierung nicht in Abstimmungsrunden verlieren“, so Lindner.

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