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UN-Bericht für Afghanistan : Regierungstruppen töten mehr Zivilisten als Aufständische

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Afghanische Sicherheitskräfte an einer Anschlagsstelle nahe der Luftwaffenbasis Bagram. Dort tötete eine improvisierte Sprengfalle am 9. April vier Menschen. Bild: AP

In Afghanistan wurde im ersten Quartal ein Viertel weniger Zivilisten verletzt oder getötet. Die Zahl der Opfer von Regierungstruppen schnellt hingegen in die Höhe.

          Die Luftangriffe und Bodeneinsätze der afghanischen Regierungstruppen und ihrer Verbündeten fordern immer mehr zivile Opfer. Während die Gesamtzahl der verletzten oder getöteten Zivilisten in den ersten drei Monaten 2019 um 23 Prozent auf 1773 sank, schnellte die Zahl der Opfer der Einsätze regierungstreuer Truppen um 39 Prozent auf 608 hoch. Das geht aus einem Bericht der UN-Mission in Afghanistan (Unama) vom Mittwoch hervor.

          Zählt man nur die getöteten Zivilisten, sind die regierungstreuen Truppen im ersten Quartal sogar für mehr Opfer verantwortlich als die Aufständischen: Die afghanischen Sicherheitskräfte, ihre internationalen Unterstützer und regierungstreue Milizen töteten 305 unbeteiligte Bürger, die Taliban, die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und andere regierungsfeindliche Kräfte 227. Mehr Tote gab es vor allem durch Luftangriffe und bei Suchoperationen.

          49 Zivilisten kamen im Kreuzfeuer und bei anderen Vorfällen um und wurden keiner Seite zugezählt. Insgesamt starben damit dem Bericht zufolge von Januar bis Ende März 581 Zivilisten in dem Konflikt und 1192 wurden verletzt. Das waren 23 Prozent weniger Opfer als im gleichen Vorjahreszeitraum. Unter den Toten befanden sich 150 Kinder.

          Einschließlich der Verletzten gingen die meisten zivilen Opfer weiterhin auf das Konto der regierungsfeindlichen Kräfte. Ihre Gesamtzahl sank jedoch in Jahresfrist um 36 Prozent auf 963 (227 Tote und 736 Verletzte). Weniger Opfer gab es vor allem infolge von Selbstmordattentaten. Im ersten Quartal 2019 wurden vier Angriffe mit Selbstmordattentätern dokumentiert; ein Jahr zuvor waren es noch 19 gewesen. Dazu könne der harte Winter beigetragen haben, heißt es. Unklar sei, ob auch die Gespräche der Taliban mit den Vereinigten Staaten zur Lösung des Konflikts damit in Zusammenhang stünden.

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