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AfD nach dem Hanauer Attentat : Kreide bis zur Selbstverleugnung

Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla (links) und der Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland in der Bundespressekonferenz Bild: Reuters

Durchläuft die AfD nach dem Hanauer Massenmord eine Katharsis? Zu wünschen wäre es. Wahrscheinlicher aber ist: Die AfD wird sich auch künftig in der Wortwahl „vergreifen“.

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          Warum nur, so fragen die beiden Bundessprecher der AfD in einem offenen Brief an die Parteimitglieder, gelingt es den politischen Gegnern, die AfD mit dem Massenmord von Hanau in Verbindung zu bringen? Fraktionschef Gauland deutete wieder einmal auf die Medien, auch auf diese Zeitung. Er äußerte sich, ebenfalls nicht zum ersten Mal, aber auch selbstkritisch. Die AfD habe sich „manchmal in der Wortwahl vergriffen“.

          Die Versuche, den Hanauer Täter als Geisteskranken ohne politisches Motiv darzustellen, hat die Parteiführung inzwischen aufgegeben: „Die Tat von Hanau ist ein rassistisches Verbrechen“, heißt es in dem offenen Brief, der zudem ein Bekenntnis zur Würde des Menschen, zum Grundgesetz und zum Völkerrecht enthält.

          Sollte der Massenmord von Hanau bei der AfD, die zunächst hauptsächlich dessen „Instrumentalisierung“ beklagte, eine Katharsis ausgelöst haben, wie man sie nach den rassistischen Morden des NSU und dem antisemitischen Anschlag von Halle noch nicht zu erkennen vermochte? Es wäre sehr zu wünschen, dass auch die AfD sich gegen jeden wendete, der sich „rassistisch und verächtlich über Ausländer und fremde Kulturen äußert“ und damit „ehrlos und unanständig“ handelt, wie es in dem Schreiben heißt.

          Höcke gewinnt an Einfluss

          Doch wie wahrscheinlich ist das? Die AfD müsste dann einen nicht unwesentlichen Teil ihrer eigenen Mitglieder und Anhängerschaft für ehrlos und unanständig erklären. Der „Flügel“ um Björn Höcke, der zunehmend Einfluss in der AfD gewinnt, zieht Wähler nicht dadurch an, dass er voller Hochachtung über den „afrikanischen Ausbreitungstyp“ spricht. Höcke wird bejubelt, weil er bei Pegida auftritt und den Schulterschluss mit Rechtsextremisten nicht scheut. Und dafür, dass er sich gezielt in der Wortwahl vergreift. Das gelang nach Hanau auch Gaulands Redenschreiber („Revierverhalten“).

          Chrupalla, Meuthen und Gauland aber versuchen, eine Fassade der Bürgerlichkeit für jene Wähler zu errichten, die glauben (wollen), die AfD sei im Grunde eine CDU der achtziger Jahre mit Kanther und Dregger, vor allem aber ohne Merkel. Denn nur mit den Protestwählern aus dem bürgerlichen Lager kommt die AfD auf zweistellige Wahlergebnisse. Dafür frisst sie zur Not auch Kreide bis zur Selbstverleugnung.

          Berthold Kohler
          (bko.), Herausgeber

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