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AfD in der Krise : Dann lieber ohne Meuthen

Bald alleine? Jörg Meuthen Bild: dpa

Der eine Parteivorsitzende ist einmal ehrlich, der andere ist von ihm menschlich enttäuscht: Die AfD-Führung kämpft lieber gegeneinander als gegen die Pandemie.

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          Zu den Sorgen im Ringen mit der Pandemie gehört auch eine politische Befürchtung: dass die Corona-Krise die Parteien an den Rändern des politischen Spektrums stärken könnte. Bisher ist das jedenfalls in Deutschland nicht der Fall. Die Linkspartei stagniert in den Umfragen. Die AfD musste sogar deutliche Verluste hinnehmen. CDU und CSU machten dagegen einen Sprung nach oben, wie es ihn selten zuvor gab. Die Protestwähler, die von der Union zur AfD abgewandert waren, haben die Fehler der Flüchtlingspolitik von 2015 nicht vergessen. Aber jetzt geht es nicht um die Bewältigung einer vergangenen, sondern einer akuten Krise, die den Deutschen Angst macht. In dieser Lage setzen dann selbst Leute, die bis zum Ausbruch der Seuche kein gutes Wort mehr für Merkel übriggehabt hatten, lieber wieder auf die CDU als auf die AfD.

          Als Alternative zu den „Altparteien“ empfiehlt die AfD sich in dieser Lage schon deswegen nicht, weil sie vollkommen mit dem Management ihrer eigenen Krise ausgelastet ist, wenn man das Hauen und Stechen in ihr so nennen will. Während alle anderen Parteien das Gezänk einstellen und im Kampf gegen die Pandemie zusammenrücken, kämpfen die Führungskader der AfD so verbissen miteinander, als hätten sie nicht mitbekommen, was gerade in Deutschland und der übrigen Welt los ist. Im aufs Neue aufgeflammten Richtungsstreit rief einer der beiden Parteivorsitzenden, Meuthen, nun zur Spaltung seiner Partei auf. Die gegenwärtige Konstellation sei, „wenn man einmal ehrlich ist, permanent konfliktträchtig“. Müsste man es nicht begrüßen, wenn ein AfD-Vorsitzender einmal ehrlich ist? Der andere Vorsitzende, Chrupalla, gab sich über den Vorstoß „menschlich enttäuscht“. Ehrenvorsitzender Gauland nennt Meuthens Überlegungen „extrem unpolitisch“.

          Der zentrale Punkt in Meuthens Analyse ist allerdings extrem richtig: Der extremistische „Flügel“ um Björn Höcke schreckt bürgerliche Wähler ab, die in der AfD eine CDU ohne Merkel sehen wollen. Ohne deren Stimmen kommt die AfD nicht auf zweistellige Ergebnisse. Die gäbe es jedoch auch nicht ohne die Prozente, die der nach der „Auflösung“ erst recht unbeherrschbare „Flügel“ vor allem im Osten holt. Auf die aber will die große Mehrheit der AfD-Führung nicht verzichten. Dann wohl lieber auf Meuthen.

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