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AfD-Parteitag : Für ein Europa in Dunkelblau

Jörg Meuthen, Ko-Vorsitzender der AfD, schaut während des Parteitags der Rechtspopulisten im Magdeburg am 16. November auf sein Smartphone. Bild: EPA

Die AfD stellt in Magdeburg ihre Liste für die Wahl zum EU-Parlament auf. Mit dabei sind einige Vertreter des radikalen Flügels.

          Vorne rechts in Halle zwei der Messe Magdeburg, unweit der Tribüne, treffen sich zwei Parteikollegen. „Uwe, wir sitzen heute rechts außen“, sagt der eine. Der andere, es ist der rheinland-pfälzische AfD-Landesvorsitzende Uwe Junge, quittiert das mit einem herzhaften Lachen. An Kalauern und Bratwürsten mangelt es nicht auf der AfD-Europawahlversammlung, die am Freitag unter Magdeburgs hellblauem Himmel zusammentritt. In hell- bis dunkelblaue Töne ist auch die Leinwand getaucht, auf der knapp 600 Delegierte die Reden der Kandidaten verfolgen, die ins europäische Parlament einziehen wollen. „Dunkelblau“ gilt hier als Chiffre für den nationalkonservativen Flügel, hell sind die gemäßigteren Kräfte.

          Auf den ersten Listenplatz wählt die Versammlung schon am Freitagabend den Ko-Parteivorsitzenden Jörg Meuthen mit mehr als 90 Prozent der Stimmen. Wo er im Farbenspektrum steht, ist nicht immer leicht zu sagen. Wenn er den „Dexit“ ablehnt, wirkt er hellblau. Wenn er Björn Höcke vom deutschnationalen Flügel verteidigt, dunkler. An diesem Montag endet der Parteitag, der beschloss, 40 Kandidaten auf die Bundesliste zu setzen. Ein Programm wollen sie im Januar verabschieden. Zumindest nach außen hin können die Querelen in der Partei die Stimmung der Delegierten nicht trüben. Ausländische Spenden an Alice Weidel, die Beobachtung der baden-württembergischen AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ durch den Landesverfassungsschutz – alles nicht der Rede wert.

          Um 14.44 Uhr tritt der Ko-Vorsitzende Alexander Gauland ans Rednerpult und schaut über den Rand seiner Brille, die weit vorne auf der Nasenspitze sitzt, zu den 600 Delegierten herab. Im Saal ist immer noch keine Ruhe eingekehrt, als er seine Rede zur Rückeroberung des „Europas der Vaterländer“ beginnt. Beinahe hätten es die „Eurokraten“ geschafft, EU und Europa gleichzusetzen, sagt er. Seine Partei wolle die EU „so reformieren, wie sie ursprünglich gedacht war – als gemeinsamer Markt“. Gauland erinnert an die Gründung der AfD als eurokritische Partei. Doch die hellblauen Zeiten Bernd Luckes scheinen vergangen. Gauland stößt ins Horn der Rückeroberung Europas, über die Geburtsstunde der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sagt er, die „Violinen der Völkerverbrüderung“ seien seinerzeit noch gar nicht erklungen. Allein realpolitische Motive hätten sie hervorgebracht. Er gibt die Losung aus: Kompetente Leute würden benötigt. Das EU-Parlament sei kein Versorgungsposten, die Arbeit werde anstrengend.

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