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Moschee-Bau in Erfurt : Abendlandpanik für Deutschland

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Den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts hat die Gemeinschaft auch deshalb erreicht, „weil wir Listen führen, wer unseren Gemeinden angehört“, sagt Wagishauser. Die Imame seien ausgebildet. Mit der Entwicklung in der islamischen Welt „haben wir als konservative, werteorientierte Muslime unser Problem. Wir gelten deshalb als Nestbeschmutzer. Auch wir werden dort verfolgt.“ Der Glaubensgemeinschaft gehörten Mitglieder von CDU und SPD, FDP und Grünen an, sagt Wagishauser. Auch Gregor Gysi besuchte die Glaubensgemeinschaft schon einmal. Doch es sei eben eine Religionsgemeinschaft und keine politische Vereinigung.

„Dass sich die vernünftigen Leute wie Herr Professor Meuthen in der AfD durchsetzen“

Als eine neue Partei namens AfD gegründet wurde, habe man interessiert über diese Neugründung diskutiert. Allein schon das Kürzel, das ebenso für „Ahmadiyya für Deutschland“ stehen könnte, habe Interesse geweckt, sagt Dawood Majoka, der „Abteilungsleiter Externe Angelegenheiten“ der Gemeinschaft in Deutschland und im Hauptberuf Informatiker an der Universität Münster. Jüngst führte Majoka ein Gespräch mit dem AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen, das er als „ganz angenehm“ in Erinnerung hat. Meuthen sei ein gebildeter Mann, aber er sei noch nie in einer Moschee gewesen. Er, Majoka, hoffe, „dass sich die vernünftigen Leute wie Herr Professor Meuthen in der AfD durchsetzen“. Diese Partei, sagt Wagishauser, „hat schon eine gewisse Bandbreite. Es gibt dort Leute, die haben sich vernünftig mit uns unterhalten“.

Andere, wie Alice Weidel aus dem AfD-Bundesvorstand, werfen der Glaubensgemeinschaft „verfassungsfeindliche Lehren“ vor und fordern: „Ahmadiyya verbieten.“ Am Wochenende zitierte Weidel in dem sozialen Netzwerk Facebooks auszugsweise aus Textstellen, welche die Linkspartei im Offenbacher Kreistag schon 2013 veröffentlicht hatte. Schon damals war laut Majoka manches unzulässig verkürzt worden. Weidel verdichtete abermals und zitierte den folgenden Text aus einem „Ahmadiyya-Lehrbuch“: „Ich komme mit niemandem aus. Alle sind meine Feinde... Selbst wenn ich vernichtet werde, kümmert es mich nicht, wenn mein Tod dazu führt, dass der Sieg des Islam kommt.“ Weidels Kommentar dazu lautete: „Sieht so etwa Integration aus? Das ist grotesk!“ Ihr sei „absolut schleierhaft, wie diese Gemeinde den Status einer öffentlichen Körperschaft erlangen und sogar zum Kooperationspartner der Bundesregierung werden konnte“.

Verweis auf die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit

Nach Angaben von Majoka stammen die zitierten Sätze aus zwei Gedichten, die nicht als Handlungsaufforderungen zu verstehen seien. Der zuerst zitierte Satz – „alle sind meine Feinde“ – stamme aus den zwanziger bis dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Glaubensgemeinschaft tatsächlich in Pakistan und Indien verfolgt wurde. Bis heute würden ihre Angehörigen in Pakistan bei Anschlägen getötet. Mit solchen historischen Gedichten solle Kindern die Geschichte der eigenen Glaubensgemeinschaft vermittelt werden. Der zweite Teil – „Sieg des Islam“ – sei einem Gedicht des zweiten Kalifen der Glaubensgemeinschaft entnommen, das wie ein Gebet beginnt: „O Allah, seist Du gehuldigt / Auch in Schwierigkeiten / Wir sind einverstanden mit Deinem Willen.“ Weidel bezeichnete die Religionsgemeinschaft deshalb als „ach so friedlich“ und forderte, „diesem Treiben ein Ende zu bereiten“.

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