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AfD-Parteitag in Braunschweig : Auf diese Namen kommt es an

Protest in Braunschweig: Demonstranten blockieren die Zufahrtswege zur Veranstaltungshalle. Bild: dpa

Für die zwei Posten des AfD-Bundesvorstands kandidieren in Braunschweig unter anderen eine Gemäßigte, ein Antisemit und zwei Professoren. Besonders spannend wird die Wahl für die Nachfolge von Alexander Gauland.

          7 Min.

          Während Demonstranten vor der Volkswagen-Halle in Braunschweig schon am frühen Samstagmorgen wichtige Zufahrtsstraßen blockiert haben, beginnt in dem Gebäude der AfD-Bundesparteitag. Die Protestgruppen befanden sich an drei Stellen rund um den Veranstaltungsort, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die Situation soll aber ruhig sein. Die Polizei rechnet mit 10.000 bis 12.000 Demonstranten. Auch in der Halle dürfte es an diesem Samstag spannend werden: Die zwei Posten des Bundesvorstands werden gewählt. Das sind die Namen, auf die es ankommt:

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Alexander Gauland

          Von allen AfD-Politikern, die vielleicht für den Bundesvorstand kandidieren, ist Alexander Gauland der Einzige, der nicht gewählt werden will. Am liebsten tritt er nicht einmal an. Schon vor zwei Jahren hatte Gauland keine Ambitionen auf den Parteivorsitz gezeigt. Er führt die Bundestagsfraktion, das war ihm wichtig, aber den Parteivorsitz hielt er nicht für einen Thron, sondern für einen Feuerstuhl, unangenehm und undankbar. Damals trat Gauland nur widerwillig an, als der rechtsradikalen Doris von Sayn-Wittgenstein im zweiten Wahlgang nur eine Stimme zum Sieg fehlte. Gauland wollte verhindern, dass die Partei in die Hände einer Irrläuferin fiel, also trat er im dritten Wahlgang an und siegte. Seitdem denkt Gauland darüber nach, wie er den Parteivorsitz wieder los werden kann. Seine Antwort: Die Delegierten sollen statt ihm Tino Chrupalla aus Sachsen wählen, einen Bundestagsabgeordneten. Ohne Gauland wäre auf diese Idee freilich niemand gekommen.

          Tritt Alexander Gauland doch noch einmal an, wenn sein Wunschkandidat Tino Chrupalla scheitert?

          Deshalb wird Gauland den Parteitag damit verbringen, über die Chancen seines Wunschkandidaten zu wachen. Kürzlich drohte er noch damit, selbst anzutreten, wenn Chrupalla in einer Stichwahl gegen einen Konkurrenten nicht gewählt würde. Seit klar ist, dass Chrupalla ganz gute Chancen hat, lässt er vernehmen, dass er nicht antreten wird. Sein Ko-Vorsitzender Jörg Meuthen hingegen will die Gauland-Keule noch im Spiel halten. Er sagt, Gauland könnte auch dann antreten, wenn er, Meuthen, nicht gewählt würde. Wer als AfD-Politiker auf dem Parteitag etwas machen möchte, das dem Willen der Parteiführung völlig entgegenläuft, muss damit rechnen, im äußersten Fall gegen einen verärgerten Gauland anzutreten. Gezwungen zu werden, noch einmal zwei Jahre lang ein Amt auszuüben, das er nicht will, würde Gauland demjenigen freilich nicht verzeihen.

          Tino Chrupalla

          Warum aber Tino Chrupalla? Der Mann soll es schaffen, der AfD im Osten ein bürgerliches Gesicht zu verleihen. Denn dort dominiert die rechtsnationalistische Strömung „Der Flügel“, angeführt von Björn Höcke und Andreas Kalbitz, den Landeschefs in Thüringen und Brandenburg. Durch ihre Beziehungen zu rechtsextremistischen Kreisen und radikale Äußerungen haben sie einen Ruf erworben, mit dem sie als Parteivorsitzende nicht in Frage kommen. Chrupalla aber gilt als einer, der im Flügel gut gelitten ist, aber auch von den Gemäßigteren in der AfD akzeptiert wird.

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