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AfD-Politiker : Björn Höcke prophezeit ein neues Mittelalter

Der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke Bild: Daniel Pilar

Mit kruden Ansichten über die „Reproduktionsstrategie“ von Afrikanern hat der thüringische AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke für Aufsehen gesorgt. Der AfD-Vorstand rügt ihn – wegen „politischer Torheit“.

          Der thüringische AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke hat die Behauptung aufgestellt, Afrikaner hätten aus genetischen Gründen ein aktiveres Reproduktionsverhalten als Europäer. Bei einem Vortrag in dem der „Neuen Rechten“ zugehörigen „Institut für Staatspolitik“ sagte Höcke Ende November, es sei „phylogenetisch vollständig nachvollziehbar“, dass Europa eine „eigene Reproduktionsstrategie“ verfolge.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          In Afrika herrsche im Unterschied dazu eine „r-Strategie“ vor, „die auf eine möglichst hohe Wachstumsrate abzielt. Dort dominiert der sogenannte Ausbreitungstyp. In Europa verfolgt man überwiegend die K-Strategie, die die Kapazität des Lebensraums optimal ausnutzen möchte. Hier lebt der Platzhaltertyp“, sagte Höcke in dem Vortrag, von dem am Freitag ein Video im Internet veröffentlicht worden war. Begriffe wie „K-Strategie“ und „r-Strategie“ werden von Biologen verwendet, um das Verhalten von Tierarten zu beschreiben. „Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den europäischen Platzhaltertyp“, sagte Höcke, diese „Erkenntnis“ verlange nach einer „grundsätzlichen Neuausrichtung der Asyl- und Einwanderungspolitik“.

          Weiter äußerte Höcke, die Bundesrepublik erlebe derzeit einen „Staatszerfall“. Es könne sein, dass das Land sich in einer „sich selbst beschleunigenden Abwärtsspirale“ befinde, wie sie „die Endphase der DDR“ gekennzeichnet habe. Dabei könne es zu einem „Umschlagprozess“ kommen. „Einige gehen davon aus, dass ein neues Mittelalter mit einer offenen Verfasstheit, ja sogar eine Retribalisierung zu erwarten ist. Das scheint im Bereich des Möglichen zu sein“, sagte Höcke. Dies seien „keine schönen Perspektiven“ – „aber ich glaube, das ist tatsächlich die Lage“.

          Der AfD-Landesvorsitzende von Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Sonntag, er sei bei Höckes Rede anwesend gewesen und habe „nichts feststellen können, was gegen die Grundsätze der AfD verstoßen haben könnte“. Höcke teilte am Sonntag mit, er „bedaure“, wenn seine Äußerungen zu „Fehldeutungen“ geführt hätten. Er nehme sich „das Recht, Diskussionen anzustoßen“.

          In einer Telefonkonferenz am Sonntagabend beschloss der AfD-Vorstand, gegen Höcke eine Rüge auszusprechen – wegen „politischer Torheit“. Jörg Meuthen, neben Frauke Petry zweiter Parteivorsitzender, sagte: „Seine Ausführungen sind sachlich unsinnig, entbehren wissenschaftlicher Substanz und laden zu Fehldeutungen als rassistische Aussagen geradezu ein.“ Zur nächsten Sitzung des Bundesvorstandes soll Höcke vorgeladen werden. Es ist noch offen, ob ihm wegen Äußerungen, die als rassistisch kritisiert wurden, ein Parteiausschluss droht.

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