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AfD  : Schattenkabinett sucht Wahlvolk

  • -Aktualisiert am

Auftritt mit Pufferzone: Hampel, Petry, Holm, Meuthen und Pazderski am Montag in der Bundespressekonferenz. Bild: Matthias Lüdecke

Nach dem Wahlerfolg vom Wochenende denkt AfD-Chef Jörg Meuthen schon ans Regieren im Bund. Der politisch erfahrenere Alexander Gauland sieht das anders.

          Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen und sein Vize Alexander Gauland führen gerne ihr harmonisches Miteinander vor. Mal mit einem gemeinsamen Pressegespräch, ein andermal mit einem Interview zu zweit. Meuthen sagte vor einiger Zeit bei einer solchen Gelegenheit, bei Äußerungen von Gauland werde ihm „nie mulmig“. Nun gibt es auch nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern mit einem schon wieder starken Abschneiden der Alternative für Deutschland keine Aussage Gaulands, bei der es Meuthen mulmig werden müsste. Aber es gibt in einer Frage von Gewicht doch deutliche Meinungsunterschiede zwischen den beiden.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Meuthen sitzt am Montag um 12 Uhr in einem schmalen, sehr langen Raum im Haus der Bundespressekonferenz auf dem Podium. Wenn die AfD in Berlin auftritt, tut sie das nicht selten in diesem Raum, in dem wegen seines schmalen Zuschnitts stets große Enge herrscht. Rechts neben Meuthen und damit in der Mitte des Podiums sitzt der AfD-Spitzenkandidat aus Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm. Klar, Sieger dürfen auf den besten Platz. Außerdem wirkt Holm somit wie eine Art Pufferzone zwischen Meuthen und der Bundesvorsitzenden Frauke Petry, die rechts von Holm sitzt. Schaden kann das nichts. Meuthen und Petry haben sich in der Vergangenheit viel und öffentlichkeitswirksam gestritten, vor allem über den Zerfall der AfD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag. Am Tag nach einer erfolgreichen Landtagswahl will Meuthen dazu nichts sagen oder nur so viel, dass man beim Versuch, sich in Stuttgart zu einigen, auf gutem Wege sei und noch dieser Monat ein Ergebnis bringen könne. Streit mit Petry habe es gegeben, sagte er. Der sei aber ausgeräumt. Immerhin gesteht er ein, dass es sich bei Petry und ihm um „unterschiedliche Charaktere“ handele. Petry ist auch nicht auf Krawall aus und sagt nur: „Dem habe ich gar nichts hinzuzufügen.“

          Ein dauerhafter Erfolgskurs mache eine Regierungsbildung ohne die AfD nach Meuthen undenkbar

          Meuthen also freut sich über das Resultat seiner Partei in Mecklenburg-Vorpommern. Und er denkt weiter. Klar, nachdem die AfD inzwischen in neun Landtage gewählt worden ist und in Schwerin sogar die CDU hinter sich gelassen hat, nachdem es in Sachsen-Anhalt vor einigen Monaten nur noch mit Mühe gelungen ist, eine Regierung ohne Linkspartei und AfD zustande zu bringen, drängt sich eine Frage immer mehr auf: Wird die AfD in absehbarer Zeit mitregieren – und wenn ja: wann und wo? Meuthen zeigt sich da nicht bange, im Gegenteil. Wenn die Alternative für Deutschland ihren Erfolgskurs fortsetze, so schildert er die Lage, werde irgendwann ohne sie keine Regierung mehr gebildet werden können.

          Auch das „Irgendwann“ löst Meuthen auf. „Idealerweise wird das schon bei der Bundestagswahl sein.“ Man habe ja gesehen, was in einem Jahr passieren könne. Da hat er recht. Vor gut einem Jahr hatte sich die AfD gespalten und bei ihren Gegnern Hoffnungen genährt, das könnte ihre Beliebtheit dauerhaft verringern. War aber nicht so. Kurz nach dem höchst konfliktreichen Spaltungsparteitag in Essen sank die AfD zwar zunächst in der Wählergunst. Dann aber verkündete die Bundesregierung ihre Prognose, dass im Jahr 2015 die Zahl der Flüchtlinge auf 800000 steigen werde, Angela Merkel sagte ihr „Wir schaffen das“, und die Alternative für Deutschland konzentrierte sich ganz darauf, gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung Stimmung zu machen. In der Folge erholte sie sich von den schlechten Umfragewerten und reihte bald einen Wahlerfolg an den anderen, als habe es nie eine Spaltung gegeben.

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