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AfD und rechter Rand : Sing, mei Sachse, sing!

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Tillschneider äußerte sich dazu gegenüber der F.A.Z. nicht, schreibt allerdings auf den Internetseiten der Vereinigung, dass er im Gegensatz zur „Mainstream“-Presse Elsässers Magazin wie auch andere rechtsnationale Blätter für „von einem gesunden Geist getragen“ hält, wo „sachlich und neutral berichtet“ werde. Innerhalb der Patriotischen Plattform gilt selbst das rechtskonservative Wochenblatt „Junge Freiheit“ als links und Frauke Petry als eine „des Opportunismus verdächtige“ Kandidatin, die freilich den eigenen Zielen dienlicher als Bernd Lucke sei und deshalb unterstützt wird.

Petry lässt Leute wie Tillschneider gewähren; auf entsprechende Fragen antwortet sie stets, dass Mitglieder wie er nur begrenzte Unterstützung erführen. Zugleich aber binden sie Wähler. Schon vor der Landtagswahl im vergangenen Jahr sprach Petry offen aus, „auch das Protestpotential abschöpfen“ zu wollen. Der Plan ging auf, die AfD verdrängte die NPD aus dem Landtag, zum Teil mit den gleichen Parolen. Extremisten, so Petrys Credo, das sie auch jetzt nach ihrer Wahl zur Vorsitzenden wiederholt hat, dürfe man nicht ausgrenzen, man müsse mit ihnen reden.

AfD-Abgeordneter macht Stimmung gegen Asylbewerber

Petry verweist gern darauf, dass der Begriff „rechts“ nur unscharf definiert und ihrer Partei wie ein Etikett aufgeklebt werde. Die Proteste in Sachsen gegen Unterkünfte für Asylbewerber nahm die Partei zum Anlass, sich mit Abgeordneten, Bannern und Sprechchören etwa in Freital wütenden Anwohnern und Asylgegnern als Alternative zu präsentieren. Ganz vorn dabei war Carsten Hütter, ein Autohändler aus dem Erzgebirge, Landtagsabgeordneter und Stellvertreter Petrys. Er marschierte beim Besuch von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) mit durch das zu einer Erstaufnahmeeinrichtung umfunktionierte Hotel, fotografierte dabei Asylbewerber, stellte die Bilder ins Internet und gab über die Pressestelle der AfD-Fraktion eine Mitteilung heraus, in der er sich „gleich mehrfach erstaunt“ gab.

Statt den Anwohnern „wie versprochen Flüchtlingsfamilien aus Syrien“ zu liefern, habe er „beinahe ausschließlich junge Männer aus dem Kosovo und Nordafrika“ gesehen, schrieb Hütter und fügte hinzu: „Fast alle waren sehr modisch gekleidet, jeder hatte ein neues Smartphone in der Hand.“ Das Bemerkenswerte daran war nicht die ungenierte Verletzung der Privatsphäre der Asylbewerber, sondern dass seine Behauptungen faktisch falsch waren. In der Unterkunft leben viele Familien, unzählige Kinder sprangen um die Besucher herum. Die vielfach einzige Bekleidung der Bewohner waren Badeschuhe, Jogginghosen und Fußball-Trikots, mehrere unter ihnen teilten sich Mobiltelefone, um mit Angehörigen in der Heimat in Kontakt zu bleiben.

Als der Vorfall kürzlich im Landtag zur Sprache kam, verteidigten die gesamte AfD-Fraktion und auch Petry ihren Abgeordneten und bediente damit indirekt auch Vorurteile derjenigen, die in Asylbewerbern ausschließlich Sozialschmarotzer sehen, die vom deutschen Staat bei Abgabe ihres Asylantrages mit Markenklamotten und neuesten Mobiltelefonen ausgestattet werden. Es gibt in Sachsen auch Mitglieder, die den Vorfall kritisch sehen, offen darüber sprechen wollen sie nicht.

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