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AfD und Christentum : Auf der Suche nach dem Abendland

Glaser: Islam immer eine politische Ideologie

Die AfD stellt deshalb das kulturell Fremde des Islams in den Vordergrund. Sie ist gegen den Bau von Minaretten und gegen den Ruf des Muezzins. Minarette gibt es freilich nur bei einigen der geschätzt gut 2000 Moscheen in Deutschland. Von 1141 muslimischen Gemeinden, die 2012 im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz befragt wurden, gaben rund zwölf Prozent an, dass sie über ein Gebäude mit Minarett verfügten. Und der Ruf des Muezzins erklingt höchst selten – genaue Zahlen gibt es nicht, aber Schätzungen liegen bei etwa 30 Moscheen, in denen auf diese Weise in Deutschland zum Gebet gerufen wird. Das alles ficht die AfD nicht an. Es gehe um ein gesellschaftliches Klima, das sich ausbreite, sagt Gauland.

Dazu gehöre, dass in Schulkantinen auf Schweinefleisch wegen muslimischer Schüler verzichtet werde oder dass muslimische Schülerinnen nicht am Schwimmunterricht teilnähmen. Auch dass deutsche Politiker einen islamischen Feiertag einführen wollten, sieht er als Ausfluss eines solchen Stimmungswandels. Die Mehrheitsgesellschaft wolle das nicht, neige aber dazu, sich um des lieben Friedens willen damit abzufinden. „Wenn die Sache aber erst einmal gekippt ist, dann ist es zu spät“, sagt Gauland.

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Albrecht Glaser sprach dieser Tage dem Islam den Status einer Religion gleich ganz ab. Wenn man den Koran lese, so frage man sich, wo da die Religion sei. „Das sind die Anweisungen eines Feldherrn“, sagte Glaser der F.A.Z. Nach seiner Ansicht ist es falsch, zwischen Muslimen und Islamisten zu unterscheiden, weil der Islam immer eine politische Ideologie sei. Äußerungen wie diejenigen Glasers sind symptomatisch für den Umgang der AfD mit dem Islam.

Für die AfD ist Islam ein kulturelles Phänomen

Es gibt zwei Maximen. Die erste heißt, dass man nicht gegen die Religion zu Felde zieht, so wenig wie die eigene Verteidigungsposition im Kampf gegen den Islam religiös begründet wird. Abgesehen von der Religionsferne vieler Mitglieder und Wähler gibt es dafür noch ein starkes Argument: das Grundgesetz. Die deutsche Verfassung besagt in ihrem Grundrechtekatalog: „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“ Auch die „ungestörte Religionsausübung“ wird gewährleistet. Zwar sagt Gauland, dass die Väter und Mütter des Grundgesetzes bei dieser Formulierung den Islam noch nicht im Sinn gehabt hätten. Aber er weiß natürlich, dass er mit dieser Behauptung nicht weit käme, sollte jemand versuchen, die AfD wegen Verletzung des Verfassungsgebots der Religionsfreiheit vor den Richter zu zerren.

Die zweite Maxime der AfD heißt daher, den Islam nur als kulturelles Phänomen und Problem darzustellen, das aber möglichst unpräzise. Eine sachorientierte Darstellung könnte schließlich zu einer Annäherung führen. Die aber will die AfD gerade nicht. Glaser geht auf diesem Pfad mit seiner Islamisten-Äußerung am weitesten. Die meisten seiner Parteifreunde, die sich daran versuchen, die Behauptung zu begründen, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, machen es eine Nummer kleiner.

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