https://www.faz.net/-gpf-9wpp4

Rassistisches Kindermalbuch : AfD: „Leider verfrüht veröffentlicht“

  • Aktualisiert am

Nur Fähnchen – keine Malbücher der AfD. Bild: dpa

Bewaffnete bei einem Autokorso mit türkischen Flaggen, kleine Mädchen, die vor fremdartigen Männern weglaufen: Ein Malbuch für Kinder der AfD zeigt eindeutige Stereotype und löst harsche Kritik aus. Sogar der Staatsschutz ermittelt.

          2 Min.

          Nach harscher Kritik und Ermittlungen des Staatsschutzes an rassistischen Inhalten in einem AfD-Malbuch für Kinder rudert die Partei zurück und will das „Projekt“ beenden. Das Buch sei „leider verfrüht veröffentlicht worden“, sagte die AfD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, die das Buch in Auftrag gegeben hatte, am Mittwoch. Der AfD-Landesvorstand erklärte, Stil und Inhalt der Publikation mit „fragwürdigen Motiven“ seien nicht vertretbar und „für ein Kinderbuch völlig ungeeignet“.

          Die Bücher mit dem Titel „Nordrhein Westfalen zum Ausmalen“ waren bei einem sogenannten Bürgerdialog in Krefeld verteilt worden. Die Bilder zeigen etwa einen Autokorso mit türkischen Flaggen, dessen Teilnehmer durchweg bewaffnet sind. Ein anderes Bild steht unter dem Titel „Wir baden das aus“ und zeigt kleine Mädchen mit langen Zöpfen, die vor gefährlich und fremdartig aussehenden Männern davonlaufen. Parteien und Organisationen kritisieren derlei Abbildungen als rassistisch, nach der Verteilung der Bücher wurden zudem Strafanzeigen wegen Volksverhetzung gestellt.

          Sprinter – der politische Newsletter der F.A.Z.
          Newsletter für Deutschland - der F.A.Z. Überblick

          Starten Sie den Tag mit den wichtigsten Themen. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

          Mehr erfahren

          Die mit der Realisierung beauftragte Projektgruppe sei „über das Ziel hinaus gegangen“ und der Druckauftrag sei voreilig erteilt worden, erklärte die AfD-Landtagsfraktion. Fraktionschef Markus Wagner sagte: „Meine gestern getroffene Einschätzung war ein Fehler. Das Buch hätte in dieser Form nicht erscheinen dürfen.“ Das Projekt werde „sofort und ersatzlos beendet“. Am Dienstag hatte Wagner noch angekündigt, angesichts massiver Kritik die Auflage des Malbuchs zu erhöhen. „Da haben wir wieder einen Treffer gelandet“, hatte er erklärt und sich auf die Kunst- und Satirefreiheit berufen. „Antifa-Extremisten“ wollten „die Kunstfreiheit angreifen“.

          „Ein rassistisches Ausmalbuch“

          Nach Angaben der Polizei Krefeld wurden mehrere Strafanzeigen wegen Volksverhetzung gegen die AfD-Fraktion erstattet. Die Staatsanwaltschaft Krefeld prüfe den Fall.

          Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) hatte die Verteilung des AfD-Buches am Dienstagabend auf Twitter verurteilt und erklärt: „Jetzt geht es mit rassistischer Hetze sogar an die Kinder. Das werden wir nicht hinnehmen.“ Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Kutschaty, sprach von einem „rassistischen Ausmalbuch“ und warf der AfD vor, „Kinder mit ihrer menschenverachtenden Ideologie aufstacheln“ zu wollen.

          Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Matthias Kerkhoff, bezeichnete das Malbuch als menschenfeindlich und als weiteren Teil einer langen Reihe von Entgleisungen der AfD. „Rassismus ist immer Rassismus und keine Satire. Ganz egal in welcher Form oder von wem sie kommt“, twitterte die Amadeu Antonio Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus engagiert.

          Weitere Themen

          Geberkonferenz beschließt Nothilfe für Beirut

          Macron hält Wort : Geberkonferenz beschließt Nothilfe für Beirut

          Alleine der Hilfsbedarf für das libanesische Gesundheitssystem wird auf 85 Millionen Dollar geschätzt. Der französische Präsident Macron ruft die libanesische Führung auf, das Land durch Reformen vor dem Untergang zu bewahren.

          Topmeldungen

          „Deutschland muss eine grüne Politik hinbekommen, die den Wohlstand erhält und fördert“, sagt Audi-Chef Markus Duesmann, 51.

          Audi-Chef Duesmann : „Benzin im Blut, grün im Herzen“

          Markus Duesmann ist die neue Allzweckwaffe im VW-Konzern: Audi-Chef und Mann für die Technik von morgen. Ein Gespräch über Macht und Idole, die Liebe zu Motoren und seine Freunde im Ökomilieu.
          Lukaschenka gibt seine Stimme in einem Wahllokal in Minsk ab

          Wahlsonntag in Belarus : Unter den Augen von Soldaten

          In Belarus bereitet sich das Regime auf Proteste gegen das offizielle Ergebnis der Präsidentenwahlen vor. Amtsinhaber Lukaschenka ist gereizt.
          Im November 2019 durchsuchten die Ermittler ein Haus in Alsdorf im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach.

          Pädokriminalität aufgedeckt : Im Zentrum der Entgrenzung

          Vor dem Landgericht Köln beginnt der Strafprozess gegen Jörg L. Bei den Ermittlungen gegen den Mann aus Bergisch Gladbach kamen die Beamten einem deutschlandweiten, digital vernetzten Pädokriminellen-Geflecht auf die Spur.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.