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Rücktritt bei der AfD : „Mir gehen manche Thesen gegen den Strich“

Nein. Die kriegen nur mit, da wird gestritten, und sie finden das zu Recht schrecklich. Für die sind die Streithähne alle gleich. Das ist jetzt auch ein Problem von Lucke und mir. Natürlich kann man sagen: Macht Frieden. Aber ich könnte nicht auf der Basis solcher Parolen Frieden schließen, die immer wieder verbreitet werden. Wir müssen hier Klarheit schaffen.

Sie changieren immer zwischen zwei Begründungen für die Misere. Einerseits sind die Rechten in der Partei schuld, andererseits sind es charakterliche Defizite von Parteifunktionären.

Es ist eine Melange aus beidem. Mir fällt es zunehmend schwer, mit bestimmten Personen zusammenzuarbeiten. Und mir gehen manche Thesen gegen den Strich. Wenn ich höre, dass in Brandenburg gesagt wird, dass wir eine Partei seien, die von den Bürgern gerufen werden wolle, wenn in der Nachbarschaft ein Asylbewerberheim geplant wird, dann ist Schluss. In unseren Leitlinien haben wir das Recht von politisch Verfolgten auf Asyl festgeschrieben, ganz zu schweigen davon, dass es im Grundgesetz steht. Wir sind eine rechtsstaatliche Partei. Dabei steht außer Frage, dass wir ein anderes Zuwanderungssystem brauchen. Das kanadische Modell, nachdem sich ein Land die Zuwanderer aussuchen können muss und nicht nur die Zuwanderer ihr Land, habe ich ins Europaprogramm eingebracht.

Schämen Sie sich manchmal für Ihre Partei?

Nein, aber einiger Leute. Deshalb brauchen wir eine Klärung dieses Richtungsstreits, wenn wir die Partei retten wollen. Wir müssen uns entschlossen gegen den Versuch von rechts außen wehren, einen Kreis- und Landesverband nach dem anderen zu kapern.

Wie soll eine Klärung aussehen?

Es wird einen Mitgliederentscheid geben, der den politischen Leitlinien wieder Geltung verschaffen soll. Und wenn es eine klare Mehrheit für unsere Position gibt, dann sollen die Leute, die damit nicht einverstanden sind, die Konsequenz ziehen.

Also austreten.

Zum Beispiel.

Was passiert, wenn es keine Klärung gibt?

Dann wird die AfD scheitern. Das ist meine feste Überzeugung.

Was gab letztlich den Ausschlag für Ihre Entscheidung?

Die Art und Weise, wie der Bundesvorstand mit der Causa um den nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell umgegangen ist, war nur ein Anlass, wenn auch ein entscheidender. Wenn jemand in einer anderen Partei so oft die Unwahrheit gesagt hätte, wäre unsere Partei die erste gewesen, die seinen Rücktritt verlangt hätte. Unser Motto lautet doch: Mut zur Wahrheit. Und in jeder anderen Partei wäre diese Person schon längst weg vom Fenster. Diese Person wird aus rein machtpolitischen Gründen von drei Mitgliedern des Bundesvorstandes unterstützt. Eine Vorstandskollegin hat in sehr auffälliger Weise immer wieder zu seinen Gunsten interveniert. Für die AfD ist die Wahrheit das kostbarste Gut, aber so sparsam sollten einige von uns nicht mit ihr umgehen.

Und wie lautet nun Ihre Entscheidung?

Ich habe meinen Rücktritt aus dem Bundesvorstand der AfD und als Stellvertretender Sprecher der Partei erklärt. Ich werde mich weiterhin für die Partei einsetzen, aber nur dort, wo man sich an die Grundsätze unserer Partei hält, wie zum Beispiel in Bremen.

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