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Moschee-Bau in Erfurt : Abendlandpanik für Deutschland

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Sieht sich als Konservativen: Abdullah Uwe Wagishauser in Berlin
Sieht sich als Konservativen: Abdullah Uwe Wagishauser in Berlin : Bild: dpa

In der Ahmadiyya-Gemeinschaft wird das Gedicht anders verstanden – nämlich als ein aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammender Text, der im Stil der damaligen Poetik verfasst wurde. Der Koran rechtfertige keine Gewalt, sagt Majoka. „Wer seine Gewalttaten mit Bezug auf den Koran begründet, hat so wenig Ahnung vom Islam wie die AfD.“ Der Bundesvorsitzende Wagishauser sagt, der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Stefan Möller, habe ihm selbst gesagt, er sei nicht mit dem Islam vertraut. Zugleich habe Möller die Thüringer AfD als den „nationalistischsten“ unter den Landesverbänden der Partei bezeichnet. Das Gespräch mit Möller und der religionspolitischen Sprecherin der Fraktion, Corinna Herold, sei am Ende „ergebnislos“ verlaufen. Allein die AfD sei unter den Thüringer Parteien gegen den Bau der Moschee.

SPD, Grüne, Linkspartei und CDU verweisen auf die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit, obschon die Erfurter CDU-Vorsitzende Marion Walsmann auch Verständnis hat, wenn über den Moscheebau diskutiert wird. An einer gelingenden Integration „auf Basis der deutschen Leitkultur hängt mittel- und langfristig der innere Friede und der Zusammenhalt des Gemeinwesens“, sagt Walsmann. Mit der deutschen Leitkultur hat Wagishauser indes überhaupt kein Problem. Hassprediger würde er, wenn es sie gäbe, dem Verfassungsschutz melden. Und der deutsche Teil seiner Bewegung sei bei internationalen Zusammenkünften „am pünktlichsten und am saubersten“.

„Die AfD gehört ebenso zu Deutschland wie wir Muslime“

Auch die großen christlichen Kirchen wenden sich nicht gegen den Moscheebau, im Gegenteil: „Ich begrüße es sehr“, sagt die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, „wenn eine Moschee gebaut wird und damit die Religionsausübung aus Hinterhöfen und Kellern herauskommt.“ Hubertus Staudacher, Islambeauftragter des Bistums Erfurt, verweist auf das Zweite Vatikanische Konzil. In der damaligen Erklärung hieß es: „Der Heilswille umfasst aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslime, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird“, und „mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime“. Staudacher sieht ein „ostdeutsches Spezifikum“ der Debatte um die Moschee:

„An die paar Katholiken und Protestanten haben sich die Menschen in einer zu 80 Prozent areligiösen Gesellschaft gewöhnt“, aber Menschen mit Kopftuch, die am Arbeitsplatz beten und Alkohol generell ablehnten, die seien neu in Thüringen. „Es gibt Ängste in der Bevölkerung“, sagt Staudacher, aber „die Menschen haben Angst vor der Religion, nicht vor den Muslimen. Die Religion ist fremd und für viele eigentlich etwas historisch Überwundenes.“ Bischöfin Junkermann teilt diese Einschätzung. Religion sei für viele „fremd und Privatsache“.

Wagishauser will die weitere Diskussion nicht als Privatsache behandeln. Er setzt auf „Unterstützung aus der Politik“ und auf die Zivilgesellschaft, die in großer Zahl ein buntes Thüringen wolle. „Die AfD gehört ebenso zu Deutschland wie wir Muslime. Man kann sich das nicht immer alles aussuchen, aber man muss sich damit auseinandersetzen“, sagt er.

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