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AfD zu Islamkritik : Es war einmal der Euro

Wollen in der AfD unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Bernd Lucke und Alexander Gauland. Bild: dpa

Manche in der AfD werten den Anschlag von Paris als Rechtfertigung für Islamkritik. Doch im Westen will die Partei bei Europa-Themen bleiben - allen voran ihr Vorsitzender Bernd Lucke, der einer Pauschalkritik an Muslimen nicht zustimmen will.

          Als die Kunde, Islamisten hätten in Paris ein Blutbad angerichtet, nach Deutschland drang, dachten nicht alle in der AfD nur über die unmittelbaren Folgen dieses Anschlags nach. Die Frage lautete auch: Würden die Pegida-Sympathisanten in der Partei versuchen, die AfD auf einen islamkritischen Kurs festzulegen? Und könnte, wenn das gelänge, der Terroranschlag von Islamisten im fernen Paris gar zur Folge haben, dass die Eurokritik – jener Gründungsmythos der AfD – auf Dauer in den Hintergrund treten würde?

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Ein Parteifunktionär aus dem liberalen Spektrum kann sich einen Tagtraum nicht verkneifen. In diesem klatschen sich die Pegida-Organisatoren freudig ab, als sie die Nachricht vom Anschlag erhalten. Nicht etwa aus Kaltherzigkeit gegenüber den Opfern – sondern aus der Erwartung, dass ihnen die Ängste, die der Terrorismus in der Bevölkerung auslöst, noch größeren Zulauf bescheren wird. In ähnlicher Stimmung vermutet der Funktionär die Bundesvorstandsmitglieder Alexander Gauland und Frauke Petry. Namentlich genannt werden will er nicht.

          Gerade im Westen der Republik trauern AfD-Politiker den Zeiten nach, als ihre Partei noch als Stimme der ökonomischen Vernunft gesehen werden wollte – nicht als Stichwortgeber eines islamskeptischen Bauchgefühls. Zu den wenigen, die sich am Donnerstag dazu äußern, gehört Bayerns Landesvorsitzender André Wächter. Er sieht die Partei in dieser Frage in Ost und West gespalten. „Langfristig darf der Anschlag von Paris nicht dazu führen, dass das zentrale Thema der Eurokritik überlagert wird“, sagte Wächter dieser Zeitung. In Landesverbänden wie Hamburg, Bremen, Berlin, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz werde das ähnlich gesehen. Der Osten teile diese Sorge weniger. „Ich brauche das nicht, dass wir in der Öffentlichkeit als islamkritische Partei wahrgenommen werden“, sagte Wächter.

          Ähnlich äußerte sich am Donnerstag der Parteivorsitzende Bernd Lucke. Das „Gründungsmotiv“ seiner Partei, also die Eurokritik, werde „immer von besonderer Bedeutung sein, ähnlich wie der Umweltschutz bei den Grünen“, sagte Lucke dieser Zeitung. Entsprechend mahnte Lucke in einer Stellungnahme zur Besonnenheit. Er sprach von einem „abscheulichen Verbrechen“. Den Opfern und ihren Familien gelte sein tiefes Mitgefühl. „Man darf nicht die Gewalttat zweier Extremisten einer ganzen Religionsgemeinschaft anlasten, deren Großteil aus friedliebenden, unbescholtenen Menschen besteht.“ Lucke, so heißt es in der Partei, habe sich als Abgeordneter des Europaparlaments mittlerweile in Brüssel sehr gut eingelebt und arbeite gut mit zwei Muslimen in seiner Fraktion zusammen. Offenbar prägt das.

          Lucke will Pauschalkritik an Muslimen nicht zustimmen

          Bei einer der täglich stattfindenden morgendlichen Telefonkonferenzen der AfD-Führung warnte Lucke am Donnerstag davor, eine grundsätzliche Verbindung herzustellen zwischen dem Mordanschlag in der französischen Hauptstadt und dem Islam. Dem Vernehmen nach hat sich der ebenfalls für die AfD im Europaparlament sitzende Hans-Olaf Henkel dabei auf Luckes Seite gestellt. Am Donnerstagmorgen veröffentlichte er allerdings eine Stellungnahme, die eine andere Tonlage hatte. Henkel nahm ausdrücklich die Diskussion um Pegida zum Anlass, um zu sagen, dass eine ehrliche Diskussion über die Auswüchse des Islams nur in Deutschland mit einem Tabu belegt werde. Es sei „kein Wunder“, dass viele „unserer Mitbürger diffuse Ängste vor dem Islam“ hätten, ohne diese wirklich begründen zu können. Es folgten Ausführungen über die Häufung von Menschenrechtsverletzungen in „islamischen Ländern“. Auch in muslimischen Familien in Deutschland komme es immer noch zu oft zu Menschenrechtsverletzungen gegenüber Frauen.

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