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AfD-Parteitag : Nicht nur klimatisch eine Hitzeschlacht

Gegner: Bernd Lucke und Frauke Petry auf dem AfD-Parteitag in Essen Bild: Reuters

Zum Auftakt des AfD-Parteitages propagieren Bernd Lucke und Frauke Petry innerparteiliche Ruhe. Ihre verfeindeten Lager aber beharken sich - mit lauten Buhrufen und stillen Nachrichten.

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          Bernd Lucke und seine Freunde brauchen kein besonders feines Sensorium, um herauszufinden, wo ihre Feinde stehen. Manche lehnen den von ihm ins Leben gerufenen Verein ab, indem sie Aufkleber auf ihre Hemden oder Kleider geheftet haben: „Weckruf nein danke!“ Andere wählen lautere Methoden. Kaum hat Lucke zu Beginn des Parteitages mit seiner Begrüßungsrede begonnen, werden „Weckruf-Raus-Rufe“ laut. Gut plaziert sind die Schreihälse im Saal, so dass der Eindruck entstehen kann, dass Luckes innerparteilicher Erzfeindin Frauke Petry die Mehrheit der etwa 3500 Delegierten im Saal schon sicher ist.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Lucke weiß, dass es ein harter Weg wird. Er versucht es mit diplomatischer Annäherung - nicht gerade seine Lieblingsdisziplin. An den thüringischen Partei- und Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke wendet er sich mit dem Lob, dass dieser sich trotz aller Meinungsverschiedenheiten menschlich stets anständig verhalten habe. Höcke gehört ebenfalls zu den innerparteilichen Gegnern Luckes aus dem nationalkonservativen Lager. Lucke lobt, Höcke habe sich nie an Intrigen beteiligt. Für AfD-Verhältnisse wäre das schon einiges. Höckes Freunde skandieren dessen Namen.

          Lucke führt eine Reihe von Problemen auf, die seine Partei anzugehen habe. Politische Fragen, nicht Streit im eigenen Haus sind gemeint. Die Familien in Deutschland müssten gestärkt werden. „Mut zu Kindern“ fordert der fünffache Familienvater. Familienpolitik ist das Thema, mit dem Petry besonders Furore macht. Dann kommen die Menschen dran, die aus dem Ausland nach Deutschland wollen, ein heikles Thema für die AfD. 1,2 Millionen Menschen wollten nach Deutschland, sagt Lucke. Er versucht gar nicht erst, zwischen EU-Bürgern, Einwanderern und Asylbewerbern zu unterscheiden. Es sei verständlich, dass die Entwicklung zu Überfremdungsängsten führe.

          Dann versucht er einen kleinen Spagat: Dass die derzeitige Lage entstanden sei, liege nicht nur an den Zuwanderern, sondern auch daran, dass die Politik keine Lösungen habe. Was er dann anbietet - Einwanderungsgesetz, Leistungskürzungen für Asylbewerber, mehr Grenzsicherung - haben auf ähnliche Weise in jüngster viele gesagt: der CDU-Generalsekretär, der Präsident des Bundesamtes für Flüchtlinge und Migration, CSU-Größen und viele andere. Brutaler Populismus hört sich anders an. Neue Ideen aber auch. Lucke sagt, er habe versucht, eine „ausgestreckte Hand zu reichen“. Er bekommt kräftigen Beifall. Und anschließend richten sich kräftige Buhrufe gegen ihn.

          Als anschließend Frauke Petry ans Pult tritt, wiederholt sich diese Geräuschkulisse mit umgekehrten Vorzeichen: Beifall und Buhrufe auch für sie. Die sächsische AfD-Vorsitzende und Bundessprecherin fordert nach den Monaten des oft sehr persönlichen und verletzenden Streits in der Partei einen „respektvollen Umgang“, den man miteinander pflegen solle. Es gebe eben einen Unterschied zwischen Lachen und Auslachen. Oft sei die Grenze zur persönlichen Diffamierung überschritten worden, seien Angriffe unter der Gürtellinie gelandet. „Das haben wir nicht nötig!“

          Petry spricht in ihrem Grußwort vor allem über die innerparteiliche Stimmung und über die Wahrnehmung der „Alternative für Deutschland“. Die öffentliche Debatte habe oft „totalitäre Züge“. Meinungen würden schnell als „ausländerfeindlich und rechts“ bezeichnet. Wenn sie sich allerdings die Diskussion in der Partei anhöre, dann könne sie keinen Rechtsruck erkennen.

          Die AfD solle nicht mit dem „ausgedienten Vokabular der etablierten Parteien“ weitermachen. Und dann noch: Wenn die AfD sich inhaltlich von anderen abgrenze, müsse das unter Beachtung der freiheitlich demokratischen Grundordnung geschehen. Petry, die mit ebensolcher Kraft an die Spitze der Partei strebt wie Lucke, sagt: „Heute geht es gerade nicht ums Ich, sondern ums Wir.“ Sie bekommt starken Beifall. Kein Buhruf ertönt im Saal.

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