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AfD-Ko-Vorsitzender Gauland : Taktiker in Tweed

Alexander Gauland, Ko-Bundesvorsitzender und Fraktionsvorsitzender der AfD, am Sonntag am Rande des Bundesparteitags in Hannover Bild: dpa

Bislang hat Alexander Gauland die AfD aus der zweiten Reihe gesteuert. Jetzt ist er selbst auf einem Schleudersitz gelandet, auf den er nie wollte.

          Alexander Gauland ist ein vorsichtiger Mensch. Bisher hielt er es für klüger, die AfD aus der zweiten Reihe zu lenken. Von dort aus griff er ein und verbündete sich mit anderen, wenn ihm der Kurs der Nummer eins nicht passte. Gauland gelang es so, erst Bernd Lucke als Vorsitzenden zu entmachten; Frauke Petry, auf die er damals große Stücke hielt, half ihm dabei. Als sie die Partei im Alleingang führen wollte, nutzte Gauland sein Bündnis mit Petrys Feinden, den Rechtsnationalen, um diese Vorsitzende loszuwerden.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          So regierte er die AfD, ohne dass er selbst an der Spitze der Partei stand. Das Amt des Vorsitzenden brauchte Gauland nicht. Zumal der schwache Ko-Vorsitzende Jörg Meuthen ihm stets folgte.

          Ja, er wäre lieber Stellvertreter geblieben, sagte Gauland nun auf dem AfD-Parteitag in Hannover. Gründe dafür hatte er immer zahlreiche: sein Alter von 76 Jahren, seine Aufgabe als Fraktionsvorsitzender im Bundestag und – in ehrlichen Momenten – auch die geringe Lust, sein politisches Schicksal auf einem Schleudersitz zu beenden. Doch nun ließ Gauland sich in die Pflicht nehmen. Denn auf dem Parteitag standen sich die Flügel der AfD so feindlich gegenüber, dass die Lage für die Partei „höchst gefährlich“ war, wie Gauland sagte.

          Die AfD ist auch nach fünf Jahren immer noch zerrissen. Dass Gauland in Hannover antreten musste, weil die Partei sich nicht auf einen zweiten Vorsitzenden einigen konnte, zeigt, wie einsturzgefährdet das AfD-Gebäude noch ist. Nur Gauland kann bisher die widerstreitenden Flügel zusammenhalten, indem er einmal dem einen und ein andermal dem anderen zum Recht verhilft. Im Wahlkampf setzte er auf den rechtsnationalen Flügel, dem er aber selbst nicht angehören will. Im Bundestag ließ er die gemäßigten Strömungen dominieren – und verhinderte so, dass Abgeordnete Frauke Petry folgten und die Fraktion verließen. Gauland ist ein gewiefter Taktiker.

          Sehr viel ändern wird sich für Gauland nach dieser Wahl nichts. Den Dialog mit den Medien wird er noch mehr als zuvor dominieren – das macht ihm ohnehin Spaß. Ansonsten wird er viel Arbeit an andere Mitglieder des Bundesvorstands delegieren. Denn Gauland will sich auf seine Rolle als Fraktionsvorsitzender im Bundestag konzentrieren.

          Die AfD dort in den nächsten vier Jahren zu verankern ist sein wichtigstes Ziel. Ob er dann noch einmal antritt, ist ungewiss. Bisher hat er es geschafft, sich selbst vor Überforderung zu schützen. Doch hat seine Gesundheit immer gelitten, wenn er große Konflikte zu bestehen hatte. Kraft zieht er aus dem Lesen und dem Schwimmen, im Sommer im Heiligen See in Potsdam.

          Vierzig Jahre war Gauland in der CDU. Irgendwann brauchte die ihn und seine konservativen Gesinnungsfreunde nicht mehr. Gauland sah die Lücke am rechten Rand des politischen Systems und wurde im Pensionsalter zum Parteigründer. Nun ist er Parteiführer. Dass das höchst gefährlich ist, zeigt sein Wahlergebnis in Hannover. Ohne Gegenkandidaten bekam Gauland nur 68 Prozent.

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