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AfD-Politiker empört über Leak : Poggenburg nennt eigene Partei „Rattenloch“

  • Aktualisiert am

André Poggenburg, Landtagsabgeordneter der AfD in Sachsen-Anhalt, unterhält sich im Juni vor dem Schloss in Burgscheidungen mit Journalisten. Bild: dpa

Die AfD Sachsen-Anhalt muss sich mit pikanten Nachrichten und Fotos auseinandersetzen: Ein Chat des früheren Landesvorsitzenden Poggenburg wurde veröffentlicht. Der hat einen Verdacht, wer dahinter stecken könnte.

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          Der frühere Vorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, hat seine Partei als „Rattenloch“ bezeichnet und seinen Parteikollegen eine „niederträchtige Tat“ vorgeworfen. Auslöser für Poggenburgs Wutausbruch sind intime Nachrichten von ihm an eine Frau, die mutmaßlich von innerparteilichen Gegnern des Politikers durchgestochen wurden, wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ und die „Volksstimme“ am Dienstag berichteten.

          Dass die Screenshots von SMS- und Whatsapp-Nachrichten nicht nur erotische Vorlieben und Fotos enthielten, sondern zudem auf der linken Internetseite „Indymedia“ veröffentlicht wurden, macht den Vorfall für den 43 Jahre alten AfD-Politiker wohl noch brisanter. Die Screenshots sind auf „Indymedia“ inzwischen nicht mehr abrufbar.

          Poggenburg beschuldigt interne Gegner

          Poggenburg kündigte in der „Mitteldeutschen Zeitung“ an, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Der „Volksstimme“ zufolge schrieb der AfD-Politiker in einer internen Whatsapp-Gruppe des Landesverbandes, er habe während seiner festen Partnerschaft 2017/2018 „außer pikantem ‚Schriftverkehr‘ mit der Frau keinen weiteren ‚Verkehr‘ gehabt“. Er habe sich bis Ende 2016 einige Male mit der Frau getroffen; damals sei er aber noch „eingefleischter Single“ gewesen. Ab 2017 sei er in einer festen Partnerschaft gewesen, und habe nur noch schriftlichen Kontakt mit der Frau gehabt, sagte der AfD-Politiker der Zeitung.

          Der frühere Landesvorsitzende vermutet demnach interne Gegner hinter den durchgestochenen Nachrichten. Diesen wirft er vor, mit dem „linken Mob und Feind paktiert“ zu haben und die Beschädigung der Partei dabei in Kauf zu nehmen. „Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Fraktion überhaupt sein kann und traue eine solche niederträchtige Tat nur äußerst wenigen meiner Gegner zu“, schrieb Poggenburg der „Volksstimme“ zufolge. Er sei in den vergangenen Jahren von Personen innerhalb und außerhalb der Partei mit verschiedenen Vorwürfen konfrontiert und auch bedroht worden, nun versuche man „eine neue, perfide Masche“.

          Bei den veröffentlichten Screenshots soll es sich um Fotos von SMS- und Whatsapp-Nachrichten handeln, die zwischen 2015 und dem Sommer 2018 erstellt wurden. Die Nachrichten seien äußerst kompromittierend, gestand Poggenburg in der „Mitteldeutschen Zeitung“ ein. Gegenüber seiner Lebenspartnerin müsse er dafür die Verantwortung übernehmen. Der „Volksstimme“ sagte er, seine Partnerin Lisa L. und er hätten sich „eine Denkpause verordnet“.

          Zu seiner Position innerhalb der AfD sagte Poggenberg demnach, er habe „immer noch eine große Fan-Gemeinde innerhalb und auch außerhalb der Partei“. Er war Anfang März als Partei- und Fraktionsvorsitzender der sachsen-anhaltinischen AfD zurückgetreten, weil ihm die Landtagsfraktion wohl das Vertrauen entzogen hatte. Sein Vertrauter Oliver Kirchner übernahm den Posten. Beide Politiker werden zum rechtsnationalen Flügel der AfD gerechnet.

          Vorausgegangen war ein Konflikt um eine Rede Poggenburgs beim politischen Aschermittwoch, in der er unter anderem Türken als „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“ bezeichnet hatte. Mit diesen beleidigenden Äußerungen löste er eine bundesweite Debatte über eine mögliche Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz los, die jetzt, nach den Vorfällen in Chemnitz, wieder geführt wird.

          „Meine Stimme hat im Landesverband trotz Rücktritts als Vorsitzender einiges Gewicht“, sagte Poggenburg der „Volksstimme“. Zuletzt hatte der 43 Jahre alte AfD-Politiker mit dazu beigetragen, dass Frank Pasemann, Hans-Thomas Tillschneider und Jan Wenzel Schmidt, der Landesvorsitzende der Jungen Alternative, nicht mehr in den Landesvorstand der AfD gewählt worden waren. Poggenburg macht die drei Politiker offenbar für seinen Sturz als Parteivorsitzender verantwortlich.

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