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AfD-Politiker Gauland : „Fremd im eigenen Land“

  • -Aktualisiert am

Wirft den Parteien im Bundestag „eine Politik der menschlichen Überflutung vor“: AfD-Politiker Alexander Gauland Bild: Reuters

Alexander Gauland wollte noch etwas loswerden. Im brandenburgischen Elsterwerda spricht der AfD-Politiker über das Boateng-Zitat und greift ein neues auf – eine Parole der rechtsextremen Szene.

          Alexander Gauland hat am Donnerstag eine Rede gehalten. Er hielt sie auf dem Marktplatz von Elsterwerda, einer Kleinstadt in Brandenburg. Dorthin hatte die AfD eingeladen, deren stellvertretender Bundesvorsitzender Gauland ist. An Laternenmasten hingen Plakate, die für den Auftritt warben: „Demonstration für unsere Heimat“. Im Licht der Abendsonne trat Gauland ans Mikrofon. Er wolle zunächst „ein wenig persönlich“ werden. In den vergangenen Tagen habe er gelernt, was ein veritabler Shitstorm sei. Und er erklärte, wie es aus seiner Sicht dazu gekommen war: „Ja, liebe Freunde, ich habe etwas Richtiges gesagt, aber ein falsches Beispiel gewählt, das mir Journalisten vorgelegt haben.“

          AfD-Demonstration in Elsterwerda

          Gauland bezog sich auf ein Gespräch, das in der vergangenen Woche zwei Berliner Korrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit ihm geführt hatten. Da sagte der Politiker zwei Sätze über den Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Als das am vergangenen Sonntag in der Zeitung stand, dementierte Gauland. Morgens teilte er mit, er habe sich „an keiner Stelle über Herrn Boateng geäußert, dessen gelungene Integration und christliches Glaubensbekenntnis mir aus Berichten über ihn bekannt sind“. Später am Tag sprach er mit der ARD: „Ich habe nur deutlich gemacht – und dabei mag der Name Boateng gefallen sein, möglicherweise von den F.A.Z.-Kollegen, denn ich kenne mich im Fußball gar nicht aus –, dass es viele Menschen gibt, die Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten.“ Nun war der Name also doch gefallen.

          Am Montagabend schrieb Gauland den AfD-Mitgliedern eine E-Mail. Im Mittelpunkt des Gesprächs mit den Journalisten habe der „ungebremste Zustrom raum- und kulturfremder Menschen“ gestanden. „Dabei mag das Zitat von der Nachbarschaft gefallen sein.“ Das Zitat, nicht nur der Name. Ihn störte nun aber die Überschrift: „Gauland beleidigt Boateng“. Erst durch sie hätten die „ansonsten richtigen Aussagen den Dreh ins Fremdenfeindliche, Rassistische bekommen“. Gauland gab seinem Satz eine neue Wendung: „Streng genommen, habe ich nicht Herrn Boateng beleidigt, sondern diejenigen, die vielleicht nicht in seiner Nachbarschaft leben wollen, wenn er nicht ein berühmter Fußballstar wäre.“ Nun klang es so, als habe Gauland eigentlich die wahren Rassisten entlarven wollen: jene Deutschen, die „einen Boateng“ in ihrer Nachbarschaft nur dulden würden, wenn er berühmt ist. „Diejenigen“ also, die sich ansonsten an dem „Fremden“ stören würden. Gauland, die Stimme der Toleranz.

          Auf dem Marktplatz von Elsterwerda sammelten sich am frühen Abend die Menschen. Neben der Bühne hatte die AfD einen Infotisch aufgebaut; wer wollte, konnte sich dort eine Deutschland-Flagge nehmen. Manche Besucher hatten eigene Deutschland-Flaggen mitgebracht. Andere hatten ungewöhnlichere dabei: Ein Mann zum Beispiel schwenkte eine schwarz-weiß-rote Flagge mit Adler in der Mitte; dieses Motiv war im Kaiserreich dem Reichskolonialamt zugeordnet. Andere hatten bunte Schilder gebastelt, die sie hoch hielten. Auf einem stand „Heimatliebe ist kein Verbrechen“, auf einem anderen „Massenzuwanderung ist auch Völkermord“. Ein Schild war wie ein gelbes Ortseingangsschild gestaltet; vorne drauf stand „Kreisstadt Meißen“, hinten „Herr Maas, Wir von Pegida denken selbst!“ Einige Männer trugen T-Shirts mit „Pegida“-Schriftzug, ein anderer Mann hatte eines an, auf dem „Defend Europe“ stand, darunter war eine Kalaschnikow abgebildet. Mehrere Besucher trugen Fan-Shirts der Band „Kategorie C“. Sie wird der rechtsextremistischen Hooligan-Szene zugeordnet, gemäß dem Verfassungsschutz verbreitet sie „rassistisches und nationalsozialistisches Gedankengut“. Viele andere Besucher trugen nichts dergleichen, sondern normale Sommerkleidung. Zusammen waren es etwa dreihundert Zuhörer. In Elsterwerda leben achttausend Leute.

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