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Nach Escortservice-Berichten : AfD will Kandidatin von Landesliste streichen

Die AfD-Politikerin Petra Federau hat sich bislang nicht über die Vorwürfe geäußert. Auch ihrer Partei gab sie keine Stellungnahme ab. Bild: dpa

Vor Bedrohungen aus dem Ausland warnte Petra Federau, Hardlinerin der AfD in Mecklenburg-Vorpommern; Frauen ins Ausland schickte sie aber trotzdem. Die AfD-Politiker soll einen Escort-Service für Scheichs in Saudi-Arabien betrieben haben. Nun will ihre Partei sie loswerden.

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          Die bereits am 20. Februar beschlossene Landesliste der AfD in Mecklenburg-Vorpommern für die Landtagswahl soll jetzt in einem entscheidenden Punkt doch noch einmal geändert werden. Wie der Spitzenkandidat Leif-Erik Holm, der auch Sprecher der Landespartei ist, sagte, soll die auf Platz drei stehende Schwerinerin Petra Federau zum Verzicht auf die Kandidatur bewegt werden. Sollte sie nicht verzichten wollen, solle geprüft werden, wie eine Streichung von der schon beschlossenen Liste möglich wäre. Sollte es notwendig sein, würde dafür auch noch einmal ein Parteitag einberufen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Partei reagiert damit auf Berichte über einen Escort-Service, für den Federau 2009 und 2010 junge Frauen aus der Region als „freiberufliche Mitarbeiterinnen“ angeworben haben soll. Der Escort-Service soll vor allem im arabischen Raum tätig sein, in Abu Dhabi und Dubai. Über Federaus Engagement wurde in der vergangenen Woche erstmals in der „Schweriner Volkszeitung“ berichtet. So lange brauchte die Partei dann auch, um sich dazu eine Meinung zu bilden. Für einen Escort-Service zu arbeiten, ist zwar an sich legal, die Partei wirft Federau jedoch vor, sie bei der Kandidatenaufstellung über diesen Umstand nicht informiert zu haben. Die Partei habe mit Federau seitdem mehrfach das Gespräch gesucht, um den Wahrheitsgehalt der Berichte zu klären, sagte Holm. Dies sei aber nicht gelungen, Federau habe sich den Gesprächen verweigert.

          Federau war immer wieder durch fremdenfeindliche Bemerkungen aufgefallen und zählt zum rechten Flügel der Partei. Bei ihrer Bewerbung auf dem Listenparteitag sprach sie von der Gefahr einer „Umvolkung“. Sie bezeichnete Kanzlerin Merkel als Totengräberin, sich selbst als eine „aufrechte Patriotin“. Auf Facebook hatte sie davor gewarnt, Deutschland hole sich durch die Flüchtlinge nicht nur Religionskriege ins Land, sondern auch Krankheiten. Federau hatte die Landesgeschäftsstelle der Partei geführt, wurde von diesem Posten allerdings beurlaubt, ohne dass die Gründe öffentlich wurden. Federau sitzt bereits in der Schweriner Stadtvertretung und ist dort Fraktionsgeschäftsführerin.

          Die AfD hat im Land etwa 350 Mitglieder. Landtagsspitzenkandidat Holm war früher Radiomoderator. Auf Platz zwei wurde ein Familienrichter aus Greifswald gewählt. Auf Platz vier steht der Rostocker Holger Arppe, der bis Ende 2014 Landesvorsitzender war und sich wegen Volksverhetzung juristisch verantworten musste, das Urteil aus erster Instanz ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Die AfD will bei der Landtagswahl am 4. September in Mecklenburg-Vorpommern 20 Prozent der Stimmen erreichen. Der Einzug in das Schweriner Schloss gilt nach den aktuellen Umfragen als sicher.

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