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Rücktritt bei der AfD : „Mir gehen manche Thesen gegen den Strich“

Hans-Olaf Henkel: „Ich kann nichts mit rechtspopulistischen Parolen anfangen.“ Bild: Marko Priske/laif

Hans-Olaf Henkel reicht es. Er ist von seinem Amt als Vizechef der AfD zurückgetreten. Im Interview erzählt Henkel, wie er zu dieser Entscheidung gekommen ist und warum er dennoch in der Partei bleibt.

          Herr Henkel, erinnern Sie sich noch an Ihre Nominierung zu einem der AfD-Spitzenkandidaten für die Europawahl?

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Sehr gut sogar.

          Sie traten damals in Aschaffenburg auf die Parteitagsbühne und sagten zu den Delegierten: „Ich fühle mich wohl bei Ihnen.“ Sie sagten auch, die Partei bestehe durchweg aus „seriösen, hochgebildeten Bürgern“ und der Vorstand aus „Ehrenmännern und Ehrenfrauen“. Das war vor 15 Monaten.

          Das stimmt für die meisten AfD-Mitglieder heute so wie damals. Aber die Partei hat sich in der Zwischenzeit geändert. Sie ist in Thüringen anders als in Hamburg, in Brandenburg anders als in Bremen. Folglich ist meine Position auch differenzierter. Ich unterstütze die Partei nur noch dort, wo man sich an unsere Grundsätze hält, wie zum Beispiel jetzt in Bremen, wo ein hervorragender Wahlkampf stattfindet ohne rechtspopulistische Schlenker. Dort folgt man unseren politischen Leitlinien nicht nur nach ihren Buchstaben, sondern auch nach ihrem Geiste.

          Was stört Sie genau?

          Ich kann nichts mit lauten Tönen, schrillen Ansagen und rechtspopulistischen Parolen anfangen. Die gehen weder aus den Leitlinien noch aus den jeweiligen Parteiprogrammen hervor. Das hält einige AfD-Mitglieder aber nicht davon ab, solche Parolen zu verbreiten. Mir geht das gegen den Strich.

          Ihre Gegner argumentieren, dass die AfD gerade mit Fundamentalopposition und Populismus erfolgreich sein kann.

          Diese Auffassung ist grundfalsch. Ich habe nichts gegen überspitzte Rhetorik und selbst oft den Säbel benutzt. Hier aber wird der bewusste Versuch gemacht, diese Partei weit rechts von dem Programm zu verschieben, welches Tausende unserer Mitglieder basisdemokratisch verabschiedet haben.

          Hätten Sie sich vor 15 Monaten in der AfD engagiert, wenn Sie damals gewusst hätten, was Sie heute wissen?

          Ja. Aber ich hätte mehr Wert darauf gelegt, sicherzustellen, dass wir möglichst keine Karrieristen, Rechtsideologen, Spinner und Pleitiers in der Partei haben. Heute bezahlen wir dafür den Preis. Wobei ich Ihnen aber auch sagen muss: Daran sind die Medien mit schuld.

          Meinen Sie das in Ihrer Partei gängige Argument, dass deshalb so viele Rechtsideologen in die AfD eingetreten sind, weil die Partei in Medien als rechtspopulistisch bezeichnet wurde?

          Wir sind hier in einen Teufelskreis geraten. Am Anfang wurden wir als Professorenpartei verunglimpft. Dann begannen Altparteien und Medien das Mantra von der rechtspopulistischen Partei zu wiederholen. Meiner Beobachtung nach haben erst danach Rechtspopulisten gesagt: Oh, da gibt es eine neue Partei für uns, da treten wir ein. Unser Fehler war, das zu spät gemerkt zu haben.

          Wann dämmerte es Ihnen, dass es hier ein Problem gibt?

          Auf dem Bundesparteitag in Erfurt im März 2014, als ich meinen Ohren und Augen nicht traute angesichts einiger Selbstdarsteller und Chaoten, die den ganzen Parteitag in Geiselhaft nahmen. Ich habe mir gedacht: Mensch, du reitest jetzt einen Tiger.

          Unter Funktionären der AfD gibt es zu dieser Frage zwei Denkschulen. Die einen sagen: Ich kann nicht in einer Partei sein mit Menschen, die in diesem Maße verblendet sind. Die anderen sagen: Gerade wenn diese Menschen zu uns kommen, müssen wir bleiben und sie bekämpfen. Welcher Denkschule gehören Sie an?

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