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Rücktritt bei der AfD : „Mir gehen manche Thesen gegen den Strich“

Der letzteren. Sonst wäre ich schon längst gegangen. Und in meinem Alter und nach meinem beruflichen Werdegang strebe ich auch keine anderen Posten an, mir geht es darum, eine politische Alternative zu den Altparteien anzubieten.

Wie muss man sich eine Sitzung des AfD-Bundesvorstands vorstellen, dass jemand wie Sie, der wahrscheinlich nicht zart besaitet ist, sie als unerträglich empfindet?

Ich habe in meinem Leben in vielen Gremien gearbeitet, in insgesamt 30 Aufsichtsräten, Beiräten und Senaten. So etwas wie im Bundesvorstand der AfD habe ich noch nie erlebt. Dort gibt es drei Personen, die anscheinend mit dem Ergebnis des Bremer Parteitages nicht klarkommen. Immerhin haben sich dort mehr als 80 Prozent der Mitglieder für das Ein-Sprecher-Modell ausgesprochen. Seitdem attackieren sie unseren Bundessprecher Lucke, sogar über die Presse.

Was ist der Unterschied zwischen der Ihnen wohlbekannten Aggressivität in der freien Wirtschaft und dem AfD-Vorstand? Das Ausmaß an menschlicher Niedertracht?

Wissen Sie, der Ausdruck kommt von Ihnen. Er ist in der letzten Zeit der Sache aber ziemlich nahe gekommen. Was sich da einige wenige geleistet haben, sprengt alles, was ich in allen anderen Aufsichtsgremien bisher erlebt habe.

Was hat die AfD eigentlich für ein Problem, zwischenmenschlich gesehen?

Das ist ein Phänomen, das ich leider auch in der Wirtschaft immer wieder festgestellt habe. Wenn Leute plötzlich in die erste Reihe gelangen und in der Öffentlichkeit sind, dann ist die Gefahr, dass sie ihre Persönlichkeit verändern und ihre Bodenhaftung verlieren, sehr groß. Das gibt es auch in der Politik. Wir haben solche Beispiele auch. Es gibt Personen, die sich plötzlich in Talkshows wiederfinden, über Nacht prominent wurden und meinen, vor Kraft kaum noch gehen zu können. Sie sind kaum noch wiederzuerkennen.

Sie haben mal dem Parteivorsitzenden Konrad Adam in einer privaten E-Mail, die dann öffentlich wurde, eine fast schon pathologische Persönlichkeitsveränderung attestiert.

Mir tut es heute leid, dass ich zu so drastischen Ausdrücken gegriffen habe, und habe mich bei ihm dafür entschuldigt. Ich muss Ihnen aber auch sagen, das war eine vertrauliche Mail mit einer langen Vorgeschichte. Es lag in Herrn Adams Verantwortung, dass er sie weiterleitete.

Worin besteht der Schaden für die AfD durch solche Querelen?

Es macht mich traurig, dass einige den Medien immer wieder Vorlagen liefern, die von der Kernkompetenz der AfD ablenken. Herr Schäuble hat mit seiner Europolitik in der aktuellen Griechenland-Krise der AfD einen Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt. Herr Lucke hat mehrfach versucht, diesen Elfmeter zu verwandeln. Und wer steht im Tor? Eigene Leute, die Lucke durch ihre Äußerungen zu Nebenthemen und ihre Machtspielchen dauernd davon abhalten, diesen Elfmeter zu verwandeln.

Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen an der Parteibasis wissen, was sich in der Parteiführung abspielt?

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