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AfD-Politiker in der Krise : André Poggenburg sagt es durch die blaue Kornblume

Der ehemalige AfD-Fraktionsvorsitzende Andre Poggenburg Anfang des Jahres 2017 während einer Pressekonferenz im Landtag in Magdeburg. Bild: dpa

2016 erreichte André Poggenburg mit der AfD ein Rekordergebnis bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Bis 2018 war er in seinem Landesverband Fraktionsvorsitzender. Nun sieht man nicht mehr viel von dem AfD-Politiker – außer blaue Kornblumen.

          Die Zeiten, in denen André Poggenburg eine wichtige Figur der AfD war, liegen nicht lange zurück: Nachdem er 2016 bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt das bis heute nicht erreichte Rekordergebnis von 24,3Prozent holte, galt er gemeinsam mit Björn Höcke als prominentester Vertreter des extrem rechten Flügels der Partei. Auch im eigenen Landesverband baute sich Poggenburg eine starke Position auf und fungierte dort zugleich als Partei- und Fraktionsvorsitzender.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Von der einstigen Ämterfülle ist allerdings nicht viel übrig. Poggenburg droht sogar der Verlust seiner letzten Machtposition als AfD-Kreisvorsitzender im Burgenland. „Die Entwicklung sieht gerade nicht so gut aus für Leute wie mich“, gibt der 43 Jahre alte Politiker am Mittwoch zu. Tags zuvor ist Poggenburg parteiintern gleich von zwei Seiten in die Zange genommen worden: Der AfD-Bundesvorstand hat beantragt, das Landesschiedsgericht solle ihm den Kreisvorsitz aberkennen und eine Ämtersperre von zwei Jahren verhängen. Die AfD-Fraktion im Magdeburger Landtag forderte Poggenburg auf, binnen einer Woche öffentlich ein „klares und aufrichtiges Bekenntnis“ zur AfD abzugeben.

          Oliver Kirchner, der Nachfolger Poggenburgs an der Spitze der Fraktion, erklärt, der Konflikt mit Poggenburg sei nicht inhaltlicher Natur. „Ich bin ja selbst lange Zeit auf einer Linie mit Poggenburg gewesen, und politisch tue ich das auch noch heute.“ Mit dieser Selbstverortung steht Kirchner exemplarisch für den rechtsgerichteten Landesverband in Sachsen-Anhalt, in dem man sich trotz der inhaltlichen Harmonie allerdings unentwegt streitet und gegenseitig mit Nazi-Vorwürfen überzieht.

          Ein trauriges Schicksal

          Poggenburg könnte den Bogen allerdings überspannt haben, indem er öffentlich Gedankenspiele über eine Neugründung einer Partei rechts von der AfD anstellt. Im Hintergrund der Äußerungen stehen wohl Ideen sächsischer Pegida-Anführer, mit denen Poggenburg sich austauscht. Er klagt über ein „Zerwürfnis“ zwischen AfD und Pegida und übertriebene Angst der Parteiführung vor einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Eine „Hysterie“ sei das, sagt Poggenburg. „Die Partei hat politische Tollwut im Moment.“ Bisher gab Poggenburg an, für die Neugründung einer Partei nicht zur Verfügung zu stehen, sagt aber nun: „Nichts ist in Stein gemeißelt.“ Einer Neugründung wird von der gegenwärtigen Parteiführung allerdings keine großen Erfolgschancen prophezeit.

          Poggenburg wird parteiintern auch sein fortgesetztes Kokettieren mit Traditionen des Nationalsozialismus vorgehalten. In seinem Neujahrsgruß hatte er zum wiederholten Mal den Begriff „Volksgemeinschaft“ verwendet. Poggenburg zeigt seit einiger Zeit zudem eine besondere Vorliebe für blaue Kornblumen. Solche Blumen wurden unter anderem von österreichischen Nationalsozialisten als Erkennungszeichen getragen, als die Partei unter Kanzler Dollfuß verboten war. Trotz der Kritik sagt Poggenburg am Mittwoch, an den Kornblumen festzuhalten, die derzeit seinen Twitteraccount zieren. Zur Begründung verweist Poggenburg darauf, dass die Partei wohl kaum gegen ihn vorgehen werde und zugleich hinnehme, dass der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Kay Gottschalk zum Boykott türkischer Läden aufgerufen und der AfD-Parteivorsitzende Alexander Gauland die zwölf Jahre unter Hitler als „Vogelschiss“ bezeichnet habe. „Das ist doch eine Sache, da kann man nur den Kopf schütteln.“

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