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Parteitag in Riesa : AfD bestätigt Chrupalla als Vorsitzenden – Weidel wird Ko-Vorsitzende

Neue Doppelspitze: Tino Chrupalla und Alice Weidel zeigen sich am Samstag in Riesa erfreut über ihren Wahlsieg. Bild: Reuters

Die AfD hat eine neue Doppelspitze. Die Delegierten wählten den amtierenden Vorsitzenden Tino Chrupalla wieder – allerdings mit knappem Ergebnis. Alice Weidel setzte sich mit 67 Prozent gegen ihren Herausforderer durch.

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          Die AfD wird künftig von Tino Chrupalla und Alice Weidel geführt. Der Parteitag im sächsischen Riesa wählte die beiden, die schon gleichberechtigte Vorsitzende der Bundestagsfraktion sind, am Samstag auch zu den Ko-Vorsitzenden der Partei. Weidel rückt damit auf den „Bundessprecher“-Posten, der seit dem Rückzug Jörg Meuthens Anfang des Jahres vakant gewesen war; Chrupalla wurde im Amt bestätigt.

          Andreas Nefzger
          Redakteur in der Politik.

          Gut 53 Prozent der Delegierten gaben Chrupalla ihre Stimme. Seinen Herausforderer Norbert Kleinwächter, den stellvertretenden Fraktionschef im Bundestag, unterstützten rund 36 Prozent der gut 500 Delegierten; zehn Prozent stimmten gegen beide Kandidaten. Die Revolte gegen den Parteichef, die Chrupallas innerparteiliche Gegner angezettelt hatten, ist damit deutlich gescheitert. Zudem gelang es Chrupalla, seine Wunschkandidatin als Ko-Vorsitzende durchzusetzen. Chrupalla hatte Weidel, die sich über eine mögliche Kandidatur bis zuletzt nicht geäußert hatte, in Riesa selbst für den Posten nominiert.

          Chrupalla präsentierte sich als „Bundessprecher der Basis“

          Weidel setzte sich in der Abstimmung mit gut 67 Prozent deutlich gegen ihren Herausforderer Nicolaus Fest durch. Nur knapp 21 Prozent der Delegierten stimmten für den EU-Parlamentarier, der in der Partei bislang kein herausgehobenes Amt innegehabt hatte; knapp zwölf Prozent stimmten gegen beide Kandidaten.

          In seiner Bewerbungsrede hatte sich Chrupalla kämpferisch in Richtung seiner Gegner geäußert und sich als „Bundessprecher der Basis“ dargestellt. Wenn er angegriffen werde, dann nur deshalb, „weil die Basis zum Schweigen gebracht werden soll“. In Richtung derer, die hinter der gescheiterten Revolte stehen, sagte er: „Dieses Verhalten macht genau das kaputt, was wir am Infostand und in den Parlamenten aufbauen.“ Der Parteichef appellierte an die Delegierten: „Bereiten wir diesen Dingen hier und heute ein Ende.“

          Auch Kleinwächter hatte die Partei zuvor zu mehr Geschlossenheit aufgerufen: „Deutschland retten wir nicht, indem wir das andere Lager bekämpfen, sondern, indem wir den politischen Gegner bekämpfen.“ Der Bundestagsabgeordnete stellte sich als Kandidaten dar, der keinem Lager angehöre. „Liebe Freunde, ich bin kein Lagerhengst“, sagte Kleinwächter in Richtung der Delegierten, nutzte zugleich aber die Signalwörter, die seine Unterstützer als Abgrenzung zu den Radikalen in der Partei verstehen konnten: „Die AfD ist die bürgerliche Partei, liberal und konservativ.“

          Trat gegen Tino Chrupalla an: der AfD-Politiker Norbert Kleinwächter
          Trat gegen Tino Chrupalla an: der AfD-Politiker Norbert Kleinwächter : Bild: dpa

          Weidel stellte in ihrer Bewerbungsrede fest, dass die AfD kein „Auslaufmodell“ sei, sondern die „Zukunft“. Sie gab zugleich zu, dass die AfD schon bessere Zeiten erlebt habe. Damit es für die Partei wieder aufwärts gehe, forderte sie die Delegierten auf, nicht jede inhaltliche oder personelle Position in Frage zu stellen. Zudem müsse die Partei aufhören, „die Medien mit internen Scharmützeln zu füttern“, nach außen hin geeint auftreten und ihre Erfolge besser verkaufen. „Die AfD hat dazu beigetragen, die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht im Deutschen Bundestag zu verhindern“, sagte Weidel. „Das waren wir!“

          Chrupalla führt die AfD seit November 2019, zunächst an der Seite Meuthens, seit dessen Weggang alleine. Meuthen, der am Ende seiner Amtszeit die offene Auseinandersetzung mit den radikalen Kräften in der AfD gesucht hatte, hatte mit Verweis auf „totalitäre Anklänge“ in der Partei sein Amt niedergelegt und die AfD verlassen. Mit Chrupalla hatte er sich zu diesem Zeitpunkt schon völlig überworfen. Mit Weidel wird Chrupalla wohl nicht dieselben Probleme haben wie mit Meuthen. Bei wichtigen Entscheidungen, die den formal aufgelösten, völkischen „Flügel“ betrafen, stand sie als stellvertretende Bundesvorsitzende an Chrupallas Seite.

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