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Reportage vom AfD-Parteitag : Da sind sie wieder

„Wir sind das Original“: Meuthen, Gauland und Pazderski am Samstag in Augsburg Bild: Jan Roeder

Bei der AfD ist man sich einig: Der Streit in der Union kann ihr nur helfen. Egal in welche Richtung die Regierungskrise gehen mag – sie sehen sich als die Gewinner. Ihre Umfragewerte steigen langsam, aber stetig. Das allein gibt ihnen aber noch nicht recht.

          Fühlt Deutschland sich schlecht, ist die AfD gut drauf. Am Eingang zum Bundesparteitag in Augsburg unterhalten sich zwei Männer in den besten Jahren, was das Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM für die AfD zu bedeuten habe. Sagt der eine, es habe sich jetzt endgültig gezeigt: Nicht einmal im Fußball sei Integration möglich. Der andere nickt und fügt hinzu: „Gott sei Dank kein Sommermärchen. Die Leute werden dann nicht wieder eingelullt, sondern bleiben dran an den Problemen.“ Drinnen, in der Messehalle, hält der Parteivorsitzende Alexander Gauland kurz darauf die Eröffnungsrede. Er vergleicht die Kanzlerin in seiner Rede mit Erich Honecker, CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer mit Egon Krenz, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble mit Hans Modrow. Derzeit fühle er sich „immer wieder an die letzten Monate der DDR erinnert“, sagt Gauland. Wie 1989 in der DDR bestehe die gegenwärtige Regierung aus einer kleinen Gruppe von Parteifunktionären, „einer Art Politbüro“, das gestützt werde von einem gesellschaftlichen Bündnis aus „Blockparteifunktionären, Journalisten, TV-Moderatoren, Kirchenfunktionären, Künstlern“.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Der DDR-Vergleich ist in AfD-Kreisen nichts Neues. Gauland belässt es aber nicht dabei. Auch nach der Erfahrung der „Vogelschiss“-Debatte über den Stellenwert des Nationalsozialismus in der Geschichtsschreibung zeigt Gauland weiter eine Vorliebe für historische Vergleiche – er vergleicht die Bundeskanzlerin an einer Stelle implizit mit dem Diktator Adolf Hitler. „Deutschland ist derzeit mit den Russen wegen Putin verfeindet, mit den Amerikanern wegen Trump“, ebenso mit Polen, Ungarn, Italien und Österreich. „Meine Damen und Herren, liebe Freunde, der letzte deutsche Regierungschef, der eine solche Feindkonstellation gegen sich aufgebracht hat ...“ Gauland spricht nicht weiter, sondern schweigt vielsagend. Die Pointe soll sich in den Köpfen entfalten. Die Delegierten machen Hohoho.

          CSU in „AfD Revier“

          Keine andere Partei hätte sich wohl in dieser Sorglosigkeit versammeln können. Nicht an diesem Wochenende. Bei CDU oder CSU wäre das drohende Ende ihrer Verschwisterung zu besprechen gewesen. Bei der SPD die Umfragewerte und Untergangsfantasien. Bei der FDP womöglich die Frage, ob man Merkel im Zweifel an der Regierung halten wolle. Und bei den Grünen und Linkspartei wäre es der Aufstieg der AfD gewesen, der die Stimmung gedrückt hätte, bei den Grünen nur wegen der Gesinnung, bei der Linkspartei auch wegen der Konkurrenz. Auf sie alle müssen Parteitagsreden der AfD wie die Stimme eines Radiomoderators am frühen Morgen wirken – gutgelaunt und enervierend zugleich. Willkommen bei den Gewinnern der deutschen Regierungskrise.

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