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AfD-Parteitag in Braunschweig : Auf diese Namen kommt es an

Chrupalla hatte vor zwei Jahren erstmals auf sich aufmerksam gemacht, als er Michael Kretschmer, heute Ministerpräsident und damals Fraktionsvize der Unionsfraktion im Bundestag, das Direktmandat im Wahlkreis Görlitz abspenstig machte. Chrupalla gilt als ein Macher, der 44 Jahre alte Malermeister hat einen eigenen Betrieb mit heute sechs Angestellten aufgebaut. Er gilt als ein direkter Typ, der etwas hemdsärmelig, aber zur Teamarbeit fähig ist.

Will AfD-Vorsitzender werden und gilt als Favorit Alexander Gaulands: Tino Chrupalla
Will AfD-Vorsitzender werden und gilt als Favorit Alexander Gaulands: Tino Chrupalla : Bild: Jens Gyarmaty

In der Fraktion hat er sich dadurch Ansehen erworben, dass er in die Bresche sprang, als die Finanzen in eine bedenkliche Schieflage gerutscht waren. Zwar gelten die rhetorischen Fähigkeiten des Sachsen bisher als gering, doch kräftig austeilen kann er. Im Bundestag machte er kürzlich von sich reden, als er in der Debatte zu 30 Jahren Mauerfall Bundeskanzlerin Merkel vorwarf, sie habe in der Jugendorganisation FDJ in der DDR „Herrschafts- und Zersetzungsstrategien“ gelernt, die sie heute noch anwende. Merkel warf er vor, sie habe keine Liebe zu Deutschland, weil sie keine Trauerbeflaggung angeordnet habe und in Urlaub gefahren sei, als ein geistig verwirrter Migrant einen Jungen vor einen Zug gestoßen hatte.

Gottfried Curio

Ein deutlich besserer Redner als Chrupalla ist Gottfried Curio – und damit dessen eigentlicher Gegner bei der Wahl zum Nachfolger Gaulands. Die Fangemeinde ist groß, Curio ist durch seine Scharfmacher-Reden im Bundestag zu einer Art Youtube-Star der AfD geworden. Manche finden seine Reden, die sich meist um das Thema Migration und Islamisierung drehen, allerdings furchteinflößend, sie werden meist im Duktus eines Chefanklägers vorgetragen. Da ist von Masseneinwanderung die Rede, die eine „Messereinwanderung“ sei, vom „Geburten-Dschihad“ der Migranten oder von verschleierten Musliminnen als „schwarzer Sack, ein Sack, der spricht“. Bei vielen AfD-Anhängern kommt solche Demagogie allerdings gut an. In der Parteispitze hat Curios Ankündigung zu kandidieren denn auch für eine Nervosität gesorgt, da sie die „Operation Chrupalla“ zu gefährden drohte. Denn mit einer Rede, die jene Delegierten mitreißt, die sich nicht festgelegt haben, könnte der 59 Jahre alte Curio seinen Mitbewerber ausstechen.

Auch Gottfried Curio aus Berlin kandidiert für den Vorsitz
Auch Gottfried Curio aus Berlin kandidiert für den Vorsitz : Bild: dpa

Allerdings hat sich Gauland entschlossen, an seinem Plan festzuhalten, da die Unterstützung für Chrupalla als groß genug eingeschätzt wird. Denn Curio hat zugleich viele Schwächen. An bürgerlicher Bildung fehlt es ihm nicht. Er hat das altsprachliche Evangelische Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin besucht, ist promovierter und habilitierter Physiker, hat zudem ein Studium der Musik abgeschlossen und als Kirchenmusiker, Organist und Chorleiter gearbeitet. Doch Curio gilt als ein Einzelgänger, der keine Absprachen trifft, Leute nicht für sich zu gewinnen sucht und zur Teamarbeit schwer fähig ist. Er hat nur wenige Vertraute, scheut den Kontakt zu Journalisten. Bei der Wahl der Fraktionsspitze im Herbst hat er sich überraschend selbst als Stellvertreter vorgeschlagen, scheiterte aber gleich in zwei Anläufen, weil er seine Kandidatur nicht vorbereitet und niemanden auf seine Seite gezogen hatte. Nicht nur Gauland, sondern die ganze AfD-Spitze hält Curio deswegen nicht für geeignet, die zerstrittene Partei zu einen, integrierend zu wirken und sie nach außen angemessen zu repräsentieren.

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