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AfD-Kommentar : Zucker für den Affen

  • -Aktualisiert am

AfD-Parteitag: Jörg Meuthen (links), Alexander Gauland Bild: EPA

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hält sich für ganz schlau: Er will seine Kritiker mit ihren eigenen Waffen schlagen.

          2 Min.

          Man kann die zwischen Hybris, Vernunft und Verzweiflung changierenden Versuche der CSU, ihre Zukunft als Volkspartei zu sichern, aus guten Gründen kritisieren. Sie sind riskant, und der Beweis, dass sie zu Ende gedacht sein könnten, steht noch aus. Der Hauptvorwurf an die CSU lautet: Sie eifere der AfD nach. Auch darauf gibt es Hinweise, etwa die Wortwahl. Wer aber von anderen begriffliche Sensibilität und intellektuelle Redlichkeit verlangt, sollte sie selbst walten lassen. Dann wird man zu dem Schluss kommen: Zwischen AfD und CSU ist ein himmelweiter Unterschied.

          Das zeigte auch der AfD-Bundesparteitag in Augsburg, zum Beispiel die Eröffnungsrede von Alexander Gauland. Der Partei- und Fraktionsvorsitzende sagte, er fühle sich derzeit „immer wieder an die letzten Monate der DDR erinnert“. Wieder verkomme ein Land, „weil seine Führung verbohrt einer zerstörerischen Ideologie folgt. Wie damals besteht das Regime aus einer kleinen Gruppe von Parteifunktionären, einer Art Politbüro, und wieder steht ein ,breites gesellschaftliches Bündnis' aus Blockparteifunktionären, Journalisten, TV-Moderatoren, Kirchenfunktionären, Künstlern, Lehrern, Professoren, Kabarettisten und anderen Engagierten hinter der Staatsführung und bekämpft die Opposition“.

          Vorgebliche Akkuratesse

          Gauland beschrieb, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel Deutschland angeblich in die Isolation geführt habe: „Deutschland ist derzeit mit den Russen wegen Putin verfeindet, mit den Amerikanern wegen Trump.“ Dann kam, was man in der AfD unter einer gelungenen Pointe versteht: „Meine Damen und Herren, liebe Freunde, der letzte deutsche Regierungschef, der eine solche Feindkonstellation gegen sich aufgebracht hat…“ Hohoho im Saal, begeisterter Applaus.

          Gauland machte es wie bei seiner „Vogelschiss“-Rede. Er gab dem Affen Zucker, nährte in diesem Fall die in AfD-Kreisen weit verbreitete Ansicht, Merkel sei noch heute eine Agentin ihrer DDR-Sozialisation, in der Demokratie nie wirklich angekommen. Er suggerierte, sie könnte eine geheime Agenda verfolgen, die womöglich auf einen „Austausch“ der Bevölkerung hinauslaufe.

          Aber er baute eben auch wieder vor. Er unterschied mit vorgeblicher Akkuratesse zwischen „vergleichen“ und „gleichsetzen“, setzte also Merkel nicht mit Honecker gleich, sondern sagte konjunktivisch, „in diesem Bild fiele Frau Merkel die Rolle des Genossen Honecker zu“. Außerdem hob er hervor, er wolle „die SED-Diktatur keineswegs bagatellisieren“.

          Wenn nun, wie zu erwarten ist, Kritik oder Empörung kommt, kann sich Gauland wieder auf den Kontext berufen, oder auf die angebliche Uneigentlichkeit seiner Formulierungen. Kein Zweifel: Gauland hält sich für ganz schlau, indem er seine Kritiker mit ihren eigenen Waffen zu schlagen versucht. Ob das auch die Methode der Wahl ist, mit der er dieses „ganze System“ abschaffen will, oder ob er es doch eher aufs „Hinwegfegen“ anlegt (um ein Wort seines Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen zu verwenden) – das offenzulassen macht für die Beteiligten offenbar gerade den wohligen Schauer eines AfD-Parteitags aus.

          Dieser Kommentar wird Gauland, sollte er Online-Artikel lesen, wieder darin bestärken, dass er recht hat mit seiner Vorstellung von einer verkommenen Machtelite. In einem könnte er sich aber wiederfinden: dass zwischen AfD und CSU ein himmelweiter Unterschied besteht. Jedenfalls tat Gauland am Samstag wieder einiges dafür, um die CSU, in der zuletzt Worte wie Asyltourismus salonfähig geworden sind, trotzdem auf Abstand halten.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

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