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Wahlkampfauftakt der AfD : „Die Jagdsaison ist eröffnet“

  • -Aktualisiert am

Umjubelt: Björn Höcke am Sonntagabend im sächsischen Lommatzsch Bild: EPA

Zum Auftakt ihres Wahlkampfs in Brandenburg und Sachsen sieht sich die AfD in der Pole Position. Als „Höhepunkt“ erscheint auf beiden Veranstaltungen der derzeit umstrittenste Politiker der Partei: Björn Höcke.

          Der aktuelle Ärger mit dem Bundesvorstand sowie manch anderen Landesverbänden ist am Sonntag im Schützenhaus Lommatzsch ganz weit weg. In der Kleinstadt bei Meißen trifft sich die sächsische AfD zu ihrem Wahlkampfauftakt, und die Redner sind fast dieselben wie am Vortag im brandenburgischen Cottbus. Nur Jörg Meuthen, der Bundesvorsitzende, fehlt in Lommatzsch, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch, im Gegenteil.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Die ostdeutsche AfD ist hier mehr oder weniger unter sich, obwohl ihre Repräsentanten fast alle aus dem Westen stammen. Andreas Kalbitz, der Brandenburger AfD-Vorsitzende, und sein Thüringer Pendant Björn Höcke sind die umjubelten Stars des Abends, die in ihren Reden immer wieder in fast schon schamloser Weise den Herbst 1989 vereinnahmen, gerade so, als hätten sie damals persönlich die Mauer eingerissen und als gelte es heute abermals, eine Diktatur loszuwerden.

          Eine Erzählung, die verfängt

          Damit aber treffen sie den Nerv der rund 400 AfD-Anhänger im Saal. Sie rufen „Wir sind das Volk!“ und „Merkel muss weg!“, „Lügenpresse!“ und „Widerstand!“ Und kaum etwas hätte die Gefühlslage der Teilnehmer besser treffen können, als die Entscheidung des sächsischen Wahlausschusses, 43 der 61 AfD-Listenkandidaten zu streichen. Dass das wegen schwerer Formfehler geschah, die die Partei selbst zu verantworten hat, wird selbstredend nicht erwähnt, dafür inszeniert sich die Partei als Opfer eines Systems, das jetzt die allerletzten Reserven im Kampf gegen die „einzig wahre Opposition“ mobilisiert.

          Von einem „Skandal ohne Gleichen“, spricht der sächsische AfD-Vorsitzende Jörg Urban. „Der Wahlausschuss wurde politisch missbraucht, weil wir die etablierten Parteien zum Wanken gebracht haben.“ Immer wieder zieht er Vergleiche zur SED-Herrschaft. In der DDR sei nach der Wahl gefälscht worden, jetzt werde schon vorher manipuliert und „politisch die Notbremse gezogen“, sagt Urban. Und schließlich: „Das ist ein Angriff auf die Demokratie selbst.“

          Die Komplexität des Verfahrens wie die Entscheidung des Wahlausschusses, dessen Sitzungen gleichwohl öffentlich sind, bringen es mit sich, dass die Erzählung von „denen da oben gegen uns hier unten“ nicht nur im Saal, sondern landesweit verfängt. Eine bessere Motivation für die Wahlkämpfer und die Mobilisierung von Wählern hätte sich die AfD kaum wünschen können.

          „Egal was für Steine sie uns noch in den Weg legen – jetzt erst recht“, hat Sachsens AfD-Generalsekretär Jan Zwerg gleich zur Begrüßung in den Saal gerufen. „Wir werden kämpfen. Wir stehen wie eine Eins. Die Jagdsaison ist eröffnet!“ An den gusseisernen Säulen im Saal hängen Plakate mit Slogans wie „Jetzt erst recht!“, „AfD – verdächtig gute Wahl“ sowie der Klassiker „Mut zur Wahrheit“. Immer wieder springen die Teilnehmer, die an langen Tafeln sitzen, begeistert auf, jubeln, klatschen und skandieren.

          Die CDU ist an diesem Abend der Hauptgegner. „Wir haben genug von 30 Jahren CDU- und 14 Jahren Merkel-Herrschaft“, ruft Urban und zeichnet ein desaströses Bild des Landes. Die staatliche Ordnung und der Rechtsstaat funktionierten nicht mehr, die Kriminalität und die Verwahrlosung öffentlicher Räume habe „Ausmaße angenommen, die vor wenigen Jahren noch unvorstellbar waren“ und Bürger, die dagegen auf die Straße gingen, würden als Nazis verleumdet.

          Die „EUdSSR“ dominiere die nationale Politik, die „Hunderttausende, die zu uns einwandern“ seien keine Fachkräfte, sondern allenfalls „Fachkräfte für Sozialbetrug“; kurz: Es gehe um die „Wahl zwischen Sklaverei und Freiheit“. Zum leuchtenden Beispiel erklärt Urban Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsnationalen Lega, der „Ruhm und Ehre“ seines Landes wiederherstellen wolle, „koste es, was es wolle“. Was Letzteres in allerletzter Konsequenz bedeuten würde, führt Urban nicht aus, seine Sätze gehen ohnehin im Jubel unter.

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