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AfD und Christentum : Auf der Suche nach dem Abendland

Der Magdeburger Dom liegt auch im sogenannten „Abendland“. Bild: Picture-Alliance

Die AfD beruft sich auf das Christentum. Doch ihre Wähler sind oft konfessionslos. Für Partei-Vizechef Gauland sorgen sie sich über die vielen Muslime aus fremden Ländern. Der AfD-Politiker wählt dafür einen deutschen Fußballspieler als Beispiel.

          Ein Ratespiel im Fernsehstudio. Die Kandidaten müssen einem Begriff spontan ein Eigenschaftswort hinzufügen. Der Moderator sagt „Abendland“. Drei der vier Mitspieler rufen ohne zu zögern „christlich“. Die Szene ist ausgedacht, vermutlich aber trotzdem ziemlich wirklichkeitsnah. Seit die Bezeichnung „Abendland“ für das westliche und das zentrale Europa gebräuchlich wurde, gehört das Attribut „christlich“ selbstverständlich hinzu.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Mit der Entstehung der „Alternative für Deutschland“ und mehr noch der Pegida-Bewegung ist der aus der Mode gekommene Begriff „Abendland“ wiederbelebt worden. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ tragen ihn sogar in ihrem Namen, wenn auch ohne den Zusatz „christlich“. AfD-Parteichef Jörg Meuthen hat hingegen dieser Tage beide Begriffe in einem Interview zusammengeschweißt. „Ich bin ein konservativer Christenmensch, nach meinem Verständnis ist die deutsche Leitkultur eine christlich-abendländische“, sagte er.

          Auch in ihrer Programmatik nennt die AfD die Worte christlich und abendländisch in einem Satz. Schon in der Präambel des Grundsatzprogramms, das die Mitglieder kürzlich auf einem Parteitag verabschiedeten, heißt es, die AfD wolle die „abendländische und christliche Kultur“ dauerhaft erhalten. Im Verlauf des Textes taucht das Christentum mehrfach auf. Es wird ausdrücklich in einen Gegensatz zum Islam gesetzt. „Minarett und Muezzinruf stehen im Widerspruch zu einem toleranten Nebeneinander der Religionen, das die christlichen Kirchen in der Moderne praktizieren.“

          Von Euro-Kritikern zu strengen Christen?

          So entsteht der Eindruck, dass der Kampf der AfD gegen den Islam religiös motiviert ist: Nicht nur Deutsche verteidigen ihr Vaterland gegen eine Massenzuwanderung von Syrern, Irakern oder Afghanen, sondern Christen wollen ein Bollwerk gegen Muslime errichten. In dieses Bild passt eine Äußerung von Alice Weidel, Beisitzerin im AfD-Vorstand, vom Donnerstag. „Es ist ein Skandal, dass schutzsuchende Christen in Deutschland aufgrund ihrer Religion drangsaliert werden“, schrieb sie in einer Mitteilung unter Bezug auf eine Studie der Organisation „Open Doors“, an deren Aussagekraft allerdings inzwischen Zweifel bestehen. Auch muslimisches Wachpersonal beteilige sich an Übergriffen auf Christen, so Weidel. Die Behörden müssten umgehend das gesamte Wachpersonal überprüfen und religiös motivierte Übergriffe statistisch erfassen. Der Eindruck war eindeutig: Die AfD ist die Schutzmacht des Christentums gegen den Islam.

          Als die Partei 2013 die politische Bühne betrat, tat sie das vor allem als Kritikerin der Euro-Rettung. Doch sahen manche Beobachter sie schon damals als Partei besonders strenger Christen oder gar als deutschen Ableger der amerikanischen Evangelikalen. Parteigründer Bernd Lucke, Vater von fünf Kindern, hatte sich lange in der Evangelisch-reformierten Kirche engagiert; er wurde als strenger Protestant mit pietistischen Zügen beschrieben. Beatrix von Storch profilierte sich als Gegnerin von Abtreibung, wandte sich gegen die Gleichmacherei der Geschlechter und trat für die Stärkung der traditionellen Familie ein. Eine Gruppe „Christen in der Alternative für Deutschland“ bildete sich bald.

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