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Machtkampf eskaliert : AfD-Vizechef Henkel tritt zurück

Verlässt den AfD-Vorstand: Hans-Olaf Henkel Bild: dpa

Paukenschlag bei der AfD: Der stellvertretende Bundesvorsitzende Hans-Olaf Henkel tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Als Grund nennt er Versuche von „Rechtsideologen“, die Partei zu übernehmen. Führenden Parteifreunden bescheinigt er charakterliche Defizite.

          Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Hans-Olaf Henkel hat am Donnerstag mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Henkel begründete seine Entscheidung im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit Versuchen von „Rechtsideologen“, die Partei zu übernehmen, und mit charakterlichen Defiziten führender Parteifunktionäre. Sollte es nicht zu einer „Klärung“ im Richtungsstreit seiner Partei kommen, drohe seiner Partei der Untergang. „Dann wird die AfD scheitern. Das ist meine feste Überzeugung“, sagte Henkel. „Ich werde mich weiterhin für die Partei einsetzen, aber nur dort, wo man sich an die Grundsätze unserer Partei hält wie zum Beispiel in Bremen.“

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          In einem Rundschreiben an alle Mitglieder äußerte der Parteivorsitzende Bernd Lucke unterdessen, es gebe „beunruhigende Entwicklungen in der Partei“. Es gebe Versuche, die „politischen Inhalte der AfD und ihren Politikstil in eine Richtung zu verschieben, vor der ich nur warnen kann“, schrieb Lucke.

          Auch Parteichef Bernd Lucke spricht von „beunruhigenden Entwicklungen“ in der Partei Bilderstrecke

          Der stellvertretende Vorsitzende Alexander Gauland, der zu den Gegnern Luckes und Henkels zählt, hatte Lucke zuvor für dessen Haltung gegenüber dem von einer Steueraffäre betroffenen nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell scharf kritisiert. „Er will sich mit seiner Linie durchsetzen – und da ist Pretzell und der Landesverband Nordrhein-Westfalen ein schwerer Brocken auf dem Wege, den er gerne beiseite geräumt hätte“, sagte Gauland der Zeitung „Handelsblatt“. Lucke spalte die AfD weiter.

          NRW-Landesparteitag abgesagt

          In Parteikreisen steigt unterdessen der Druck auf Pretzell. Das nordrhein-westfälische AfD-Schiedsgericht prüft, ob Pretzell rechtmäßig im Amt ist, weil er zum Zeitpunkt seiner Wahl nicht über einen Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen verfügte.

          Durch einen Formfehler bei der Einladungsfrist zu einer Vorstandssitzung musste zudem der für dieses Wochenende geplante Landesparteitag abgesagt werden. Pretzell sagte der F.A.Z., es gebe eine „Kampagne“ gegen ihn. Sein Stellvertreter Reiner Rohlje erhob indes schwere Vorwürfe. „Wir legen Wert auf Anstand und Ehrlichkeit“, sagte Rohlje. Pretzell habe die Partei getäuscht und sei als Landesvorsitzender überfordert.

          Mehr zum Rücktritt von Hans-Olaf Henkel und dem Streit in der Parteiführung der AfD sowie ein Interview mit dem Europaabgeordneten und früheren BDI-Präsidenten lesen Sie am Freitag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – beziehungsweise ab Donnerstagabend 20.00 Uhr im E-Paper.

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