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Afghanistan : Bundeswehr beendet Operation in Kabul

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) Bild: dpa

Wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mitteilt, haben inzwischen auch die Fallschirmjäger und weitere Soldaten den Flughafen der afghanischen Hauptstadt verlassen. Außenminister Heiko Maas will weitere Ausreisen aushandeln.

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          Die Bundeswehr hat ihre Evakuierungsmission in Kabul beendet, und alle dort eingesetzten deutschen Soldaten sowie Botschaftsmitarbeiter ausgeflogen. Zuvor hatte sie mehr als 5200 Menschen aus der Stadt gerettet, die vor zwei Wochen in die Hände der islamistischen Taliban gefallen war. Darunter mehr als 4000 Afghanen.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Die Evakuierungsmission der Bundeswehr war Teil einer internationalen Luftbrücke mit der bislang mehr als 90.000 Schutzsuchende ausgeflogen wurden. Nach dem Willen des jetzt herrschenden Taliban-Regimes muss diese Aktion bis zum 31. August beendet werden. Als letzte werden die verbliebenen Truppen der Vereinigten Staaten das Land verlassen, zuvor unter deren Regie alle anderen Kontingente aus westlichen Staaten, die bis zuletzt versucht hatten, so viele Deutsche, Alliierte, afghanische Helfer und Schutzsuchende wie möglich auszufliegen. 

          Kramp-Karrenbauer verurteilt „feige Anschläge“

          Wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Abend mitteilte, haben nach den letzten Flügen mit 154 Schutzsuchenden auch die Fallschirmjäger und weitere Soldaten den Flughafen verlassen. Die Männer und Frauen seien sicher in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gelandet, so die Ministerin.

          Die afghanische Hauptstadt war am frühen Abend von zwei Explosionen am Flughafen erschüttert worden, kurz vor dem Start der letzten deutschen Flugzeuge. Dabei wurden am Abbey Gate zahlreiche Menschen verletzt, auch mehrere amerikanische Soldaten. Taliban-Quellen sprachen am Abend von 20 Toten und mehr als 60 Verletzten. Die britische BBC berichtete unter Berufung auf einen ranghohen Gesundheitsbeamten, dass mindestens 60 Menschen getötet und mehr als 140 verletzt worden seien.

          Kramp-Karrenbauer verurteilte die „feigen Anschläge“. Hinter diesem und einem weiteren Anschlag in Flughafennähe wurde die Terrororganisation „Islamischer Staat“ vermutet, die mit den Taliban verfeindet ist.

          Zahlreiche Geheimdienste und Ministerien etlicher Nationen hatten in den letzten Tagen vor der hohen Terrorgefahr gewarnt und ihre Staatsbürger dringend gebeten, sich vom Flughafen fernzuhalten. Die Soldaten verließen unmittelbar nach den Anschlägen im „Emergency-Departure“-Modus den Flughafen.

          Maas plant Reise in Anrainerstaaten

          Zwei deutsche Soldaten der Sanitätskräfte blieben zurück. Sie wurden aber später von einem weiteren Flugzeug der Luftwaffe ausgeflogen und sind in Taschkent eingetroffen. Kramp-Karrenbauer dankte der Regierung von Taschkent für ihre Unterstützung. Das deutsche Einsatzkontingent soll alsbald gemeinsam nach Deutschland zurückkehren.

          Außenminister Heiko Maas (SPD) dankte den Soldaten und dem Botschaftspersonal, alle hätten unter extremen Umständen Herausragendes geleistet. Die noch verbliebenen afghanischen Ortskräfte sollen mit einer „organisierten Ausreise“ unterstützt werden. Auch für andere gefährdete Personen, Menschenrechtler, Künstler, Journalisten, solle es „eine Ausreiseperspektive“ geben. Er selbst werde am Sonntag zu einer Reise in die Region aufbrechen, um mit den Regierungen der Anrainerstaaten zu sprechen.

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