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Alternative für Deutschland : AfD-Vorstand mahnt Pretzell ab

Von der AfD abgemahnt: NRW-Landeschef Marcus Pretzell (rechts), hier neben dem Bundesvorsitzenden Bernd Lucke. Bild: dpa

Der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Marcus Pretzell hat vom Bundesvorstand abermals eine Abmahnung erhalten. In einem Prüfbericht werfen ihm Gutachter Fehlverhalten vor. An einen Rücktritt denkt Pretzell aber nicht.

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          Der AfD-Bundesvorstand hat am Dienstag eine Abmahnung gegen den nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell ausgesprochen. Laut dem Beschluss soll Pretzell dem nordrhein-westfälischen Landesverband „bewusst verschwiegen“ haben, „dass das Finanzamt das Parteikonto zu pfänden drohte, weil Herr Pretzell seine Steuerschulden nicht bezahlen konnte“.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Pretzell soll außerdem „mehrfach falsche oder geschönte Angaben von eigenen Verfehlungen“ gegenüber den Mitgliedern seines Landesverbandes gemacht haben. Vorgeworfen wird ihm auch ein Verstoß gegen die Satzung, nach der „ein Wohnsitzwechsel der Partei unverzüglich anzuzeigen ist“. In Parteikreisen war Pretzell in den vergangenen Wochen wiederholt ein nachlässiger Umgang mit privaten Schulden und eine Behinderung der parteiinternen Aufklärung vorgeworfen worden.

          Am Montagabend hatten zwei vom Bundesvorstand beauftragte Sondergutachter den „dringenden Verdacht“ geäußert, dass Pretzell nie „rechtswirksam“ zum Landesvorsitzenden gewählt worden sei. In dem Bericht, der dieser Zeitung vorliegt, argumentieren die Prüfer, Pretzell habe zum Zeitpunkt seiner Wahl nicht über eine „melderechtlich gültige Anschrift“ in Nordrhein-Westfalen verfügt. Er habe deshalb gemäß der AfD-Satzung kein „passives Wahlrecht“ besessen und habe nie für ein Parteiamt kandidieren dürfen. Die Gutachter hatten den Bundesvorstand aufgefordert, eine Ämtersperre von zwei Jahren gegen Pretzell zu verhängen und ihn des Amtes zu entheben. Grund hierfür seien die „privaten chaotischen Zustände“, die Pretzell zur Entschuldigung für die Pfändung des Parteikontos in Nordrhein-Westfalen angeführt hatte.

          Pretzell lehnte einen Rücktritt im Gespräch mit dieser Zeitung am Dienstag ab. Er sei das einzige AfD-Mitglied, das schon zwei Abmahnungen erhalten habe. Eine wegen eines Treffens mit dem Ukip-Vorsitzenden Nigel Farage und eine wegen eines Verstoßes gegen das Meldegesetz. „Wenn man sich diese Gründe auf der Zunge zergehen lässt, hat das schon eine gewisse Komik“, sagte Pretzell.

          Den Vorwurf der Überforderung wies er zurück. „Wenn ich überfordert bin, sollte man sich die Arbeit im Europäischen Parlament anschauen und sich überlegen, wer noch zurücktreten sollte.“ Wen er damit meint, wollte Pretzell nicht sagen. Auch die Kritik wegen falscher Aussagen wollte Pretzell nicht gelten lassen. „Es ist doch geradezu lachhaft, mir vorzuwerfen, dass ich die Dinge zu meinen Gunsten auslege. Was soll ich denn sonst tun? Meine Gegner sind auch nicht die Objektivität in Person.“

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